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Giro d'Italia Horror-Unfall verursacht: Rüpel Groenewegen kehrt ins Peloton zurück

Dylan Groenewegen im Jahr 2018 auf dem Podium, nachdem er eine Etappe der Tour de France gewonnen hat
Dylan Groenewegen im Jahr 2018 auf dem Podium, nachdem er eine Etappe der Tour de France gewonnen hat
© Jeff Pachoud / AFP
Radprofi Dylan Groenenwegen hat vor knapp einem Jahr seinen Rivalen Fabio Jakobsen so brutal in die Bande gecheckt, dass der fast gestorben wäre. Jetzt feiert der Rüpel sein Comeback – beim Giro d'Italia. Wie werden die anderen Fahrer reagieren?

Die Bilder aus dem August 2020 gehören zu den schlimmsten, die der Radsport jemals produziert hat. Auf der abschüssigen Zielgeraden der ersten Etappe der Polenrundfahrt in Katowice fuhr Dylan Groenewegen den Ellenbogen gegen den Rivalen Fabio Jakobsen aus. Der krachte in der Folge mit über 80 Stundenkilometern in die Bande.

Viele andere Fahrer stürzten ebenfalls, aber keiner zog sich so schwere Verletzungen zu wie Jakobsen. Der Profi vom Team Deceuninck-Quick-Step trug diverse Knochenbrüche im Gesicht davon, es war entstellt. Nur ein Zahn überstand den brutalen Sturz. In einer fünfstündigen Operation retteten Ärzte das Leben des niederländischen Radprofis und versetzten ihn für zwei Tage in ein künstliches Koma. Teamchef Patrick Lefevere sprach von einem "Mordanschlag".

Dylan Groenewegen stand phasenweise unter Polizeischutz

Es war ein Unfall, der den Radsport veränderte. Der Weltverband überarbeitete sämtliche Sicherheitsstandards und verhängte eine Rekordsperre von neun Monaten. Viel zu wenig, wie viele aus der Szene kritisierten. Zu Hause stand Groenewegen phasenweise unter Polizeischutz, weil es Morddrohungen gegen ihn und seine Familie gab. Der Übeltäter stand schon vorher in dem Ruf, nicht gerade zimperlich zu sein, selbst für einen Sprinter, die als die Rambos unter den Radrennfahrern gelten. Doch der Check gegen Landsmann Jakobsen war pure Absicht und keine übliche Rempelei.

Umso überraschender ist das Comeback Groenewegens einen Tag nach Ablauf der Sperre ausgerechnet beim Giro d'Italia, dem zweitgrößten Radrennen der Welt. Ursprünglich hatte sein Team Jumbo-Visma ihn langsam wieder in kleinen Rennen einführen wollen, quasi als Rehabilitationsprogramm.

"Wir hatten für ihn ein schönes Rennprogramm ausgewählt, das ihm eine Rückkehr mehr unter dem Radar ermöglicht hätte. Wegen Corona wurde aber bereits die Tour of Norway verschoben und man muss sehen, welche weiteren Veränderungen es im Rennkalender geben wird", erklärte Sportdirektor Merijn Zeeman.

Die anderen Fahrer werden ihn genau beobachten

Eine andere Motivation könnte für das Team eine Rolle spielen: Dass man beim prestigeträchtigen Giro ungern auf einen der besten Sprinter der Welt verzichtet. Ob er nach neun Monaten Wettkampfpause gleich wieder vorne mitfährt, wird sich zeigen.

Bei Jumbo-Visma weiß man natürlich genau, dass der Rüpel von den anderen Fahrern genau beobachtet wird, ihm wird viel Ablehnung wenn nicht sogar Hass entgegenschlagen. Rempeleien in den Schlussprints wird er sich kaum erlauben können. In einem auf der Homepage des Teams veröffentlichten Interview gibt sich Groenwegen deswegen als reumütiger Sünder: "Die Frage ist, wie die anderen Fahrer auf mich reagieren. Ich werde jede Emotion akzeptieren", sagte er da. "Ich denke, meine Anwesenheit wird in der nächsten Zeit genau unter die Lupe genommen."

Mit Blick auf sein Comeback ist es Groenewegen deshalb besonders wichtig, darauf zu verweisen, dass Jakobsen wieder im Sattel sitzt. Im April absolvierte der die Türkei-Rundfahrt: "Es hat geholfen, dass Fabio auch zurück auf dem Rad ist und er es in der Türkei gut gemacht hat", sagte Groenewegen.

Der Moment kurz nach dem Rempler: Fabio Jakobsen rast in die Bande, auch Dylan Groenewegen (vorne links) legt sich flach
Der Moment kurz nach dem Rempler: Fabio Jakobsen rast in die Bande, auch Dylan Groenewegen (vorne links) legt sich flach
© Andrzej Grygiel / DPA

Die Versöhnung lief offenbar schief

Was er nicht erwähnte: Sein einstiger Sprintrivale hat seine alte Form längst nicht wieder erlangt. Und ob er das jemals schaffen wird, steht in den Sternen. Er musste ein halbes Dutzend Operationen überstehen. Sein Gesicht wirkt maskenhaft und die Aussprache hat gelitten, nachdem die Stimmbänder als Unfallfolge gelähmt waren. Der neue Kiefer, der aus Jakobsens Beckenknochen modelliert wurde, enthält provisorische Kunstzähne. Im Sommer soll er deswegen noch einmal operiert werden.

Auch die Versöhnung der beiden Fahrer ist nicht abgeschlossen. Die beiden trafen sich zwar zu einer Aussprache, doch über den Erfolg gibt es zwei unterschiedliche Sichtweisen. Groenewegen hielt es offenbar für gelungen: "Wir haben in einem kleinen Raum in Amsterdam zusammengesessen und unsere Herzen erleichtern können. Es war ein sehr schönes Gespräch", verkündete Groenewegen.

Das sah Jakobsen keineswegs so: "Dylan hat keine persönliche Entschuldigung angeboten und keinen Willen gezeigt, Verantwortung für seine Aktionen zu übernehmen. Ich würde gerne eine Verständigung mit Dylan erreichen, aber dazu braucht es zwei", schrieb der 24-Jährige bei Twitter: "Um die weitere Vorgehensweise werden sich nun meine Anwälte kümmern, ich gebe keine weiteren Kommentare ab."

Quellen: DPA, teamjumbovisma.nl, "sportschau.de","Der Spiegel"


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