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Pay-TV-Rechte: Die "Nobodys" sind am Ball

Sunnyboy Georg Kofler muss sich warm anziehen: Premiere hat die Rechte an der Fußball-Bundesliga verloren. Stattdessen bekam die Firma Arena den Zuschlag, die Telekom erhielt die Internetrechte. Droht Premiere der Abo-GAU?

Von Lutz Kinkel

Georg Kofler bemühte sich nach Kräften, optimistisch zu klingen. "Ich bin Bergsteiger und gewohnt, den Weg durch schwieriges Gelände zu finden", sagte er auf einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz am Mittwoch. Also werde er den Abo-Sender Premiere auch künftig erfolgreich leiten. Auf die Fußball-Bundesliga entfielen ohnehin nur zehn Prozent der Zuschauernutzung. Zwar könnten im Sommer 2006 einige Abos verloren gehen, aber davon "bricht nicht die Welt zusammen". Mögliche Entlassungen unter seinen Mitarbeitern schloss Kofler vorerst aus: "In den nächsten drei bis vier Monaten wird es keine Umstrukturierungen geben." Also business as usual, künftig eben ohne Bundesliga?

Experten halten das für schwerlich möglich. Analysten schätzen, dass Premiere bis zu einem Drittel der Abonnenten verlieren könnte. Der Aktienkurs des Unternehmens sank bereits am Mittwoch um 38 Prozent und erreichte ein Rekordtief von 14,50 Euro. Stefan Hofmeier, Chefredakteur des Branchenblattes "Digital Fernsehen" glaubt, dass sich der Sender zu einem Übernahmekandidaten entwickeln könnte. Ist dieser Preis nicht viel höher als ein teures Engagement in der Bundesliga? "Wir machen lieber keinen Deal als einen schlechten Deal", sagte Kofler auf der Konferenz. "Es gehört zum Leadership, auch mal ein großes NEIN auszusprechen."

Angst vor dem "Parallel-TV"

Für Kofler hatte das mögliche Geschäft drei entscheidende Haken. Erstens wollte er die die Free-TV-Verwertung der Bundesliga weiter erschweren - die ARD-Sportschau sollte erst nach 22 Uhr senden dürfen. Diese Position konnte er allerdings bei seinen Verhandlungspartnern von der Deutschen Fußball Liga nicht durchsetzen. Zweitens passte es Kofler nicht, dass die Internetrechte an die Deutsche Telekom gehen sollten: "Das hätte bedeutet, dass wir eine Art Parallel-Pay-TV akzeptiert hätten." Drittens wollte Kofler unter diesen Konditionen nicht auch noch einen höheren Preis für die Pay-TV-Rechte zahlen, im Gespräch waren nach seinen Angaben 300 Millionen Euro. Also überließ er den Deal einem "Nobody" - der Arena Sport Rechte und Marketing GmbH, einer Tochter des Kabelnetzbetreibers Unity Media. "Da werden wir mal sehen, wie die sich arrangieren", so Kofler.

In der Tat warten auf Unity Media gewaltige Aufgaben: Innerhalb eines halben Jahres muss das Unternehmen in der Lage sein, den Fußballzirkus technisch und redaktionell aufzubereiten sowie zahlungswillige Kunden zu betreuen. Unklar scheint derzeit zum Beispiel zu sein, ob und wie das Programm über Satellit ausgestrahlt wird. Angeblich geklärt ist die Frage des Decoders (siehe Kasten), der Preis für den Bezug des Programms soll unter 20 Euro pro Monat liegen. Kofler bezweifelte auf der Pressekonferenz, dass dieser Preis wirtschaftlich tragfähig ist, aber Arena versteht die Bundesliga offenkundig als strategisches Lockangebot. Es geht der Gesellschaft darum, sich eine nennenswerte Kundenbasis für Pay-TV-Angebote zu schaffen.

Bislang hatte Premiere in diesem Business ein Monopol. Dass dieses fällt, ist kein Nachteil für den Verbraucher - Konkurrenz belebt das Geschäft. Kofler hat jedenfalls schon angekündigt, die Abo-Preise für Premiere im kommenden Sommer "fair anzupassen", will heißen: zu senken.

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