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Maske-Comeback: "Ich bin fassungslos"

Warum will Henry Maske mit 43 Jahren nochmal in den Ring steigen - ausgerechnet gegen Virgil Hill? Die Spekulationen um seine Motive (und seine Chancen) sind voll entbrannt.

Als gefeiertes Idol hat sich Henry Maske vor zehn Jahren aus dem Boxring verabschiedet, mit seinem Comeback könnte er seinen Ruf zerstören. Der nicht nur von Freunden des Faustkampfes als Gentleman verehrte Sportler, der mit Seriosität und Saubermann-Image sowie mit Hilfe von Promoter Wilfried Sauerland das Berufsboxen in Deutschland salonfähig gemacht hat, will mit 43 Jahren zurück in den Ring. Gegner soll Anfang des nächsten Jahres ausgerechnet jener Virgil Hill (USA) sein, der ihm im letzten seiner 31 Profi-Kämpfe 1996 die einzige Niederlage beigebracht hat. "Ich bin fassungslos", gesteht Maskes langjähriger Wegbegleiter Sauerland. "Bisher hatte ich gedacht, das sei ein Scherz. Aber jetzt macht er leider ernst."

Allen - wie auch Schwergewichts-Profi Axel Schulz, der sich akribisch auf sein Comeback im November vorbereitet - hat man die Rückkehr in den Ring zugetraut. Nicht jedoch Maske, der als intelligenter Sportsmann gilt und eine Wiederkehr stets als "völlig ausgeschlossen" von sich gewiesen hat. Nun ist offenbar alles anders.

"Überschätzt er sich nicht?"

Erreicht hat er auf sportlichem Gebiet alles. Als Amateur war er Olympiasieger (1988) und Weltmeister (1989). Den WM-Gürtel bei den Profis hielt der Halbschwergewichtler von 1993 bis 1996. Als Quotenkönig versammelte er bei seinen Arbeitseinsätzen über 17 Millionen Menschen, vom Schulkind bis zur strickenden Oma, vor den Fernsehgeräten. Zehn Jahre danach ist der Ex-Boxer als Lizenznehmer von vier McDonald's-Restaurants mit 200 Beschäftigten ein erfolgreicher Unternehmer. Als jedoch der 42-jährige Hill im Januar dieses Jahres WBA-Weltmeister im Cruisergewicht wurde, fühlte sich Maske herausgefordert. "Ich dachte, das kann doch nicht wahr sein. Der ist doch im selben Monat geboren wie du." Jetzt will er nur diesen einen Kampf als Revanche. Nach dem Schulz-Kampf ist es für RTL das zweite Box-Highlight.

Die Börse von zwei bis drei Millionen Euro sei nicht das Motiv für Maskes Comeback, vermutet Jean-Marcel Nartz, Technischer Leiter bei der Hamburger Universum Box-Promotion, der in Maskes aktiver Zeit dem Sauerland-Stall angehörte. "Henry ist Millionär. Ihm geht es nicht ums Geld. Ihm geht es einzig und allein ums Ego. Aber ich frage mich: Überschätzt er sich nicht?" Sauerland widerspricht seinem früheren Impresario: "Sicherlich hat er Geld. Aber vielleicht will er sich noch einige große Träume verwirklichen. Nur: Ich hatte erwartet, dass er selbst ein 10-Millionen-Angebot ablehnt. Henry war immer ein Mann des Wortes. Er war fast schon ein Mythos. Jetzt wird sein Ruf leiden."

Manfred Wolke darf Maske nicht trainieren

Im Sauerland-Stall ist das Entsetzen fast greifbar. "Ich verstehe die Welt nicht mehr. Ich verstehe Henry nicht", sagte Trainer Ulli Wegner, der einst Sven Ottke zum WM-Titel führte. "Vielleicht ärgert es ihn, dass zuletzt Axel Schulz wegen seines Comebacks in den Zeitungen stand. Henry will wieder in aller Munde ein. Für mich ist das Promi-Boxen, kein Leistungssport." Athleten, so Wegner, leben durch ihre früheren Erfolge in einer anderen Welt. "Für uns Trainer war Henry immer der Besserwisser. Vielleicht versaut er sich jetzt alles, was er sich im Leben aufgebaut hat." Sein früherer Trainer Manfred Wolke darf Maske nicht erneut betreuen. Sauerland habe die Zusammenarbeit abgelehnt, sagte Wolke dem Rundfunksender Antenne Brandenburg. "Ich hätte die Sache als Trainer gern gemacht, aber wir haben uns mit Sauerland entschieden, uns auf die neue Generation zu stürzen, um neue Maskes hervorzubringen."

Keine Lizenz, wenn die Fitness nicht stimmt

Aus medizinischen Gründen hat jedoch kaum jemand Bedenken. "Wir werden ihn auf den Kopf stellen und gründlich untersuchen", sagte Verbandsarzt Walter Wagner. "Wenn wir irgendetwas finden, können wir ihm die Lizenz verweigern." Doch Wagner glaubt, dass sich Maske absolut fit und gesund präsentieren wird. "Er lebt solide, treibt Sport, hat sein Gewicht gehalten. Und er hat immer klug geboxt, hatte keine Materialschlachten, die an die Substanz gingen."

Der Chefarzt der Unfallchirurgie in Bayreuth äußerte jedoch andere Bedenken. "Henry lebte als Boxer vom Distanzgefühl, von seinen Reflexen und seiner Schnelligkeit. Die haben vermutlich in den vergangenen zehn Jahren gelitten und lassen sich nicht allein im Training erwerben. Und: Hill boxte seit dem Maske-Kampf regelmäßig."

Franko Koitzsch/DPA / DPA

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