VG-Wort Pixel

NFL NFL-Kolumne - Chiefs und Dolphins entlassen ihre Coaches


Hoffnungen auf die Playoffs hatten weder die Kansas City Chiefs noch die Miami Dolphins vor den Spielen diesen Wochenendes und trotzdem zogen die Clubverantwortlichen danach ihre Konsequenzen aus den Niederlagen. Eher zu früh, als zu spät, wie unser NFL-Kolumnist meint.

Nicht nur die NFL-Spiele halten eine Menge Geschichten bereit, in dieser Woche haben die Chiefs und Dolphins erst nach dem Spieltag für Gesprächsstoff gesorgt, ihre Coaches entlassen und damit mein eigentliches Anliegen für diese Woche verdrängt. Aber keine Angst, die Kür meines Rookies des Jahres findet nächste Woche statt. Dafür bekommt Rob Gronkowski in dieser Woche die verdiente Würdigung.

Doch zurück zu den Personalien Todd Haley (Chiefs) und Tony Sparano (Dolphins), die innerhalb von einigen Stunden nach Niederlagen am Sonntag ihre Papiere in die Hand gedrückt bekamen. Und auch wenn die Spatzen in Florida schon länger die beschlossene Sparano-Entlassung von den Dächern pfiffen - warum erst oder schon jetzt, frage ich mich?

Frühere Entlassungen hätten vielleicht noch etwas in Sachen Playoffs verändern können, jetzt kann ein neuer oder Interims-Coach doch nichts mehr ändern und macht einen frischen Start im nächsten Jahr möglicherweise durch drei Niederlagen in den letzten Spielen schwerer. 

Sparano – so beliebt wie Fußpilz?

Gerade in Miami war nach einem 0:7-Saisonstart doch früh klar, wohin die Reise gehen würde, drei Siege in Folge danach ließen die Dolphins-Anhänger mit einem bittersüßen Gefühl zurück. Positiv war die Entdeckung, dass das Team es ja doch noch kann und man mit Matt Moore einen gar nicht so schlechten Quarterback hat. Auf der anderen Seite sicherte der ungeliebte Coach Sparano seinen wackeligen Stuhl.

Viele Experten hatten mit einer möglichen Demission Sparanos, der schon in der Offseason nicht das Vertrauen der Verantwortlichen besaß und eigentlich durch Jim Harbaugh ersetzt werden sollte, bereits nach vier Spieltagen zur spielfreien Woche gerechnet. Dann hätte ein neuer Coach Zeit gehabt, das Team in zwei Wochen kennenzulernen und einen guten Grundstock für das nächste Jahr zu legen.

Doch Besitzer Steve Ross, der in Sachen Harbaugh ja keinen schlechten Riecher, nur schlechten Stil bewies, als er mit dem Kandidaten Harbaugh unter den Augen seines Noch-Coaches verhandelte, hielt vorerst an Sparano fest. Warum er ihn nun jetzt und nicht erst drei Spiele später, wenn alles vorbei ist, entlässt, erschließt sich mir nicht. Denn potentielle hochkarätige Kandidaten, die Ross holen will, sind anderweitig gebunden. Bill Cowher, Jon Gruden, Brian Billick und Tony Dungy sind durch ihre TV-Verträge bis zum Ende der Saison ausgelastet. Einzig Jeff Fisher wäre sofort zu haben. Doch ob die Herren zurück ins 18-Stunden-Geschäft wollen?

Witzigerweise wird neben den oben stehende Ex-Coaches Andy Reid vom dieswöchigen Gegner Philadelphia gehandelt, ist es doch nicht unwahrscheinlich, dass er nach der enttäuschenden Saison entlassen wird. General Manager Jeff Ireland, den Ross anscheinend weniger für drei Spielzeiten mit negativen Bilanzen verantwortlich hält als Sparano, möchte laut dem Miami Sun Sentinel einen Coach mit "Erfahrung". Die Beförderung eines Assistenten aus der Liga zum neuen Headcoach gilt daher als unwahrscheinlich.

Warum Haley?

So ein Aufsteiger hält nun in Kansas City die Zügel in der Hand. Romeo Crennel durfte diesen Weg bereits schon einmal beschreiten, als er vom Assistenz-Posten bei den New England Patriots von den Cleveland Browns als Cheftrainer angeheuert wurde. Dort wurde er nach vier Jahren und einer Gesamtbilanz von 24:40 entlassen. Die Chiefs gaben ihm 2010 seinen gewohnten Posten als Defensive Coordinator wieder und lassen ihn nun auch als Headcoach ran.

Der Zeitpunkt der Haley-Entlassung in Kansas City überrascht mich noch mehr, zumal General Manager Scott Pioli irgendwelche Dissonanzen zwischen ihm und Coach Haley bestreitet. Auch die Spieler hätte dieser noch erreicht, so Pioli. Es ginge ihm viel mehr um die noch vorhandene Playoff-Chance für dieses Jahr, erklärte er unter anderem nfl.com.

Verzeihung, Mister Pioli, das verstehe ich nicht. Erstens kann Crennel wohl kaum etwas an der Verletzungsmisere, die Matt Cassel, Eric Berry, Tony Moeaki und Jamaal Charles bis zum Saisonende von Einsätzen abhalten wird, ändern. Zweitens haben die Chiefs jetzt eine 5:8-Bilanz, die in der AFC West führenden Denver Broncos eine von 8:5. Selbst wenn die Broncos die restlichen drei Partien verlieren und Kansas City alle gewinnt, gäbe es noch die Raiders (7:6) und Chargers (6:7), die ebenfalls Playoff-Hoffnungen haben.

Zugegeben, aufgrund der bisherigen Konstellation könnten die Chiefs bei gleichzeitigem 8:8 mit einem der drei Teams mithalten – trotzdem scheint Pioli ein sehr, sehr unrealistischer Rechner zu sein. Dass vier Teams sozusagen für eines dieser vier in drei Partien wirklich ideal spielen, ist in etwa so wahrscheinlich, wie eine 3:13-Bilanz der Indianapolis Colts. Einziger Gewinner dieses Zeitpunktes dürfte übrigens Crennel sein, der als einer der Kandidaten auf die Haley-Nachfolge gilt. Für die restlichen Aspiranten gilt natürlich dasselbe wie bei den Dolphins: Erst einmal das Jahr abwarten.

Geschichten aus Neu England

Natürlich, so muss man als NFL-Beobachter feststellen, sind die New England Patriots seit ihrem ersten Super Bowl-Sieg vor elf Jahren immer einen Bericht wert. Beim unerwartet mühseligen 34:27 bei den Washington Redskins sorgten sie für gleich drei historische Marken und einen ungewöhnlichen Schlagabtausch.

Doch erst die Rekorde: Zum ersten Mal gewann das Team in Washington – allerdings gab es auch erst neun Spiele in einer Zeitspanne von 39 Jahren gegeneinander. Coach Bill Bellichick feierte mit dem zehnten Saisonsieg einen einsamen Meilenstein – er ist der erste Headcoach der Geschichte, dem dies in neun Spielzeiten hintereinander gelang.

Dann wäre da noch Rob Gronkowski, der die Saison-Touchdowns Nummer 14 und 15 fing und damit einen Rekord für Tight Ends aufstellte. Mit 71 Fängen, 1088 Yard Raumgewinn und sogar einem erlaufenen Touchdown, sowie den drei ausstehenden Partien, kann man bereits vom erfolgreichsten Jahr für einen Spieler seiner Position ausgehen. Denn hochgerechnet dürfte er somit auf insgesamt 20 Touchdowns und über 1300 Yard kommen. Doch damit nicht genug: Laut den Experten von profootballfocus.com ist er sogar der beste blockende Tight End der Saison und vereint damit beide Anforderungen auf einen Spieler seiner Position.

Für andere Schlagzeilen sorgte der Mann am anderen Ende der Gronkwoski-Pässe, nämlich Tom Brady. Der lieferte sich nach seiner Interception gute sechs Minuten vor dem Ende eine sehr lautstarke Auseinandersetzung mit Offensive Coordinator Bill O'Brien, bei der man bisweilen von den Lippen ablesen konnte, dass sie sich in dem Moment nicht besonders leiden mochten. Doch das ist vergessen und wirklich nur eine Randnotiz wert. Jetzt wird es wohl wieder leiser an der Pats-Seitenlinie, schließlich passiert so etwas nicht allzu oft: Es war Bradys erste Interception in den vergangenen fünf Spielen.

Top Fünf:

  • Green Bay Packers - 13:0, keine weitere Erklärung nötig.
  • Pittsburgh Steelers - für mich weiterhin der AFC Super Bowl-Kandidat.
  • Houston Texans - erste Playoffteilnahme der Teamgeschichte dank TJ Yates.
  • New York Jets - bemerkenswerte Aufholjagd in den letzten Spielen.
  • Denver Broncos - der Tebow-Lauf geht weiter, jetzt schon Erster in der AFC West.

Flop Fünf:

  • Indianapolis Colts - 0:13, keine weitere Erklärung nötig.
  • Tampa Bay Buccaneers - sieben Spiele in Folge verloren.
  • St. Louis Rams - halten den Abwärtstrend konstant aufrecht.
  • Buffalo Bills - vorbei die ganze September-Herrlichkeit.
  • Dallas Cowboys - grandios die einmalige Chance auf eine Vorentscheidung verpasst. 

Sven Kittelmann

sportal.de sportal

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker