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NBA: Vierte Pleite in Serie - Mavericks verlieren beim Letzten

Wenn der amtierende Meister zum Tabellenletzten reist, sollte das Ergebnis eigentlich klar sein. Doch bei den Dallas Mavericks läuft derzeit nichts zusammen, auch weil Dirk Nowitzki nicht wirklich fit wirkt. Zudem wirkten die Mavs nach der Pleite gegen die Hornets extrem genervt über die Extrawürste von Neuzugang Lamar Odom.

Die Schwächephase der Dallas Mavericks geht weiter und nimmt mittlerweile bedrohliche Ausmaße an. Bei den New Orleans Hornets, dem Tabellenletzten der Western Conference, gab es trotz der Rückkehr von Dirk Nowitzki eine 92:97-Niederlage. Die Niederlagenserie von Dallas verlängert sich mit dem Ergebnis auf nun vier Spiele in Folge.

Zu wenig Kraft im Endspurt

Zunächst hatte alles nach einem typischen Mavericks-Spiel ausgesehen. Von Beginn an lief Dallas zwar einem Rückstand hinterher, traf aber in den entscheidenden Momenten die wichtigen Würfe und konnte so kurz vor der Halbzeit ausgleichen.

Nach einem ausgeglichenen dritten Viertel ging es mit fünf Punkten Rückstand ins Schlussviertel – wo plötzlich nichts mehr funktionierte. Mit acht Minuten auf der Uhr waren die Hornets mit zwölf vorne - und die Mavericks fanden keinen Konter mehr. Gute Offensive von Rodrigue Beaubois und Dirk Nowitzki brachte Dallas zwar nochmal heran, doch Jarrett Jack, der sich zwei Mal hervorragend gegen Beaubois durchsetzen konnte, und Marco Belinelli sicherten den Sieg in den Schlusssekunden mit verwandelten Freiwürfen. Von den letzten 10 Spielen gegen New Orleans konnte Dallas nur eins gewinnen.

Schwere Beine, schwache Defense

Und da wäre man auch bereits beim größten Problem der Mavs. Nowitzki ist momentan sicher nicht bei 100 Prozent, Jason Kidd braucht mehr Auszeiten als letztes Jahr und Beaubois, der an diesem Abend für Vince Carter in der Starting Five stand, ist in der Defensive einfach zu schwach, um gegnerische Guards wirkungsvoll stören zu können. Außerdem wiegt der Ausfall von Nowitzkis angedachtem Ersatz Lamar Odom natürlich immer schwerer, je mehr Spiele der Deutsche in kurzer Zeit ableisten muss.

Gesellen sich dann so schwache Offensivvorstellungen wie die von Nowitzki (7 von 19 getroffenen Würfen) und Jason Terry (1 von 9) dazu, hat man einfach zu wenig Waffen – selbst für ein Team, dessen Heimbilanz vor diesem Spiel bei 3 zu 15 lag. “Wir sind momentan einfach in einem Leistungsloch. Unser Reboundspiel ist schlecht, wir leisten uns zu viele Turnovers – und wenn du dann gegen einen hochkonzentrierten Gegner spielst, dann verlierst du halt“, so Mavs-Coach Carlisle nach dem Spiel gegenüber Fox.

Die Mavericks müssen nun, anstatt sich an den oberen Tabellenregionen zu orientieren, aufpassen, nicht aus den Playoff-Rängen zu fallen. Die Portland Trail Blazers, vor der Saison als sicherer Playoff-Teilnehmer gehandelt, stehen nur noch 3 Siege hinter den Mavericks, und auch die Minnesota Timberwolves und die Utah Jazz, morgen Gegner der Mavs, befinden sich noch in aussichtsreichen Verfolgerpositionen.

Odom-Problematik spitzt sich zu

Ein weiteres großes Problem der Mavericks während der härtesten zwei Wochen der Saison ist – wie oben erwähnt - die andauernde Abwesenheit von Lamar Odom. Odom, der vor der Saison von den Lakers geholt worden war, hatte die letzten drei Spiele aufgrund persönlicher Probleme – Quellen munkeln von einer Erkrankung seines Vaters – verpasst. Der Forward hatte sich zwar am Freitag in Dallas zurückgemeldet, allerdings nur, um freiwillig mit dem Development Team der Mavs in der D-League zu spielen, anstatt am Samstag gegen die Utah Jazz wieder zum Team zu stoßen. Trotz einer doppelten Trainingseinheit mit den Wurfcoaches der Mavericks wollte Odom “lieber langsam wieder einsteigen“.

Vor dem Spiel gegen die Hornets sagte Coach Carlisle in einer Radiosendung folgendes zu dem Thema: “Wir wollen mittlerweile nur noch wissen, ob Lamar wirklich in unserem Projekt drin steckt oder eben nicht. Das Team, die Fans, der Teambesitzer und ich – wir sind alle geduldig. Natürlich geht es besonders im Team um Vertrauen, und das wird er sich zurück erarbeiten müssen. Wenn er zurück kommt, muss er seine Einstellung ändern. Er muss spielen als brennt ihm die Hose – das hat er bisher vermissen lassen, und das muss sich ändern.“

Und auch Routinier Jason Kidd schlug in die gleiche Kerbe: “Natürlich sind wir ein Team, das jedem eine zweite und eine dritte Chance gibt. Aber die wird er sich verdienen müssen – und dazu sollte er schnell wiederkommen.“

Odom hatte vor der Saison, gefrustet vom Versuch der Lakers, ihn im Tausch mit Chris Paul nach New Orleans zu traden, mit dem Gedanken gespielt, sich ein Jahr Auszeit zu gönnen. Diesen Gedanken verwarf der Forward dann aber, als ihm die Möglichkeit gegeben wurde, nach Dallas zum amtierenden Meister zu wechseln, um dort einen starken Ersatz für Nowitzki auf der Position des Power Forwards darzustellen. Bei den Los Angeles Lakers war Odom im letzten Jahr zum besten sechsten Mann der Liga gewählt worden.

James auf einem anderen Planeten

Einen Absatz sollte man noch zur allgemeinen Diskussion um den Most Valuable Player, kurz MVP, loswerden. Obwohl ich selber kein großer Fan bin, wird bei diesem Titel – und eventuell auch bei der Meisterschaft – kein Weg an LeBron James von den Miami Heat vorbei führen.

Nachdem er gestern noch mit 38 Punkten, elf Rebounds, sechs Assists und fünf Steals bei keinem einzigen Turnover gegen Portland eine Leistung gebracht hatte, die es nie vorher in der Geschichte der Liga gab – jeder andere Spieler mit ähnlichen Werten hatte sich dabei mindestens zwei Turnover geleistet – legte er gegen die Utah Jazz sofort nach.

Zwar stand am Ende des Spiels eine 98:99-Niederlage und das Ende der neun Spiele währenden Siegesserie, doch James' 35 Punkte – 17 davon allein im letzten Viertel – zehn Rebounds, sechs Assists, drei Blocks und wiederum kein einziger Ballverlust sind Statistiken, von denen der Rest der Liga nur träumen kann. Kevin Durant und Kobe Bryant sind sicherlich tolle Scorer, doch das Niveau, auf dem sich James momentan bewegt, erinnert einzig an Größen wie Michael Jordan oder Magic Johnson in ihren besten Zeiten.

Bleibt abzuwarten, ob James diese Spiele auch in Drucksituationen wie Ausscheidungsspielen in den Playoffs zeigen kann – eine Schwäche, die seine Kritiker bisher sicherlich zu Recht bemängelt haben. Gegen Utah gab er den letzten Wurf aufgrund eines Double Teams an Udonis Haslem ab – der prompt verwarf.

Oliver Stein

sportal.de / sportal

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