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NFL: Any Given Wednesday - Vier Rookie-Quarterbacks im Blick

Cam Newton, Christian Ponder, Blaine Gabbert und Andy Dalton: Das sind nicht die Namen von Westernhelden, sondern vier frische Quarterbacks in der NFL. Sie wurden erst in diesem Jahr gedraftet und dürfen doch bereits spielen. Dabei machen sie keine schlechte Figur.

Nein, die Auswahl zwischen den frühen Sonntagsspielen in der NFL war in dieser Woche keine leichte. Aber nicht, weil es so viele gute, sondern weil es kein wirklich gutes Spiel gab. Ich hab mich zumindest für den Blick in die Zukunft entschieden und Carolina Panthers gegen die Minnesota Vikings geguckt. Bis zu diesem Jahr wäre dies keines der Spiele, das mich auch nur ansatzweise interessiert hätte. Doch in dieser Saison spielen dort die Rookies Cam Newton und Christian Ponder – die, wie auch die anderen Quarterback-Neulinge, erstaunlich gute Leistungen abliefern.

Von dem Erstrunden-Quartett ist neben Newton und Ponder noch Blaine Gabbert bei den Jacksonville Jaguars bereits im Einsatz – Jake Locker darf bei den Tennessee Titans den sonst üblichen Weg des Lernens an der Seitenlinie gehen. Dafür ist der in der dritten Runde gedraftete Andy Dalton bei den Cincinnati Bengals von Beginn an im Einsatz. Und das sogar am erfolgreichsten – zumindest was die Siegesbilanz seines Teams angeht.

Doch auch die Statistiken der anderen Drei können sich durchaus sehen lassen. So spielt Newton von Saisonbeginn an und hat sogar die ligaweit zweithöchste Yardzahl erreicht. Alle Vier haben mehr Touchdowns als Interceptions hingelegt und wirken auf dem Feld weitaus weniger hilflos, als man dies von einem Rookie erwarten müsste.

Zahlen sind nicht alles

Der größte Vorteil, den tatsächlich alle Vier auf ihrer Seite haben: Sie müssen nicht gewinnen. Weder in Charlotte, noch Cincinnati, Jacksonville oder Minnesota werden Playoff-Teilnahmen verlangt. Somit wäre es fast schon egal, wenn sie mehr Interceptions als Touchdowns werfen würden. Sie sollen lernen, lernen, lernen. Und zeigen, dass sie in der Lage sind, Teams zu führen.

Es heißt im Moment also in der NFL Learning By Doing, obwohl sich in der Vergangenheit das Modell des Lernens durch zuschauen eher durchsetzen konnte. Noch frage ich mich, liegt der Erfolg der Jungspunde an deren Ausnahmetalent? Oder hilft es doch mehr und mehr, wenn man sich an Franz Beckenbauers abgewandelte Weisheit: "Gehts raus und spielts Football" hält? Im Moment macht es auf jeden Fall Spaß, diesem Quartett auf der sonntäglichen Schulbank zuzugucken.

Packers-Verfolger Nummer eins bis fünf

Die Liga bleibt nicht nur durch die jungen Quarterbacks unterhaltsam, in jeder Woche hält sie die ein oder andere Überraschung bereit. Der Sieg der St. Louis Rams gegen die New Orleans Saints ist dabei das beste Beispiel. Ob nun angestachelt durch den World Series-Sieg der Cardinals und die im Anschluss an das Spiel stattfindende Siegesfeier – die Rams feierten ihren ersten Saisonsieg, während man den gerade offensiv erstaunlich schwachbrüstig auftretenden Saints bescheinigen muss, dass mit solchen Leistungen weder Blumentöpfe, noch die NFC South zu gewinnen sein dürften.

Beide Teams sind natürlich nicht in meinen Top Fünf. Während die Green Bay Packers ihre verdiente Pause genießen durften, zeigten einige der bisher vermeintlichen Mitfavoriten erstaunliche Konstanz, andere wiederum verabschiedeten sich aus der Liste der Besten. Ja, ich rede von den Patriots, die sich dank desolater Defense fast schon Gedanken darüber machen müssen, ob ihr erster Platz in der AFC East nicht so langsam bedächtig wackelt. Denn die Buffalo Bills stehen nach dem überzeugenden 23:0 gegen die Washington Redskins bereits neben den Pats an der Spitze.

Die Pittsburgh Steelers zeigten dagegen der Liga, wie man gegen die Pats 2011 vorzugehen hat. Tom Brady muss aus dem Spiel genommen werden, der Rest des Teams wird keine Spiele von alleine gewinnen. Damit rückt Pittsburgh – zumindest für diese Woche – erst einmal dorthin, wo ich sie bereits vor der Saison vermutete. Mit der 6:2-Bilanz sind sie der Favorit auf den Posten des Herausforderers aus der AFC. Schön, wenn man mal Recht hat, auch wenn die Aussagekraft nach acht Spieltagen nicht die verlässlichste ist.

Neben Bills und Steelers gäbe es da noch die Detroit Lions. Ja, man muss derzeit in Denver als Team mit Anspruch auf die Playoffs gewinnen. Aber die Art und Weise beim 45:10 war schon beeindruckend. Die Defense der Lions brachte Wunder-Quarterback Tim Tebow nach dem Wunder von Miami wieder auf den harten Boden der Tatsachen. Und das wörtlich sieben Mal – so oft wurde Tebow nämlich per Quarterback-Sack zu Boden befördert.

Die San Francisco 49ers und New York Giants komplettieren die dieswöchige Top Fünf. Dass die einst hoffnungslosen 49ers gewinnen und gewinnen, ist wohl wirklich Neu-Coach Jim Harbaugh zu verdanken, eine 6:1-Bilanz nach dem 20:10 gegen die Cleveland Browns spricht für sich. Die Giants schleichen sich weiterhin im Schatten der Divisionsrivalen aus Philadelphia und Dallas in Richtung Playoffs. Während die Eagles dieses Mal die Cowboys düpierten und somit zu den Texanern und ihrer 3:4-Bilanz aufschlossen, gewannen die Giants zwar knapp, aber am Ende routiniert mit 20:17 gegen die Dolphins. 5:2 liest sich entsprechend besser als 3:4.

Die Teams wollen Luck, doch was will der?

0:8 liest sich dagegen lausig – in Indianapolis sieht es nach dem 10:27 bei den Tennessee Titans mehr und mehr danach aus, als würde Peyton Manning im nächsten Frühjahr seinen potentiellen Thronfolger Andrew Luck anlernen dürfen. Wenn, so spekulierte unter anderem nfl.com, Andrew und Papa Oliver nicht ausgerechnet in die Fußstapfen von Peytons kleinem Bruder Eli und Papa Archie treten. Die hatten 2004 einen Umzug nach San Diego verweigert und schließlich ihren Willen in Form des Quarterback-Postens für Eli bei den Giants bekommen. Allerdings ist Indianapolis sicher nicht das schlechteste Pflaster für einen jungen Quarterback – wenn Peyton Manning mitspielt.

Das hieße: Der heute 35-Jährige würde sich mit einem Karriereende in ungefähr drei Jahren abfinden und Luck als Mentor anlernen. Ein gelungenes Beispiel für ein solches Modell ist Aaron Rodgers, der drei Jahre hinter Brett Favre zuschauen durfte, ehe er das Team übernahm. Ich befürchte allerdings auch, dass Manning ähnlich spielfreudig wie Favre ist – da droht ein erzwungenenes Karriereende.

Noch haben die Colts die Dienste Lucks nicht sicher, allerdings dürfte das zweite noch erfolglose Team aus Miami fast noch weniger attraktiv für den Quarterback aus Stanford sein. Denn nicht jeder brennt darauf, sein Talent an den South Beach zu tragen. Zumal die Dolphins in den letzten Jahren nicht gerade ein Musterbeispiel für erfolgreiche Spielzeiten waren. In New York gab es die zweite Niederlage in Folge, bei der es über den Großteil der Spielzeit eigentlich nach einem Sieg ausgesehen hatte.

Sicher keinen Bedarf an den Diensten Lucks haben die Carolina Panthers und die Minnesota Vikings, dazu gab es oben hinreichend zu lesen. Mit 2:6-Bilanzen gehören aber auch die beiden Teams zum Bodensatz der Liga. Knappe Niederlagen wie bei den Panthers hin, oder gemählicher Aufschwung wie vermeintlich bei den Vikings her.

Geheimplan von Fox?

Interesse an Luck könnte dagegen noch in den Rocky Mountains herrschen. So langsam glaube ich bei der ganzen Quarterback-Geschichte in Denver an einen "Geniestreich" von John Fox. Er setzt den ungeliebten Tebow ein, der von Vorgänger Josh McDaniels als größte Hypothek hinterlassen wurde, damit dieser sich entweder um Kopf und Kragen spielt oder sich doch als ungeschliffenes Juwel erweist. Gegen die Lions zeigte sich Tebow allerdings als Schmuck aus dem Kaugummiautomaten.

Da sich der Rest der Broncos dieser Leistung jedoch nahtlos anpasste, verdienen sie sich zu Recht den Platz in den Flop Fünf. Dass es nicht so schnell gehen würde, sämtliche von McDaniels verursachten Missstände auszuräumen, war natürlich klar. Man sehnt sich in Denver aber zumindest nach einem kleinen Lichtblick, wie ihn zum Beispiel ein Cam Newton geben könnte. Mit Tebow bleiben weiter viele Zweifel. 

Sven Kittelmann

sportal.de / sportal

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