Pascal Hens "Schluss mit alten Namen"


Lange galt Pascal Hens im deutschen Handball als Nachfolger von Altstars der goldenen Generation. Nach vielen Rückschlägen will er nun bei der Weltmeisterschaft dem deutschen Team seinen Stempel aufdrücken - und fordert ein Ende der Nostalgie.

Für die Rolle Heiner Brands als "Gesicht des deutschen Handballs" war eigentlich ein ganz anderer vorgesehen: Pascal Hens sollte statt des Bundestrainers mit dem markanten Schnauzbart nach dem Abtritt der "goldenen Generation" um Stefan Kretzschmar 2004 eine neue Ära im deutschen Handball verkörpern. Der Rückraumspieler vom HSV Hamburg gilt auch bei der Heim-WM als Schlüsselspieler im deutschen Team, doch auf die Frage nach seinem großen Durchbruch reagiert Hens genervt. "Das ist doch immer dieselbe Leier", klagte der 26-Jährige, "ich bin vielleicht auf Grund der vielen Verletzungen in den letzten Jahren nicht ganz so weit gekommen und unter den Ansprüchen geblieben, die die Leute an mich hatten."

Sprechen über eine neue Generation

Nun endlich soll es klappen bei den WM-Heimspielen. Ob es ihm gelingt, einer der Stars des Turniers zu werden, sei ihm egal. "Da einen einzelnen Namen zu nennen, fände ich blöd." Eines kann Hens jedenfalls nicht mehr hören: Die ständigen Diskussionen um die Rückkehr der Altstars. "Es wird Zeit, dass in der Öffentlichkeit langsam mal aufgehört wird, über Schwarzer, Kretzschmar, Petersen zu sprechen. Es wird Zeit, dass mal neue Namen ins Spiel kommen und vielleicht über eine neue Generation gesprochen wird."

Dafür bringt Hens alles mit, was einen Handball-Star ausmacht. Das nötige Talent verbindet er auf und neben dem Platz mit Lockerheit und mentaler Stabilität. Mit seinem schlaksigen Körper und der Irokesenfrisur ist die Marke Hens, Spitzname "Pommes", eigentlich perfekt. Doch es gibt im deutschen Team auch kaum einen Spieler, der in den vergangenen Jahren so oft verletzt war wie er. Bänderriss im Ellenbogen 2003, Mittelhandbruch und Bandscheibenvorfall 2004, Muskelfaserriss in der Wade bei der WM 2005. "In dieser Saison habe ich auch schon wieder einen Bänderriss und einen Muskelfaserriss gehabt", berichtete er.

Zuletzt verpasste Hens die Generalprobe gegen Ägypten wegen Bauchmuskelproblemen. "Sich gut einzuspielen, ist da nicht einfach." Doch neben der Kunst der Physiotherapeuten vertraut er auf den Teamgeist und den Glauben an den gemeinsamen Traum. "Das ist unser Ziel, auf das wir die ganze Zeit hinarbeiten: Am Ende ganz oben zu stehen und Gold zu gewinnen", betonte Hens.

Die Karriere in der Bundesliga begann für den Hessen 1999/2000 bei der SG Wallau-Massenheim, ein Jahr später spielte er unter Trainer Martin Schwalb seine erste komplette Saison und feierte schon im März 2001 sein Debüt im Nationalteam. Auf weit über 100 Einsätze hat er es seitdem gebracht und gehört damit zu den Routiniers in Brands WM- Team. Der größte Erfolg war der EM-Titel 2004.

"Mal die Faust zeigen, damit ein Hexenkessel entsteht"

Seit 2003 spielt Hens beim HSV. Dieselbe mitreißende Art, mit der er in der Colorline-Arena die Fans begeistert, will er nun auch bei der WM zeigen: "Es hilft, wenn wir da Emotionen reinbringen: Dass man mal die Faust zeigt, die Arme hochreißt beim Zurücklaufen, damit der Funke auch überspringt, damit ein Hexenkessel entsteht. Das beeindruckt dann auch die anderen Mannschaften", erklärte er, "bei einer WM, bei der viele Spiele sehr eng sind, kann so was auch mal entscheidend sein."

Christian Kamp/DPA DPA

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