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Schwimm-WM: Deutsches Turm-Duo gewinnt überraschend Gold

Gold für Deutschland - gleich am Auftaktwochenende der Schwimmweltmeisterschaft in Barcelona. Patrick Hausding und Sascha Klein holen unerwartet den Sieg im Synchronspringen vom Turm.

Patrick Hausding griff sich nach dem Gold-Coup ungläubig an den Kopf, umarmte seinen Sprungpartner Sascha Klein - und dann wurde das Duo als Weltmeister im Synchronspringen vom Turm gefeiert. "Ich bin Weltmeister, der Rest ist mir egal", schrie der achtmalige Europameister seine Freude auf dem Weg zur Siegerehrung hinaus. Erstmals überhaupt durfte der Deutsche Schwimm-Verband (DSV) am Sonntag in Barcelona den WM-Titel eines Wassersprung-Mannes feiern. Zahlreiche schwarz-rot-goldene Fahnen wurden auf der Tribüne geschwenkt. Und die DSV-Verantwortlichen freuten sich nach Bronze für Rekordweltmeister Thomas Lurz im Freiwasser über einen praktisch perfekten WM-Start.

Hatte Lurz seine Medaille trotz gerissener Siegesserie mit einem zurückhaltenden Lächeln präsentiert, wurde nach dem bravourösen Auftritt von Hausding/Klein überschwänglich gejubelt. "Schön für den DSV" sei die Auftaktmedaille durch Lurz gewesen, betonte Hausding vor dem Coup, "aber wir wollen als Wasserspringer auch Medaillen holen." Dass es gleich Gold aus zehn Metern Höhe wurde, das konnte keiner ahnen. Selbst Hausding und Klein schauten nach dem letzten Sprung der chinesischen Olympiasieger und Favoriten Cao Yuan und Zhang Yanguan gebannt auf die Anzeigetafel, auf der nach einer gefühlten Ewigkeit ihr WM-Traum zur Gewissheit wurde.

Durch die zwei Plaketten in den ersten sechs Entscheidungen hat der Verband einen nahezu perfekten Auftakt hingelegt, um den ambitionierten Zielkorridor von fünf- bis achtmal Edelmetall in der katalanischen Metropole zu erreichen. "Über Farben reden wir ja nicht mehr", sagte Verbandspräsidentin Christa Thiel lächelnd. Aber doch war die goldene Medaille wichtig.

Das Ende seiner beeindruckenden Goldfolge über fünf Kilometer nahm sich Rekordweltmeister Lurz derweil nicht zu Herzen. "Zu den Top 3 der Welt zu gehören, ist immer ein gutes Ergebnis", betonte der Würzburger. "Siebenmal gewonnen zu haben, ist nicht so schlecht, und ich denke nicht, dass es in einer anderen Sportart Ähnliches gibt. Man kann nicht immer gewinnen." Mit einem Gläschen Sekt wurde angestoßen - das nächste Erfolgserlebnis soll an diesem Montag über zehn Kilometer her. Dazu stehen zwei Sprung-Entscheidungen an. Die Wasserballer starten ebenfalls ins Turnier.

Turm-Konkurrenz leistet sich Patzer

Allen im Team sollen die beiden Medaillen vom Wochenende nach DSV-Wunsch Auftrieb geben. "Aus der Vergangenheit wissen wir, wie wichtig ein guter Start sein kann", erklärte Leistungssportdirektor Lutz Buschkow und hatte dabei wohl auch noch das Olympia-Debakel von London im Hinterkopf. Fast hätte der Verband sogar noch einen dritten Podestrang feiern dürfen, nur 1,5 Sekunden schlug Isabelle Härle als Fünfte über fünf Kilometer nach der Bronzemedaillengewinnerin an. Gold gewann hier die amerikanische Olympiazweite Haley Anderson. Bei den Herren war der tunesische Olympiasieger Oussama Mellouli 1,8 Sekunden schneller als Lurz.

Knapp ging es auch in der Turm-Konkurrenz zu, fehlerfrei kam kein Duo durch. Nach Rang fünf im ersten Durchgang rangierten Hausding/Klein bis nach der vierten Runde auf dem Bronzerang und rückten dann an Platz eins vor. Bei einer eigenen starken Darbietung profitierten die deutschen Top-Springer auch von Patzern der Konkurrenz, die teils schwierigere Sprünge nicht sauber runterbrachte.

Einen Tag vor dieser Enttäuschung für China, das vor zwei Jahren noch alle zehn WM-Sprungwettbewerbe für sich entschieden hatte, gewannen Wu Minxia/Shi Tingmao die Synchronkonkurrenz vom Drei-Meter-Brett der Frauen. Die viermalige Olympiasiegerin Wu Minxia erreichte das sechste Gold in ihrer Disziplin - Bestmarke. Die Asiaten dominieren wie erwartet die Sprungkonkurrenzen, Russland bestimmt das Synchronschwimmen. Im imposanten Palau Sant Jordi, wo in der zweiten WM-Woche Britta Steffen, Ryan Lochte & Co. um die Medaillen kämpfen, holte sich die dreimalige Olympiasiegerin Swetlana Romaschina in der Technischen Kür als Solistin WM-Titel Nummer elf.

"Der Mann ist die Verlässlichkeit in Person"

Dagegen wurde Lurz' Dominanz über die fünf Kilometer wie zuletzt bei einer WM 2002 durchbrochen. Von den Trainern und Verantwortlichen wurde er trotzdem mit Lob überhäuft. "Der Mann ist die Verlässlichkeit in Person", sagte Chef-Bundestrainer Henning Lambertz. "Er hat seinen Ausnahmestatus unter Beweis gestellt, das freut uns alle. Wahnsinn." Dass die von Lambertz auch im Becken eingesetzte Härle knapp eine Medaille verpasste, ärgerte die Essenerin selbst. "Ein dritter Platz wäre möglich gewesen", haderte die 25-Jährige und verdrückte zunächst ein paar Tränchen nach einer couragierten Kraulvorstellung.

Die deutsche Meisterin Kyra Felßner durfte sich über einen Platz im Finale der Synchronschwimmerinnen freuen, das sie als 16. und Letzte beendete. Gute Kunde auch aus der Schweiz: Als frischgekürte Europameisterin wird Anna Bader nach ihrem Sieg vom Wochenende nach Spanien zur WM-Premiere im Klippenspringen reisen.

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