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San Francisco 49ers: Katie Sowers steht als erste Trainerin im Super Bowl – und als erste Homosexuelle

Im diesjährigen Super Bowl wird Katie Sowers gleich doppelt Football-Geschichte schreiben: Als erste Frau und als erste Homosexuelle nimmt die Assistenztrainerin der San Francisco 49ers an dem Finale teil.

Katie Sowers

Katie Sowers trainiert bei den San Francisco 49ers die Offense-Spieler

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Großer Jubel in der "Golden City": Das Football-Team der San Francisco 49ers ist durch einen souveränen 37:20-Sieg gegen die Green Bay Packers in den Super Bowl eingezogen. In der Nacht vom 2. auf den 3. Februar deutscher Zeit treffen die 49ers im Finale der US-amerikanischen Profiliga NFL auf die Kansas City Chiefs. Für das Team aus San Francisco ist es bereits die siebte Teilnahme, fünfmal gewannen die 49ers den Super Bowl – zuletzt 1995. Doch 49ers-Assistenztrainerin Katie Sowers wird im 54. Superbowl für eine historische Premiere sorgen: Sie ist die erste Trainerin, die an dem Finale teilnimmt – und die erste offen Homosexuelle.

Beides ist in der NFL eine absolute Ausnahmeerscheinung. Noch bemerkenswerter allerdings ist es, dass eine Frau, die sich auch als lesbisch geoutet hat, es in den Super Bowl schafft. Der Weg dorthin war für die 33-Jährige allerdings extrem hart. Sie musste sich in der Männerdomäne NFL behaupten und dabei auch immer wieder Rückschläge hinnehmen.

Super Bowl: Katie Sowers schreibt Geschichte

Seit 2017 arbeitet Sowers als Assistenztrainerin bei dem Klub. Dort kümmert sie sich vornehmlich um das Training der Offensivspieler. Bei ihrem Amtsantritt war sie erst die dritte Trainerin in der Geschichte der Liga. Sie habe Tränen in den Augen gehabt, als ihr der Job angeboten wurde, erzählte Sowers im vergangenen Jahr dem Portal "Market Watch".

Andere Sportligen in den USA waren da fortschrittlicher. In der Basketball-Profiliga NBA übernahm 2014 mit Becky Hammond erstmals eine Frau einen Vollzeitjob als Assistenztrainerin. Für Sowers war das ein Erweckungsmoment: "Ich wusste immer, dass ich Trainerin werden wollte, aber ich wusste nicht, dass ich in der NFL trainieren konnte, bis ich sah, dass Becky Hammond NBA-Trainerin wurde." Schon lange hatte Sowers von einem solchen Posten geträumt. Der Weg dorthin war aber schwierig.

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Sexismus und Homophobie im Profisport

Dass Sowers sich schon früh offen zu ihrer Homosexualität bekannt hatte, machte es für sie nicht gerade einfacher. So hatte sie bei ihrem Weg in den Profisport nicht nur mit Sexismus, sondern auch mit Homophobie zu kämpfen. Zuerst hatte Sowers einen Job im Basketball angestrebt. Einer ihrer Cheftrainer warf sie sogar raus, weil die Eltern der Spielerinnen Angst hätten, ihre Töchter könnten lesbisch werden. 

Doch Basketball war ohnehin nur eine Notlösung im Leben der Katie Sowers gegeben. Ihre wahre Liebe gehörte dem American Football, es hatte nur schlicht keine Mädchen-Footballteams in ihrer Umgebung gegeben. Nach dem College spielte sie selbst erfolgreich auf der Quarterback-Position und wurde 2013 mit den USA Weltmeister. Über ein Praktikum fand sie schließlich den Weg ins Trainerteam der San Francisco 49ers.

Microsoft-Werbespot macht Katie Sowers bekannt

Dort arbeitet sie eher im Hintergrund und unterstützt Head Coach Kyle Shanahan. Doch vor der 54. Super-Bowl-Ausgabe kennt mindestens ganz Amerika das Gesicht von Katie Sowers: Microsoft hat sie zum Testimonial seiner Werbekampagne gemacht. In den Fernsehspots des Technologieunternehmens spricht Sowers über ihren Lebensweg und darüber, wie aus ihren Träumen Wirklichkeit wurde.

"Ich bin nicht die Quotenfrau. Ich bin hier, um mitzuhelfen, dass wir gewinnen", sagt sie. "Uns kommt es so komisch vor, dass Frauen Männer führen, aber Frauen sind seit vielen Jahren Lehrerinnen für Männer gewesen."

"Wenn dir die Leute als Trainer und Lehrer nicht vertrauen, wenn sie nicht spüren, dass du authentisch bist, hast du keine Chance", erklärt Sowers, warum ihr Offenheit so wichtig ist. Als Frau und als Homosexuelle ist sie die Symbolfigur für zwei Gruppen, die es immer noch schwer haben – nicht nur in der NFL. Ein Sieg im Super Bowl würde die Story perfekt machen. Aber Katie Sowers braucht ihn nicht um jeden Preis: Sie hat schon jetzt Geschichte geschrieben.

Quellen: "Guardian" / "Market Watch" 

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