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"Robert Ludlum's Das Bourne Komplott": Im Nahkampf stark

Insgesamt fünf Bücher und drei Kinofilme zeigen Jason Bournes Suche nach seiner Vergangenheit. Nun gibt's auch noch ein beinhartes Action-Game. Ob das erinnerungswürdig ist oder schnell vergessen werden sollte, zeigt der Test.

Apropos: "Das Bourne Komplott", grob der Rahmenhandlung des ersten von drei Kinofilmen folgend, will interaktives Action-Kino sein, weswegen Entwickler High Moon besonders großen Wert auf die Choreografien der Faustkämpfe legte. Während seiner Hatz um den halben Globus muss sich Bourne - im Übrigen eine visuelle Eigenkreation, weil Schauspieler Matt Damon nicht mitwirken konnte oder wollte - mit zahllosen Sicherheitskräften, Soldaten und Terroristen herumschlagen. Das allerdings auf ähnlich spektakuläre Art und Weise, wie man es aus den Filmen kennt: Mit geringem Tastenaufwand lassen sich diverse Angriffskombinationen starten, wobei die Adrenalinleiste des Amnesie-Agenten stetig steigt. Erreicht die ein gewisses Level, kann Bourne auf Knopfdruck bis zu drei Kontrahenten auf einmal ausknocken. Ob er dabei einen Feind die Treppen herunterwirft, aufs Kreuz legt oder gegen eine Jukebox donnert, hängt einzig und allein von der Umgebung ab.

Noch drastischer geht's in den Kämpfen gegen Zwischenbosse zu. Diese Brocken geben nicht so schnell klein bei, weshalb Bourne gerne auch zu unfaireren Mitteln greift. Ein Tritt zwischen die Beine ist dabei noch die harmloseste Variante. Mit Schaufel, Buch oder Kugelschreiber stellt er noch ganze andere Sachen an ...

Nur ein Grund, warum das Spiel erst ab 18 Jahren freigegeben ist. Ein anderer sind zahlreichen Schießereien, die trotz demolierbarer Umgebung nur leidlich spannend ausfallen und darüber hinaus auch noch an einer hakeligen Steuerung kranken. Immerhin: Eine große Hilfe stellt hier der "Bourne-Instinkt" dar: Einmal aktiviert, zielt die Spielfigur automatisch auf den nächsten Gegner. Auch andere wichtige Gegenstände und Hinweise lassen sich so für kurze Zeit deutlich sichtbar machen. Dieser sechste Sinn ist allerdings nur auf dem einfachsten Schwierigkeitsgrad permanent verfügbar.

Eine willkommene Abwechslung im immergleichen Ablauf stellen geradezu inflationär verwendete Reaktionstests, die meist in einer filmreifen Aktion gipfeln, sowie eine Auto-Verfolgungsjagd durch Paris dar. Leider belässt es Entwickler High Moon bei dieser einen Fahrmission und streckt diese dafür auf über 15 Minuten. Weniger und öfter wäre vermutlich mehr gewesen ...

Die Präsentation des "Bourne Komplotts" ist nicht zuletzt dank der verwendeten "Unreal Engine 3" ausgezeichnet. Die von zahlreichen Figuren bevölkerten Schauplätze Marseille, Paris und Zürich wirken lebensecht, die Kampfanimationen sind ungemein realistisch und auch das Design der Räumlichkeiten hat Klasse. Selbst an Kleinigkeiten, etwa daran, dass die Luft in der Nähe von Heizstrahlern flimmert, haben die Entwickler gedacht. Der Sound lässt ebenfalls keine Wünsche offen. Ein Sonderlob gebührt der Hintergrundmusik, die von der DJ-Legende Paul Oakenfold komponiert wurde.

Robert Ludlum's Das Bourne Komplott

Hersteller/Vertrieb

High Moon Studios/Vivendi Games

Genre

Action

Plattform

PlayStation3, Xbox 360

Preis

ca. 60 Euro

Altersfreigabe

ab 18 Jahren

Alles in allem ist "Das Bourne Komplott" eine nicht sonderlich abwechslungsreiche, dafür aber außergewöhnlich actionlastige Achterbahnfahrt für Erwachsene.

Artur Hoffmann/Teleschau / TELESCHAU