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Roxy Chicken Jam: Schneefee und Board-Punk

Die eine gilt als die Schöne und die Reine. Die andere als "Party Punk". Die Snowboarderinnen Torah Bright und Kjersti Buaas sind beide mit diesem Image nicht zufrieden. Am meisten nerven die Girls männliche Journalisten, die sich vor allem für Nackt-Fotos und Sauforgien interessieren.

Die Australierin Torah Bright und die Norwegerin Kjersti Buaas sind Snowboarderinnen mit Weltklasse. Torah strahlt genau die blonde Aura aus, die ein Mädchen zur "Ballroomqueen" macht. Kjersti blickt jungenhaft verschmitzt aus strahlenden eisgraublauen Huskyaugen in die Welt. Zwei Frauen, wie sie verschiedener kaum sein können. Beide führen ein Leben auf einem Brett. "Occupation: Snowboarding", wie man in den USA sagt. Snowboarden heißt, über Flipper (kleine Schanzen) abzuspringen und mit waghalsigen Drehungen und Salti mehrere Meter durch die Luft zu fliegen. Mut, Körperbeherrschung und Koordination sind Grundvorrausetzungen für die flying Ladies, die nicht nur auf dem Brett landen, sondern genauso häufig die "Backenbremse" nutzen.

Aber beide - Torah Bright und Kjersti Buaas - haben ein Medienimage, mit dem die Eisprinzessinnen nicht glücklich sind. Ein Image, das nur wenig mit der Wirklichkeit zu tun hat. stern.de traf beide während des Roxy Chicken Jams, dem einzigen Snowboardevents nur für Frauen.

Torah, Kjersti, wenn ihr die Berichte über euch lest, seid ihr häufig nicht glücklich. Einige Sachen verfolgen euch seit Jahren. Was für Dinge sind das?

Torah:

Mich frustriert, dass männliche Journalisten immer schreiben, dass ich gut aussehe und trotzdem Snowboarderin bin. Trotzdem! Und dass ich keine Lust habe, Nacktfotos von mir zu veröffentlichen. Einige fragen mich nach der Sache mit den Nacktfotos als Nächstes, ob meine blonden Haare und blauen Augen mir bei den Preisrichtern helfen. Sie tun es definitiv nicht! Das ist auch für die anderen Girls enorm frustrierend, wenn bei mir immer das Aussehen so herausgehoben wird.

Kjersti: Torah ist die Hübsche und die Reine und ich habe das "bad girl image". Das ist wirklich falsch. Okay, ich hab ein paar Sachen gesagt, als ich ganz jung war, und die hängen mir jetzt nach. Ich bin kein Punk, auch wenn ich so genannt werde. Ich bin ein positiver Mensch und ich freue mich an den Dingen. Es geistert eine Aussage von mir in den Medien herum, dass ich ein "alkoholvernichtendes" Mädchen bin, die ein "zweites, böses Ich" hat, das "Hank" heißt. Dieser böse Hank hält sich hartnäckig in meinem Leben, aber ich weiß gar nicht mehr, woher das kommt. Ich schmeiße jedenfalls keine Fernseher in den Hotelpool, nur weil ich Snowboarderin bin!

Torah:

Über mich wird immer geschrieben, dass ich nicht rauche oder trinke, weil ich Mormonin bin. In erster Linie bin ich Leistungssportlerin. Was ist eigentlich so komisch daran, dass ich als Profi-Athletin nicht rauche oder trinke? Ich weiß auch so, wie man feiert!

Ihr seid mutige Mädchen, ihr fallt hin, steht wieder auf und fahrt weiter. Ihr habt Girlpower.

Torah: Auf der Tour sind wir alle Freundinnen, wir sind in erster Linie am Snowboarden interessiert. Snowboarden erlaubt dieses biestige Zickenverhalten nicht, es passt einfach nicht dazu. Wir fallen hin, stehen wieder auf und machen es noch einmal, so sind wir eben.

Kjersti:

Ich glaube, das ist das Wikingerblut, das in mir fließt. In Norwegen gibt es eine Menge "tougher" Mädchen. Wir haben, was Europa betrifft, eine Menge Frauen in Führungspositionen.

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Kennt ihr eigentlich Angst bei euren Sprüngen?

Torah:

Ja, manchmal. Aber nur, wenn ich unsicher bin. Vor falschen Landungen hab ich zum Beispiel Angst. Heute war so ein extremer Wind. Da weiß man dann nicht, ob man übers Ziel hinausschießt.

Kjersti: Ja, sicher. Wenn man älter wird, denkt man mehr darüber nach, was passieren kann und setzt sich Grenzen. Ich versuche, die Dinge logisch zu betrachten. Wenn ich etwas nicht kann, versuche ich, einen anderen Weg zu gehen und sehe die Grenze als eine Art Herausforderung.

Wie konzentriert ihr euch auf den Wettkampf? Was macht ihr direkt vor dem Start?

Torah:

Ich versuch, entspannt zu bleiben, ich mache nichts Besonderes, ich rede und lache mit den Mädels, das ist es.

Kjersti:

Ich stelle mir vor, was gleich auf mich zukommt. Ich visualisiere den Trick, den ich springen will und versuche, mir den Sprung einfach zu "denken". Außerdem versuche ich, bei einem einzigen Plan zu bleiben. Eigentlich weiß ich genau, was ich springen will, aber man muss auch improvisieren können.

Und wie entspannt ihr Mädels?

Kjersti: Ich bin ein sehr sozialer Mensch. ich entspanne am besten, wenn ich mit Freunden zusammen bin und reden und lachen kann. Lachen entspannt mich. Mein Lieblingsfilm ist definitiv "Kill Bill" Eins und Zwei. Nicht in erster Linie wegen der Story, mehr wegen der Art, wie der Film gemacht wurde, wie man durch die Musik und den Schnitt in den Film herein gezogen wird. Sonst: Alberne Filme mit Will Farell sind klasse.

Torah:

Ich versuche, meinen Kopf frei zu kriegen. Ich ziehe mich eher zurück, gehe schwimmen, ich lese oder gehe alleine im Park spazieren. Ich liebe romantische Komödien und "echte" Liebesgeschichten, Filme, die mich berühren, wie: "Das Leben ist schön" von Roberto Begnini.

Snowboarding ist eine Sportart, wo sich der rein sportliche Erfolg mit Kommerz paart. Ihr fahrt als Roxy-Girls und steht bei einer Marke unter Vertrag. Stört Euch der Konsumaspekt?

Torah:

Roxy ist eine Marke, die um den Sport herum entstanden ist. Mir gefällt das, was Roxy repräsentiert, damit habe ich gar keine Probleme. Ich fühle mich nicht gekauft.

Ist es für die Jungs einfacher, in der Welt der Profi-Snowboarder zu leben?

Kjersti:

Nein, es ist viel härter. Das Niveau ist höher, und es gibt so viele gute Fahrer. Für uns Mädchen ist es ganz gut, den Jungs zuzusehen, es ist eine echte Herausforderung. Aber die Jungs haben es viel schwerer, weil es so viele sind.

Torah:

Ganz meine Meinung. Es gibt so viele gute Snowboarder, du musst schon richtig, richtig gut sein, um da überhaupt eine Chance zu haben. Wir sind viel weniger, es ist für uns Mädchen einfacher, in der Szene bekannt zu werden. Ich glaube aber, dass es in Zukunft mehr Mädchen geben wird, die in die Profi-Snowboarderszene aufrücken. Ich glaube, es ist wichtig für uns junge Frauen, im Profisport vorne mitzuspielen, es ist wichtig, weil nicht nur wir sondern auch die anderen Frauen auf der Welt dadurch Selbstbewusstsein bekommen!

Interview: Marina Kramper

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