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Paralympics: "Unglaublich faszinierender Wille"

Als erster Regierungschef hat Gerhard Schröder die Paralympics besucht. Der Kanzler war von den Leistungen der deutschen Athleten begeistert.

Als erster Regierungschef hat Gerhard Schröder den Paralympics die Ehre erwiesen, den deutschen Athleten einen kräftigen Motivationsschub für die letzten drei Tage gegeben und eine Anhebung der Fördergelder für den Behindertensport in Aussicht gestellt. "Wir wollen die starke Unterstützung durch die Wirtschaft vorantreiben. Und wir müssen auch überlegen, ob die staatliche Förderung noch etwas höher werden muss", sagte der Bundeskanzler bei einem Kurzbesuch am Samstag. Als Augenzeuge des Weltrekord-Laufs von Sprinter Wojtek Czys, der über 200 m in 26,18 Sekunden seine zweite Goldmedaille gewann, ließ er seiner Begeisterung freien Lauf.

Der Kanzler hängte die Medaille persönlich um

Eigentlich hatte Schröders strenger Zeitplan gar nicht vorgesehen, die Siegerehrung für den Wattenscheider vorzunehmen. Doch ließ es sich der Kanzler nicht nehmen, dem stolzen Sieger, der mit der deutschen Fahne die Stadionrunde drehte, die goldene Plakette um den Hals zu hängen. Spontan zog er den tränenüberströmten 24-Jährigen an sich und klopfte ihm herzlich auf die Schulter.

"Ich sehe hier den unglaublich faszinierenden Willen, sich zu behaupten. Man muss mal genau hinschauen, stimmt eigentlich das Verhältnis zwischen allgemeiner Spitzensport- und Behindertensportförderung noch", deutete der Kanzler eine mögliche Umschichtung an. Die Bundesregierung finanzierte maßgeblich mit 1,25 Millionen Euro die Vorbereitungs- und Entsendekosten der 210 deutschen Athleten. Der Gesamtetat für den Behindertensport beläuft sich auf vier Millionen Euro jährlich.

Der oberschenkelamputierte Czyz, der vor Jahren auf dem Sprung zum Profifußballer stand und nach einer Verletzung ein Bein verlor, könnte zum erfolgreichsten deutschen Athleten der Spiele werden. Denn auch im Weitsprung ist der gebürtige Pole am Montag Favorit. Ein Teil des Erfolges gehört Heimtrainer Erich Drechsler, ehemaliger Schwiegervater von Weitspringerin Heike. Mit zwei ersten Plätzen trumpfte auch der querschnittsgelähmte Schwimmer Daniel Clausner (Chemnitz) auf. Hervorragender Zweiter wurde am Sonntag Stefan Strobel (Saarbrücken) in 2:57:50 Stunden im Rollstuhl-Marathon. Vom nächtlichen Erdbeben der Stärke 4,7 in der Umgebung von Athen bekamen die Sportler nur durch ein Zittern ihrer Betten mit.

Hohe Medaillenausbeute

Äußerst zufrieden über die Medaillenausbeute von 15 Mal Gold und insgesamt sogar 65 Platzierungen auf dem Podium ist die deutsche Mannschaftsleitung. "Es läuft sehr gut, der Kanzler hat uns noch einmal Rückenwind gegeben", sagte Karl Quade, Chef de Mission. Weitere Unterstützung sicherten auch NOK-Chef Klaus Steinbach und der Sporthilfe-Vorsitzender Hans-Ludwig Grüschow zu. "Vor dem Hintergrund, was hier geleistet wurde, kann es nur mehr Geld und nicht weniger geben", betonte Grüschow.

Um den dritten Platz im Rollstuhl-Basketball kämpfen am Montag die Frauen gegen den dreifachen Champion Kanada nach einer 50:58- Halbfinaleniederlage gegen Australien. "Wenn man das Finale so dicht vor Augen hat, ist man enttäuscht", sagte Coach Andreas Joneck. Für die Männer war im Viertelfinale gegen Australien Endstation.

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