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Ski-WM: Erik Guay krönt sich zum Speed-King

Die Abfahrt bleibt in kanadischer Hand: Erik Guay raste auf der Kandahar-Piste in Garmisch-Partenkirechen zu Gold und löste seinen Landsmann John Kucera als Speed-King ab. Didier Cuche gewann Silber, Bronze holte Christof Innerhofer.

Als der Schweizer Altstar Didier Cuche die Bestzeit um 0,32 Sekunden verpasst hatte, atmete der führende Kanadier Erik Guay erleichtert durch und ballte als Weltmeister die Faust. Dagegen stand Cuche am Samstag nach seinem Angriff auf Platz eins etwas ratlos im Zielraum herum. Die Zeit des 36-Jährigen war auf der Anzeigetafel weitergelaufen, er zuckte ratlos mit den Schultern - bis er von außen angezeigt bekam, dass es nicht für die Spitze gereicht hatte. Wie 2009, als der diesmal verletzt fehlende John Kucera den Titel in der alpinen Königsdisziplin geholt hatte, kommt der Gewinner einer WM-Abfahrt zum zweiten Mal aus Kanada.

Guay: Garmisch ist immer toll gewesen
"Das ist das beste Gefühl der Welt, Garmisch ist immer so toll gewesen - und jetzt Weltmeister, unglaublich. Ich muss aufpassen, dass ich nicht komplett ausraste", staunte der 29-Jährige, der zwei seiner drei Weltcup-Siege in Garmisch-Partenkirchen geholt hatte. Vor einem Jahr beim Weltcup-Finale war er im Super-G auf der Kandahar nicht zu schlagen gewesen. Dem von ihm selbst auserkorenen Favoriten Cuche blieb in der WM-Schussfahrt "nur" Platz zwei. Bronze ging an Super-G-Weltmeister Christof Innerhofer (Italien).

Die deutschen Teilnehmer griffen erwartungsgemäß nicht in den Kampf um die Spitzenplätze mit ein. Für Tobias Stechert zündeten Freunde nach seiner Zieleinfahrt mit einem Rückstand von 4,90 Sekunden und letztlich Rang 31 ein Mini-Feuerwerk. Andreas Sander erlebte bei seinem Sturz ins Netz einen "totalen Schock" und kam erst mit Verzögerung unten an. Der ehemalige Junioren-Weltmeister im Super-G verspürte Schmerzen im rechten Knie. "Das Knie ist instabil", sagte der Ennepetaler, "ich werde mich im Hotel durchchecken lassen."

Hoffnung auf deutsche Frauen


Mehr erhofft sich der Deutsche Skiverband von den Damen am Sonntag, wo Maria Riesch trotz den Nachwirkungen einer Virusgrippe um die Medaille mitkämpfen möchte. Wegen des warmen Wetters war das Abschlusstraining ausgefallen.

Bei hohen Temperaturen am Samstag von rund zehn Grad war Guay früher als die großen Favoriten auf die Strecke gegangen - sicher kein Nachteil. Mit einer waghalsigen Fahrt hatte er den gleich vor ihm gestarteten Innerhofer, der nicht ganz gesund ins Rennen gegangen war, von Platz eins verdrängt.

Gebeutelte Österreicher


Aber der 26-Jährige freute sich auch ohne Sieg. "Die Startnummer von Erik und von mir war sicher ein Vorteil", sagte der Südtiroler nach seinem zweiten Stockerl-Rang. "Von zwei Medaillen bei der WM hätte ich nur träumen können." In den Chor der Jubelnden stimmte auch Cuche trotz verpasstem Abfahrts-Gold ein. "Für mich ist es mehr ein geholter zweiter Platz als ein verlorener erster", sagte das Kraftpaket aus der Schweiz.

Für die arg gebeutelte österreichische Speedmannschaft blieb nur Platz vier durch Romed Baumann. Wie bei Olympia 2010 sowie den Weltmeisterschaften 2009 und 2007 war man auch diesmal leer ausgegangen. In Garmisch-Partenkirchen war es nach drei erfolgreichen Wettbewerben der erste ohne Edelmetall.

Beklagt wurde der enge Zielbereich, in dem nicht nur der Norweger Aksel Lund Svindal in die Schutzbegrenzung flog; mehr als sieben am Ende der Kandahar völlig ausgepumpte Sportler stürzten. Svindal wankte nach seinem Zusammenprall mit der Luftkissenbande gestützt von einem Helfer aus dem Bereich.

DPA / DPA

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