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Surf-Weltmeister Andy Irons: Der Tod kam im Hotelzimmer

Der dreimalige Surfweltmeister Andy Irons ist tot. Der 32-jährige Hawaiianer wurde leblos in einem Hotelzimmer in Dallas aufgefunden. Über die Todesursache wird derzeit spekuliert. Starb er an einer Viruserkrankung oder an einer Überdosis Drogen?

Von Klaus Bellstedt

Seine Fans riefen ihn "A.I.". Andy Irons war für die eine Hälfte der wilden Wellenreitergemeinde ein Held. Eine Surfikone, die mit atemberaubenden "Moves" die Wellen der Ozeane absurfte. Immer noch ein bisschen spektakulärer als die anderen. Manchmal fast ein bisschen arrogant. Genau deshalb liebten sie ihn. Der exzentrische Bad-Boy der Surferszene war aber nicht nur beliebt. Von der treuen Anhängerschaft seines ewigen Rivalen Kelly Slater, der sich in diesem Jahr anschickt, zum zehnten Mal Weltmeister zu werden, wurden Irons Fahrkünste eher kritisch betrachtet. Und mit seinen legendären Bierduschen nach den unzähligen Erfolgen auf der ASP World Tour, der professionellen Wettkampf-Serie im Wellenreiten, an den Surfspots von Hossegor in Südfrankreich bis Bells Beach, Australien, konnte die Slater-Fangemeinde auch nicht viel anfangen.

Am meisten störte sie aber, dass sich mit "A.I." Anfang des neuen Jahrtausends ein Konkurrent etabliert hatte, der Slater in Sachen Ehrgeiz und Talent das Wasser reichen konnte. Drei Jahre hielt ihre Rivalität die Surfgemeinde in Atem, bis Slater 2005 seinen siebten Titel errang. Die Niederlage brach Irons das Rückgrat, der Hawaiianer rutschte in die Drogensucht ab. Nach einem Jahr Pause surfte er seit diesem Jahr wieder auf der Worldtour. Fans, Medien und Sponsoren registrierten die neu entfachte Rivalität zwischen den beiden Superstars mit großer Dankbarkeit. Seit Dienstag steht fest, dass es diese einzigartige Rivalität der beiden Ausnahmeerscheinungen des Surfsports nicht mehr geben wird. Andy Irons ist am Dienstag in einem Hotelzimmer in Dallas tot aufgefunden worden. Er wurde nur 32 Jahre alt. Die Surfwelt steht unter Schock.

Die Umstände seines Todes sind mysteriös. So viel weiß man aber: Der dreimalige Surfweltmeister war auf dem Weg von einem Wettkampf in Puerto Rico in seine Heimat Kauai/Hawaii, checkte aber vor seinem Weiterflug wegen Unwohlseins in einem Flughafenhotel in Dallas ein. Der WM-Champion von 2002, 2003 und 2004 soll an Dengue-Fieber gelitten haben, das sich durch Mücken überträgt, aber nur bei zwei Prozent der Erkrankten tödlich endet. Am Sonntag war er ohne Angabe von Gründen von einem Wettkampf in Puerto Rico abgereist. Später teilten die Organisatoren mit, Irons habe sich die Viruskrankheit in Portugal beim "Rip Curl Pro" in Peniche zugezogen.

Irons Ehefrau im siebten Monat schwanger

Eben weil das Dengue-Fieber oft glimpflich verläuft, gehen die Spekulationen über die Todesursache von Irons aber auch in eine andere Richtung. Nach Informationen der hawaiianischen Tageszeitung "Honolulu Star Advertiser" wurden neben seinem Bett die Medikamente Zolpidem (Schlafmittel) und Methadon (starkes Schmerzmittel) gefunden. Vor einiger Zeit hatte Irons davon gesprochen, gegen "innere Dämonen" ankämpfen zu müssen. Freunde des 32-Jährigen wehren sich gegen Gerüchte über ein Drogenproblem. Die Zeiten, in denen Irons kaum eine Party ausließ, sollen vorbei gewesen sein. Gerichtsmediziner werden nun untersuchen, ob die Medikamente mit dem Tod in Verbindung stehen könnten.

Seinen letzten Sieg feierte Irons am 3. September bei der "Billabong Pro" in Tahiti. 2008 wurde der Hawaiianer, der als einziger Athlet an jedem Wettkampfort der weltumspannenden ASP-Serie gewinnen konnte, in den Walk of Fame der Surfer aufgenommen. Der Profi war seit dem 25. November 2007 mit Lyndie Dupuis verheiratet. Sie ist momentan im siebten Monat schwanger und wird ihr Kind nun ohne Vater aufziehen müssen. Mit Irons verliert der Surf-Sport einen der ganz Großen. "Einige Dinge, die er auf dem Surfbrett tat, waren einfach unglaublich", sagte Berufskollege Mark Occhilupo zur australischen Nachrichtenagentur "AAP". "Ich erinnere mich da nur an einen Tag als er eine 30 Fuß hohe Welle nahm und niemand anderes traute sich..." Und auch der große Kelly Slater hat sich nach der traurigen Nachricht bereits geäußert: "Ob ich das in der Vergangenheit zugeben wollte oder nicht: Andy war immer einer meiner Lieblingssurfer. Er hat mich zu einem besseren, stärkeren und konzentrierteren Wettkämpfer im Wasser gemacht." Das Wasser, es war Irons Element.

mit DPA

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