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NBA-Skandalspiel: Faustkampf statt Korbjagd

Genau 45,9 Sekunden vor Abpfiff musste die Partie zwischen Detroit und Indiana abgebrochen werden. Zuvor hatte sich das größte Skandalspiel in der NBA-Geschichte ereignet. Spieler und Fans gerieten in eine Massenschlägerei.

Im Schatten des größten Skandalspiels in der Geschichte der nordamerikanischen Basketball-Profiliga NBA hat Dirk Nowitzki den Siegeszug der Dallas Mavericks fortgesetzt. Nach einem Kraftakt bis in die letzten Sekunden gewannen die Texaner mit 103:101 gegen die New York Knicks und feierten in der Nacht zum Samstag den achten Sieg im zehnten Saisonmatch.

Doch das Gesprächsthema in den USA war ein anderes: Beim Duell zwischen Titelverteidiger Detroit Pistons und den Indiana Pacers war es in der Central Division der Eastern Conference zu einer beispiellosen Massenschlägerei zwischen Spielern und Fans gekommen. Die Partie musste beim Stand von 82:97 genau 45,9 Sekunden vor Abpfiff abgebrochen werden. Die Pacer-Stars Ron Artest, Stephen Jackson und Jermaine O’Neal sowie Ben Wallace von den Pistons wurden später auf unbegrenzte Zeit gesperrt.

"Ich schäme mich"

"Das war das Hässlichste und Schlimmste, was ich in der NBA jemals erlebt habe. Ich schäme mich", sagte Pistons-Coach Larry Brown. "Ich habe gedacht, ich müsste um mein Leben kämpfen", zeigte sich vor allem auch Indiana-Trainer Rick Carlisle geschockt.

Der ehemalige NBA-Spieler und derzeitige ESPN-TV-Kommentator Greg Anthony drückte sich noch drastischer aus: "Dass Fans sich auf dem Spielfeld mit Spielern Prügeln ist das Allerletzte. Ich glaube, die Kultur im Sport geht mehr und mehr verloren. Auch beim Fußball in Europa ist das zu sehen. Da wird so viel Hass und Gehässigkeit in der Gesellschaft geschürt, dass auch der Sport nicht davon unberührt bleibt. Das wird über TV- und Radio-Sendungen noch angeheizt."

Wallace war bei einem seiner Korbleger von Artest gefoult worden und hatte sich gewehrt. Die Eskalation der Gewalt war nicht mehr zu verhindern, obwohl sich die Trainer einmischten und die Spieler beruhigen wollten. Als Artest zum zweiten Mal von einem Plastik- Becher aus dem Publikum getroffen wurde, rastete der 25-Jährige völlig aus.

Sicherheitspersonal versuchte, die Situation in den Griff zu bekommen. Aber Artest ließ sich erneut in eine Prügelei mit Fans ein und schlug wie auch Kollege Jermaine O’Neal Freund und Feind dabei ins Gesicht. Die Indiana-Spieler konnten nur unter Polizeischutz aus der Halle geführt werden. "Die Polizei ermittelt", sagte Pistons-Sprecher Matt Dobek später.

Ausschluss vom Spielbetrieb

Die NBA reagierte am Samstag umgehend: Artest, Jackson und Jermaine O'Neal von den Pacers sowie Pistons-Center Ben Wallace wurden bis auf weiteres vom Spielbetrieb ausgeschlossen. Artest hatte schon vor kurzem Schlagzeilen gemacht, weil er während eines Spiels einen TV-Monitor am Spielfeldrand zertrümmert hatte.

Nowitzki sorgt indes für sportliche Schlagzeilen, und seine Popularität steigt von Spiel zu Spiel. Der 2,13 m große Würzburger war mit 30 Punkten und 12 Rebounds bei seinem 40-Minuten-Einsatz vor 19 658 Zuschauern der Beste im Team der Texaner, die ohne die verletzten Michael Finley, Jason Terry sowie Erick Dampier und Dan Dickau antreten mussten. Dallas wurde für den leidenschaftlichen Einsatz belohnt, nachdem 41 Sekunden vor dem Ende Nowitzki zwei Freiwürfe zum vorentscheidenden 103:98 verwandelt hatte. Nächster Gegtner der "Mavs" sind nun ausgerechnet die Detroit Pistons.

Rainer Fülscher/DPA / DPA

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