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Porträt

NFL: Mark Nzeocha könnte der dritte Deutsche werden, der den Super Bowl gewinnt

An seinem 30. Geburtstag schaffte Mark Nzeocha den Sprung in den Super Bowl. Nun darf er als dritter Deutscher auf den Triumph in der NFL hoffen. Doch wer ist der gebürtige Franke? Ein Porträt über einen Football-Profi, der schon früh wusste, was er einmal werden wollte.

Mark Nzeocha

Mark Nzeocha könnte der dritte deutsche Footballprofi werden, der den Super Bowl gewinnt

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Als San Francisco 49ers‘ Spieler mit der Rückennummer 53 Anfang des letzten Viertels des Spiels gegen die Green Bay Packers den Football bei einem Kickversuch abfing, wurde DAZN-Kommentator Markus Kuhn noch einmal laut: "Wen haben wir denn da? Ist das nicht ein DEUTSCHER?", rief er ins Mikrofon. Kuhn, einst selbst Profi in der NFL, freute sich diebisch. Nicht über das Spiel. Das war zu diesem Zeitpunkt fast entschieden. Es stand 34:13 für die 49ers. Er freute sich für seinen Landsmann – Mark Nzeocha (gesprochen "N-Zotscha").

Er ist in dieser Saison der einzige aktive deutsche Spieler in der NFL. In der Nacht von Sonntag auf Montag zog er nun mit seinem Team in den Super Bowl ein, das Finale der nordamerikanischen Football-Liga. Denn kurz nachdem Nzeocha gefangen hatte, war die Partie vorbei. Die 49ers gewannen mit 37:20 – und zogen damit zum siebten Mal ins Finale ein.

Fünf davon konnten die "Niners" für sich entscheiden. Allerdings liegt die letzte Meisterschaft schon ein Vierteljahrhundert zurück. 1995 führte Quarterback Steve Young San Francisco mit sechs Touchdownpässen zum souveränen 49:26-Sieg gegen die San Diego Chargers. Nzeocha war damals gerade einmal fünf Jahre alt. Ausgerechnet an seinem 30. Geburtstag feierte er nun den bislang größten Erfolg seiner Karriere.

In der Nacht vom 2. auf den 3. Februar kann er diesen Tag noch einmal toppen – und als dritter Deutscher nach Markus Koch und Sebastian Vollmer den Super Bowl gewinnen. Danach sah es in seiner Karriere nicht immer aus. Noch bevor Mark Nzeocha in der NFL spielte, riss er sich das Kreuzband. Er spielte damals am College. Zum Verständnis: Die Universitäten legen in den USA den Grundstein für eine spätere Karriere. Wer hier überzeugt, hat sehr gute Chancen später Profi-Footballer zu werden. Eine schwere Verletzung wie ein Riss des Kreuzbands ist eine Katastrophe. Doch der Reihe nach.

Mark Nzeochas Karriere – ein ständiges Auf und Ab

Mark Nzeocha wächst im fränkischen Ansbach auf. Gemeinsam mit seinen drei  Brüdern Steve, Paul und Eric kämpft er im heimischen Garten schon im frühen Kindesalter um das dunkelbraune Lederding. "Es ging da richtig zur Sache. Ohne Schulterpolster, Voll-Tackle, einfach alles", berichtet er der "Welt". Dabei hatte sein nigerianischer Vater eine ganz andere Vorstellung. Seine Söhne sollten Fußballer werden.

Doch sie rebellierten regelrecht – allen voran Nzeocha. "Ich wollte nicht das machen, was alle tun, sondern etwas anderes. Ich wollte ein Rebell sein", erzählt er der Deutschen Welle. Mit 13 Jahren steht er dann erstmals auf einem Football-Feld – und "verliebt" sich direkt in den Sport. Von da an geht es steil bergauf. 2008 gewinnt Nzeocha mit der deutschen Nationalmannschaft die European Junior Championships.

Aaron Hernandez bei einem Interview 2012

Plötzlich steht er auf den Zetteln von Talent-Scouts amerikanischer Colleges. Seine Kraft – Nzeocha ist 1,90 Meter groß und 110 Kilogramm schwer – und Agilität sind in den USA gefragte Fähigkeiten eines Verteidigers. Er bekommt zwei Vollstipendien angeboten. Eines davon, das der University of Wyoming, nimmt er an.

Nach anfänglichen Anlaufschwierigkeiten läuft es für Nzeocha immer besser. Er macht mit zahlreichen Tackles und sogar drei Sacks (bedeutet, den Quarterback vor Abgabe des Balls zu Boden zu bringen) auf sich aufmerksam. Der dynamische Verteidiger wird deshalb sogar als Kandidat für einen vorderen Platz beim alljährlichen Draft, bei dem die 32 NFL-Teams jeweils sieben junge Spieler auswählen dürfen, gehandelt.

Allerdings reißt sich der damals 25-Jährige kurz vorm Ende der Saison das Kreuzband. Beim Scouting-Combine, eine Art Casting, bei dem die Talente in mehreren Übungen den anwesenden Trainern und Scouts der Profi-Teams ihre Fähigkeiten zeigen sollen, kann Nzeocha aufgrund seiner Verletzung nur bestimmte Übungen absolvieren. Trotzdem wird er an 236. Stelle von den Dallas Cowboys ausgewählt.

"Man muss einen Riesenrespekt vor seiner Leistung haben"

Der Durchbruch gelingt ihm dennoch nicht. Es läuft nicht rund in Texas. In zwei Jahren kommt der gebürtige Bayer gerade einmal auf sieben Einsätze. Erst als er im September 2017 zu San Francisco 49ers wechselt, nimmt seine Profi-Karriere Fahrt auf. Er kommt regelmäßig zum Einsatz – und wird im März des vergangenen Jahres mit einem Drei-Jahres-Vertrag über 4,75 Millionen Dollar belohnt.

"Man muss einen Riesenrespekt vor seiner Leistung haben, sich in so einem Top-Team zu halten", sagte Markus Kuhn der Deutschen Presse-Agentur über Nzeocha. "Er kam nach Amerika, ging aufs College und jetzt macht er in einer extrem starken Defense einen guten Job."

Wie wertvoll Nzeocha sein kann, zeigte er im ersten Saisonspiel gegen die Tampa Bay Buccaneers. Er blockte einen Punt-Versuch des Gegners und fing das erste Mal in seiner Laufbahn einen Ball ab. Es sei das Highlight seiner Karriere gewesen, sagte er kürzlich im Interview mit dem "Spiegel". Wenn er nun am 2. Februar den Super Bowl mit seinen San Francisco 49ers gewinnen sollte, wird er höchstwahrscheinlich ein neues haben.

Quellen: "Spiegel" / "Ran" / "Welt" / Deutsche Welle / DPA

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