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Debakel bei der Handball-WM: Alle raus - außer Heiner Brand!

Nie zuvor in der WM-Geschichte war die deutsche Handball-Nationalmannschaft so schlecht wie bei den Titelkämpfen in Schweden. Das Debakel gegen Norwegen war der vorläufige Höhepunkt der Peinlichkeiten. An Bundestrainer Heiner Brand liegt das aber nicht.

Ein Kommentar von Klaus Bellstedt

Ach was waren das für glorreiche Zeiten, als die deutsche Handball-Nationalmannschaft zuerst EM-Bronze 1998, dann EM-Silber 2002, WM-Silber 2003, EM-Gold 2004, Olympia-Silber 2004 und schließlich WM-Gold 2007 gewann. Nach dem 25:35-Debakel gegen Norwegen bei den laufenden Titelkämpfen muss man festhalten: Diese Zeiten sind endgültig vorbei. Nach Platz 10 bei der EM 2010 geht es jetzt nur noch um WM-Platz 11. Nie zuvor in der 73-jährigen WM-Geschichte war eine deutsche Mannschaft so schlecht. Eine große Ära geht zu Ende. Die Gründe liegen auf der Hand. Sie haben nichts mit Trainer Heiner Brand zu tun.

Noch heute ist von der "goldenen Generation" um Markus Baur, Christian Schwarzer und Henning Fritz die Rede, die fast auf den Tag genau vor vier Jahren in Köln ein Wintermärchen feierte und Weltmeister wurde. Immer schwingt dabei eine Spur Sehnsucht nach ähnlichen Spielern und Charakteren mit. Doch die sind, und das ist die wichtigste Erkenntnis des WM-Debakels von Schweden, in Deutschland Mangelware.

Brand mit versteckter Kritik

Zwei Beispiele: Pascal Hens und Michael Kraus gehörten bei der WM 2007 unter dem Schutzschild der alten Hasen zu den WM-Entdeckungen. Mit diesen beiden hochtalentierten Handballer würde der Umbruch schon gelingen - dachten alle. Das Gegenteil trat ein: Hens und Kraus, diese vermeintlichen Führungsspieler, waren in Schweden überfordert. Michael Kraus schaffte es viel zu selten, seine Mitspieler mitzureißen. Als es wichtig wurde, war er nicht da. Wie auch Pascal Hens, ebenfalls ein Mann aus dem Rückraum, in dem, zugegeben, keiner derzeit konstant höchsten Ansprüchen genügt.

An der Einstellung und Bereitschaft seiner Spieler habe er nichts zu bemängeln, betonte Brand nach der Peinlichkeit gegen Norwegen, aber "bei so einem Turnier zeigt sich, dass es ein Unterschied ist, ob ich in einem Spitzenverein der Bundesliga nur mitspiele oder aber Verantwortung trage". Das Urteil von Brand hörte sich überraschend milde an, aber dahinter steckt vielmehr. Seine getarnte Kritik zielt voll auf seine beiden Problemspieler (und Kapitäne) Hens und Kraus ab. Bei ihrem Bundesliga-Club in Hamburg hat das Duo mit dem Franzosen Guillaume Gille einen starken Leader, an den es sich anlehnen kann. Fällt der weg und müssen die beiden in der Nationalmannschaft selber Flagge zeigen, versagen sie.

Jetzt ist das Dilemma da

Was das im Umkehrschluss heißt, liegt auf der Hand: Zentrale Spieler wie Hens, Kraus aber auch Glandorf oder Klein sind keine Führungsspieler. Schwarzer und Baur sind nicht mehr dabei - und schon reicht es welt- und europaweit nicht mehr für den Platz unter den Top sechs, den der deutsche Handball-Bund gewohnheitsmäßig für sich reklamiert. Die Handball-Welt hat sich nicht verändert, sondern die Qualität des deutschen Teams. Heiner Brand kann dafür nichts.

Der Bundestrainer fordert im Grunde seit Gewinn der WM 2007 Änderungen in der deutschen Liga. Erhört wird er nicht. Und jetzt ist das Dilemma da. "Wir haben nicht die Perspektive, eine Topmannschaft zu werden", sagt Heiner Brand. Genau diese Aussage lässt die WM so negativ nachwirken - mehr als jedes negative Ergebnis. Der Bundestrainer ist trotz der Schmach von Schweden bereit, den Kampf weiterzuführen. Man sollte ihm die Chance geben. Er braucht jetzt nur noch neues Spielermaterial.

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