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Super-Bowl-Star Kurt Warner: Den Traum immer weiter leben

Vor der Saison in der NFL hätte niemand auch nur einen Penny auf die Arizona Cardinals gesetzt. Jetzt steht der Underdog im Super Bowl. Am Sonntag in Tampa Bay gegen die alten Super-Bowl-Hasen aus Pittsburgh werden alle Augen auf den Quarterback der Cardinals, Kurt Warner, gerichtet sein. Dieser Mann lebt den amerikanischen Traum wie kaum ein anderer.

Von Malte Arnsperger

Eine Kleinstadt im US-Bundesstaat Iowa im Jahr 1994: Das junge Paar Kurt und Brenda muss kämpfen: Die 25-jährige Brenda ist arbeitslos, bringt sich und ihre zwei Kinder mit Essenskarten über die Runden. Ihr 22-jähriger Freund Kurt arbeitet für den Hungerlohn von fünf Dollar in einem Supermarkt und räumt Regale ein. Eigentlich will Kurt ja Football-Profi werden, doch kein Team will ihn engagieren. Seine Karriere scheint am Ende zu sein, bevor sie überhaupt richtig begonnen hat. Eigentlich: Denn 15 Jahre später steht Kurt Warner im Endspiel der nordamerikanischen Football-Liga NFL, dem Super Bowl. Rund eine Milliarde Menschen rund um den Globus werden am Sonntag zusehen, wenn der einstige Hilfsarbeiter als Quarterback (Spielmacher) mit seinem Team, den Arizona Cardinals, gegen die Pittsburgh Steelers antreten wird.

Der Super Bowl wird wieder einmal zum Kampf David gegen Goliath. Denn mit den Pittsburgh Steelers ist einer der erfolgreichsten Klubs der vergangenen Jahrzehnte ins Endspiel in Tampa (Florida) eingezogen. Ein Sieg würde Pittsburgh zum Rekordgewinner machen. Der Gegner aus Arizona dagegen ist eines der schlechtesten Mannschaften der NFL. Nur zweimal in den letzten 26 Jahren kam Arizona über die Vorrunde hinaus. Der letzte Titelgewinn liegt 61 Jahre zurück, da war Harry Truman Präsident und die Cardinals spielten noch in Chicago. Die Mannschaft, die seit 1988 in Phoenix ihre Heimat hat, ist also der typische Außenseiter.

Wohl kein anderer Quarterback passt besser zu diesem Team als Kurt Warner. Der heute 37-Jährige lebt die typisch amerikanische Erfolgsgeschichte - vom Tellerwäscher zum Millionär.

Nach einigen Monaten harter Arbeit im Supermarkt schafft Kurt Warner 1995 den Sprung in eine semi-professionelle Football-Liga. Um sich für die NFL im Gespräch zu halten, spielt er dann sogar im Football-Entwicklungsgebiet Europa für die Amsterdam Admirals. 1999 wird er zweiter Quarterback bei dem NFL-Team St. Louis Rams. Ein Glücksfall für Kurt Warner. Denn schon am Anfang der Saison verletzt sich sein Konkurrent und Warner wird die Nummer eins. Und was für eine: Binnen weniger Monate avanciert er zum Superstar der Liga, führt die Rams schnurstracks zum Super Bowl-Titel. Die Mannschaft wird ehrfürchtig "greatest show on turf" (die größte Show auf dem Boden) genannt, da sie neben Warner weiter äußerst explosive Angriffsspieler in ihren Reihen hat. 2001 gelingt den Rams mit Warner wieder der Einzug in den Super Bowl. Warner macht aus den Rams, der grauen Maus der Liga, ein Spitzenklub.

Doch Warner hebt trotz des plötzlichen Ruhms nicht ab. Im Gegenteil. Inzwischen mit Brenda verheiratet, wird aus dem sorglosen Studenten von einst ein gottesfürchtiger Familienvater, heute umfasst die Warner Familie sieben Kinder. Warner und seine Frau gründen nach dem Super-Bowl-Sieg im Jahr 2000 eine christliche Hilfsorganisation, die sich für kranke Kinder und ihre Familien einsetzt. Auch im Alltag leben die Warners Nächstenliebe vor. Wenn die Familie im Restaurant essen geht, bezahlen sie immer die Rechnung eines anderen Tisches - anonym.

Sein Glauben und seine Familie sind es auch, die den Sportler Warner in den Jahren nach 2001 stützen. Denn so schnell der sportliche Aufstieg gelang, so schnell folgt der Absturz. Verletzungen plagen Warner, er muss einem jüngeren Quarterback Platz machen, wird dann von den Rams ausgemustert. Warner landet 2004 bei den New York Giants, aber auch dort wird ihm bald ein junger Konkurrent vor die Nase gesetzt. Dann 2005 der Wechsel nach Arizona, einem damals fast hoffnungslos schlechten Team. Auch hier das gleiche Spiel, Warner ist nur Platzhalter für einen aufstrebenden Jungstar.

Doch Warner gibt nicht auf. Am Anfang dieser Saison wird der alternde Ex-Star zum Stamm-Quarterback. "Er wollte einfach nur eine Chance", sagt sein Trainer Ken Wisenhunt. Warner nutzt die Gelegenheit und überrascht mal wieder die Fachwelt. Niemand hätte einen Penny auf die Cardinals gesetzt, doch zusammen mit sehr starken Angriffspielern schafft Warner die Sensation und zieht in den Super Bowl ein. "Alles ist möglich", sagt seine Frau Brenda. "Er hat nie gezweifelt. Er lebt seinen Traum - schon wieder."

Dass der Traum des Kurt Warner zum zweiten Mal mit dem Super-Bowl-Sieg endet, werden am Sonntag die Pittsburgh Steelers verhindern wollen. Das Team ist der klare Favorit. Die Defensive der Steelers ist traditionell eine der besten der Liga, und auch die Offensive um Quarterback Ben Roethlisberger ist brandgefährlich. Dagegen kann Arizona auf eine allenfalls mittelmäßige Defensive bauen. Die Hauptlast wird also auf Kurt Warner liegen. Er will unbedingt seinen zweiten Super Bowl-Ring und sich damit endgültig in die Liste der ganz großen seiner Zunft einreihen. Doch sein Teammitglied Bertrand Berry weiß, dass Football nicht alles im Leben von Kurt Warner ist: "Kurt nur als Super Bowl-Gewinner zu sehen, würde ihm nicht gerecht werden. Ich denke, sein Vermächtnis wird sein, dass er einfach ein großartiger Mensch ist."

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