Neue Lizenz "Ulle" bald ein "Ösi"?


Für einen deutschen Rennstall wird Jan Ullrich so schnell wohl nicht mehr aufs Rad steigen. Im Nachbarstaat buhlen sie dagegen um die Dienste des unter Dopingverdacht stehenden Ex-Tour-Siegers.

Der Österreichische Radsport-Verband hat dem Doping-Verdächtigten Jan Ullrich erneut eine Lizenz in Aussicht gestellt. "Im Rechtsstaat gilt die Unschuldsvermutung: Wenn Ullrich in Österreich lebt und eine Lizenz beantragt, wird er sie auch erhalten", zitierte die Schweizer Zeitung "Die Neue" den Verbands- Generalsekretär Rudi Massak.

"Die Welt" präsentierte am Mittwoch ein Zertifikat des in der spanischen Doping-Affäre ermittelnden Untersuchungsgerichts, nach dem Ullrich weder als Beschuldigter in Erscheinung tritt, noch gegen ihn bisher irgendwelche Maßnahmen eingeleitet worden seien. Das stand allerdings nie zur Debatte. Das zuständige Gericht hatte schon kurz nach der Tour de France erklärt, die in der Affäre genannten Radprofis, darunter Ullrich, würden höchstens als Zeugen befragt. Juristisch ermittelt wird in Spanien ausschließlich gegen die fünf Hauptbeschuldigten mit dem Mediziner Eufemiano Fuentes an der Spitze.

Trotzdem dienen die von der spanischen Polizei zusammengetragenen Indizien gegen Ullrich zusammen mit Erkenntnissen deutscher Staatsanwaltschaften dazu, ein Sportgerichtsverfahren am Wohnort des Radprofis in der Schweiz einzuleiten. Auch durch Umzug - beispielsweise nach Österreich - könnte sich Ullrich dem nicht entziehen. In Deutschland sind zivilrechtliche Ermittlungen gegen den von T-Mobile entlassenen Ex-Kapitän anhängig. Bei dem Sportverfahren droht Ullrich als Wiederholungstäter eine lebenslange Sperre.

Auch Oskar Sevilla will wieder fahren

Ullrich, der zusammen mit weiterer Fahrer-Prominenz Kunde des Drogen-Kartells um Fuentes gewesen sein soll, lebt seit einigen Jahren in Scherzingen am Schweizer Teil des Bodensees. Er und sein Manager Wolfgang Strohband erklärten mehrfach ein Interesse an der Fortsetzung der Sport-Karriere. "Jan ist nicht mit der Schweiz verheiratet nur mit Sara", sagte Strohband in der vergangenen Woche, nachdem Ullrich die Schweizer Lizenz zurück gab. Der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) hatte eine Lizenz-Erteilung für sein ehemaliges Aushängeschild ausgeschlossen.

Ullrichs ehemaliger Team-Kollege Oscar Sevilla, der zusammen mit dem Toursieger von 1997 einen Tag vor dem Start der Frankreich-Rundfahrt in Straßburg zusammen mit sieben weiteren Fahrern ausgeschlossen wurde, will wieder fahren. Das kündigte der Spanier am Mittwoch auf der Internetseite "cycling-news" an.

DPA/kbe


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