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Skispringen: Hannawald verliert Gelbes Trikot an Malysz

Wetter und Jury haben Sven Hannawald am Sonntag in Oslo um das Gelbe Trikot des Weltcup-Führenden gebracht. Wegen dichten Nebels wurde der Wettbewerb abgebrochen und nur der erste Durchgang gewertet, dadurch gewann Adam Malysz.

Der Wettergott und die Jury haben Sven Hannawald am Sonntag in Oslo um das Gelbe Trikot des Weltcup-Führenden gebracht. Vier Springer vor dem Ende der Veranstaltung am legendären Holmenkollen wurde wegen dichten Nebels abgebrochen und nur der erste Durchgang gewertet. Dadurch gewann Doppel-Weltmeister Adam Malysz vor den punktgleichen Florian Liegl (Österreich) und Roar Ljökelsoey (Norwegen).

Acht Punkte trennen Hannawald vom Gesamt-Weltcup-Sieg

Der Pole übernahm damit die Führung im Weltcup mit acht Punkten vor Hannawald, der mit einem Traumsprung auf 122,5 Meter im zweiten Durchgang alte Stärke zeigte und in Führung lag. Durch den Abbruch und die Wertung nur eines Durchgangs belegte der Hinterzartener nur den 14. Rang. "Ich glaube, die haben abgebrochen, weil ein Norweger dadurch auf dem Treppchen steht", mutmaßte Hannawald.

Bundestrainer Reinhard Heß ist verärgert

"Wir sind hier veralbert worden", schimpfte Bundestrainer Reinhard Heß. "Es ist für mich unverständlich, warum das Ding nicht durchgezogen wurde. Die Bedingungen sind nicht schlechter als zu Beginn des zweiten Durchgangs", meinte der Coach. Walter Hofer, Renndirektor des Weltverbandes FIS, begründete den Abbruch mit den schlechten Sichtverhältnissen und den beschlagenen Brillen der Athleten. Dies würde ein Sicherheitsrisiko darstellen.

Der erste Versuch war "geeiert"

Im ersten Versuch hatte Hannawald da angeknüpft, wo er bei der WM in Predazzo und beim Mannschaftswettbewerb am Samstag, den Österreich vor Weltmeister Finnland und den DSV-Adlern gewonnen hatte, aufgehört hatte. 114 Meter bedeuteten Platz 14 und machten den Schwarzwälder ratlos. "Ich weiß nicht, woran es liegt. Irgendetwas verpasse ich, irgendwas geht zu schnell. Da eiere ich dann nur noch herum. Ich kann nicht über meine Sprünge lachen", meinte er.

Mut und Fluggefühl beim zweiten Sprung

Doch dann zeigte er im dichter werdenden Nebel Mut und Kämpferherz. "Ich habe zwar nichts gesehen, aber das Fluggefühl war plötzlich wieder da", schwärmte der 28-Jährige nach seinem Satz auf 122,5 m. Vergessen waren mit einem Mal die nach seinen Worten "Hulahopp-Sprünge". "Die Trainer haben mir in der Pause den Popo aufgerissen. Irgendwie wird man müde im Kopf, man macht Fehler und erkennt sie nicht. Da sind die Gespräche dann ganz wichtig", plauderte Hannawald aus dem Nähkästchen.

In Lahti wird neu angegriffen

Den Abbruch und den Verlust des Gelben Trikots nahm er äußerlich gelassen. "Wenn es nicht sein soll, dann soll es eben nicht sein. Ich freue mich über meinen zweiten Sprung, ein Platz auf dem Treppchen wäre möglich gewesen. Also fahre ich jetzt nach Lahti und greife dort neu an", sagte Hannawald, der nach Meinung von Heß im ersten Versuch zu fest war. "Er wollte das Trikot unbedingt verteidigen, da hat er schon im Absprung einen entscheidenden Fehler gemacht. Seinen guten zweiten Versuch habe ich nicht gesehen", bedauerte der Trainer.

Auch Uhrmann hatte Pech

Mit dem Auftritt seiner anderen Athleten konnte Heß nicht zufrieden sein. Lediglich Michael Uhrmann steigerte sich wie Hannawald im zweiten Versuch, wurde dafür aber nicht belohnt und musste mit Rang 16 zufrieden sein. Georg Späth (Oberstdorf) schaffte nicht einmal die Qualifikation. Martin Schmitt (Furtwangen), für den derzeit jeder Wettkampf mehr eine Qual als ein Erlebnis zu sein scheint, belegte Rang 27 vor Michael Neumayer (Berchtesgaden). Christof Duffner (Schönwald) stürzte auf Platz 42 ab, Alexander Herr (Schonach-Rohrhardsberg) wurde 44. und Stefan Pieper (Winterberg) belegte im Feld der 50 Springer den 46. Platz.

Weltcup-Gesamtstand (nach 23 von 27 Wettbewerben):

1. Adam Malysz (Polen) 1027 Pkt.

2. Sven Hannawald (Deutschland) 1019

3. Andreas Widhölzl (Österreich) 1016

4. Janne Ahonen (Finnland) 976

5. Florian Liegl (Österreich) 896

6. Primoz Peterka (Slowenien) 789

7. Martin Höllwarth (Österreich) 759

8. Sigurd Pettersen (Norwegen) 747

9. Roar Ljökelsoey (Norwegen) 709

10. Andreas Goldberger (Österreich) 556

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