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Nordische Kombination: Gold-Hoffnung Ackermann verzichtet auf Olympia

Der viermalige Kombinierer-Weltmeister Ronny Ackermann verzichtet freiwillig auf seinen Start bei den Olympischen Spielen und steht möglicherweise vor dem Karriereende.

Ronny Ackermann hat den Kampf mit seinem Körper und gegen die Zeit verloren und verzichtet auf einen Olympia-Start. Am Donnerstag sagte der erfolgreichste deutsche Nordische Kombinierer der jüngeren Vergangenheit seine Teilnahme bei den Winterspielen ab und zog sich auf unbestimmte Zeit vom Sport zurück. Somit fällt am Wochenende beim Weltcup in Schonach auch der mit Spannung erwartete Auftritt des Dermbachers aus, mit dem er sich in letzter Minute eigentlich noch das Ticket nach Vancouver sichern wollte.

"Die Entscheidung ist mir nicht gerade leicht gefallen, schließlich habe ich die vergangenen vier Jahre auf die Olympischen Spiele hintrainiert. Aber ich muss realistisch bleiben, in meiner derzeitigen Form würde ein Start in Vancouver einfach keinen Sinn machen", sagte Ackermann. Er betonte: "Damit wäre ich auch keine Hilfe für die Mannschaft."

Am Donnerstag vormittag hatte der 32-Jährige, der in seiner Karriere viermal Weltmeister geworden war, Bundestrainer Hermann Weinbuch mit seiner Entscheidung konfrontiert. "Dieser Schritt hatte sich nach dem Weltcup in Chaux-Neuve angedeutet. Er war nicht zufrieden mit sich. Und Ronny ist ein Winner-Typ. Er will um die Medaillen kämpfen, wenn er an den Start geht. Dazu sieht er sich derzeit aber nicht in der Lage", erzählte Weinbuch.

"Eigentlich bin ich seit meiner Virusinfektion im vergangenen Jahr nie mehr richtig in Tritt gekommen. Ich habe zwar gehofft, dass mir mit zusätzlichen Trainingseinheiten wieder der Anschluss gelingt, aber die letzten Weltcups haben ganz einfach gezeigt, dass ich zu weit weg von der Weltspitze bin", bemerkte Ackermann. Bei seinen bisherigen drei Olympia-Auftritten hatte er drei Silbermedaillen gewonnen.

Doch nicht nur die Krankheit zum Jahreswechsel 2008/2009 hat dem Thüringer zugesetzt. "Er ist seit zwölf Jahren in der absoluten Weltspitze und musste jedes Jahr enorm kämpfen. Jetzt, wo er älter geworden ist, hat er die Leichtigkeit verloren. Er trainiert härter als sonst, kann das aber in den Wettkämpfen nicht umsetzen. Ich hätte ihn als Leitwolf gern dabei gehabt, respektiere aber seine Entscheidung", sagte Weinbuch.

Der Bundestrainer ist sich nicht sicher, ob "Acker" überhaupt noch einmal zurückkehrt. "Bei ihm ist alles vorstellbar: Eine Pause bis zum Saisonstart, eine ein- bis zweijährige Auszeit, wie es andere vorgemacht haben, oder eben auch das Karriereende. Ich rate ihm: Lass es auf dich zukommen, erhole dich. Wenn du die Lust, das Feuer wieder spürst, dann mach weiter. Sport soll Spaß machen und nicht nur Kampf sein", bemerkte Weinbuch. Seit vergangenem Mai ist Ackermann mit seiner langjährigen Freundin Annika verheiratet. Das Paar hat den fünf Monate alten Sohn Hugo.

Wie Weinbuch bedauert auch Ulrich Wehling, dreimaliger Olympiasieger in der Nordischen Kombination und Wettkampf-Direktor beim Weltverband FIS, den Rückzug Ackermanns. "Er hat die Entscheidung so konsequent gefällt, wie er auch sonst im Sport zu sehen ist. Das zeigt, wie selbstkritisch er ist. Leider fehlt nun in Vancouver ein markanter Name, aber leider nimmt der Sport darauf keine Rücksicht", sagte Wehling.

DPA/kbe

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