HOME

Radsport: Ullrich sucht neuen Rennstall

Nach seinem Rauswurf bei T-Mobile lässt Jan Ullrich sich nicht unterkriegen. Konsequent beteuert er seine Unschuld und ist auf der Suche nach einem Team, für das er bei der Tour de France 2007 starten will.

Radprofi Jan Ullrich hat alle Dopingvorwürfe rigoros zurückgewiesen und will im nächsten Jahr bei der Tour de France noch einmal um den Sieg kämpfen. Auf die Frage "Jan Ullrich, ganz ehrlich: Haben Sie wirklich nie gedopt?" antwortete der ehemalige T-Mobile-Kapitän in einem Interview der Schweizer Zeitung "Blick": "Natürlich nicht. Ich habe niemals in meiner ganzen Karriere einen anderen Rennfahrer betrogen. Das ist Fakt."

"Ich trainiere seit einigen Tagen wieder und es macht richtig Spaß", sagte Ullrich. Er ließ sich von der Zeitung in einem neutralen Trikot in Begleitung seines Kollegen Steffen Wesemann vom Team T-Mobile auf dem Rad fotografieren. Er sei für alles offen und suche für 2007 ein gutes Team, sagte Ullrich, und weiter: "Ich habe immer gesagt: Ich höre mit einem Tour-Sieg auf. Dieses Jahr wurde er mir leider verwehrt. Deswegen bin ich bestrebt, noch ein Jahr dran zu hängen", kündigte der 32-Jährige an. Verbindungen seien da, aber konkret sei nichts, sagte Ullrich auf die Frage, ob schon Anfragen vorlägen.

Radprofi und kein Mörder oder Verbrecher

Dieses Jahr habe Ullrich sich elf unangemeldeten Trainingskontrollen unterzogen, so vielen in so kurzer Zeit wie in seiner ganzen Karriere nicht. Alle Tests seien negativ gewesen. "Ich bewies damit ja praktisch meine Unschuld", sagte er. Auf die Frage, wieso er sich nicht freiwillig einem DNA-Test unterziehe, um den Vorwürfen des Blutdopings entgegenzutreten, sagte Ullrich: "Ich bin ja nicht einmal angeklagt. Es liegt nichts gegen mich vor. Ich muss doch nicht meine Unschuld beweisen. Es ist menschenunwürdig, wenn ich einen Gentest abgeben muss. Ich bin ein Radprofi und doch kein Mörder oder Verbrecher", sagte er und fügte hinzu: "Bevor ich das mit mir machen lasse, muss noch viel geschehen." Für eine Sperre gebe es schlicht keine Grundlage.

Ullrich kritisierte das Team T-Mobile und die deutschen Medien hart. Für seinen Rauswurf aus der Mannschaft gebe es keinen Grund und er akzeptiere die Kündigung nicht. Vom Team hätte er mehr Unterstützung erwartet. Eine Frechheit sei, wie die deutschen Medien mit ihm umgingen. Vor zwei Jahren habe er von der "Bild"-Zeitung noch das Trikot für den fairsten Sportler erhalten. "Jetzt stellt man mich als Deutschlands größten Verlierer hin."

Der Zeitpunkt des Interviews scheint nicht zufällig gewählt zu sein. Heute treffen sich in Düsseldorf die Anwälte von Ullrich und dessen Team-Managements. Bei diesem Treffen sollen Möglichkeiten sondiert werden, einen langwierigen Prozess abzuwenden.

AP/DPA / AP / DPA

Wissenscommunity