TENNIS Hewitt siegt in Wimbledon


Im veregneten Wimbledon besiegt der erst 21-jährige Lleyton Hewlitt den Debütanten David Nalbandian.

»Regenmann« Lleyton Hewitt hat sich seinen ersten Wimbledon-Titel geschnappt und darf den Tanz der Champions mit Serena Williams bestreiten. In einem über weite Strecken einseitigen Endspiel beendete der topgesetzte Weltmeister aus Australien am Sonntag im wieder verregneten London den Höhenflug von David Nalbandian, der als erster Debütant überhaupt das Finale der All England Championships erreicht hatte. Nach 1:56 Stunden verwandelte Hewitt seinen zweiten Matchball zum 6:1, 6:3, 6:2 gegen den Argentinier und bekam als Nachfolger des Kroaten Goran Ivanisevic für seinen zweiten Grand-Slam-Titel die »hässlichste Salatschüssel der Welt« und ein Preisgeld von 787 500 Dollar.

Serena schlägt Venus

Serena Williams kassierte für ihren dritten Grand-Slam-Triumph nach Flushing Meadows 1999 und den French Open in diesem Jahr 729 000 Dollar. Wie in Paris vor einem Monat ließ die 20-Jährige Venus Williams keine Chance und entthronte die Titelverteidigerin mit 7:6 (7:4), 6:3. »Es ist verdammt schwer, Venus hier zu schlagen«, sagte die Siegerin, die ihrer großen Schwester alles raubte: Den Titel, den sie zum dritten Mal nacheinander gewinnen wollte, Platz eins der Weltrangliste und schließlich auch die Hoffnung, sich für die finale Niederlage in Roland Garros revanchieren zu können. »Serena hatte immer die bessere Antwort parat. Das muss man akzeptieren«, meinte die zwei Jahre ältere Venus Williams. Im neunten Vergleich kassierte sie die vierte Niederlage und musste sich mit 364 500 Dollar trösten. Über das Finale meinte BBC-Kommentator Boris Becker: »Ich kann beim besten Willen meine Schwester nicht hassen.« Die Grundvoraussetzung für ein gutes Match sei damit nicht gegeben.

Generationswechsel

»David ist unheimlich nervös und gehemmt«, kommentierte Becker das Geschehen im Herren-Finale, das einen Wachwechsel symbolisierte. Der 21-jährige Hewitt und der 20-jährige Nalbandian haben die Sampras, Agassis oder Safins bei den »Wasserspielen« von Wimbledon in die zweite Reihe verbannt. Hewitt nutzte seine Chance und triumphierte im vierten Anlauf zum ersten Mal auf dem »Heiligen Rasen«.

Der auch an die Spitze der Weltrangliste gestürmte Daviscup- und vierfache Turniersieger dieser Saison reiht sich ein in die Liste der Legenden vom Fünften Kontinent. Nachdem Patrick Rafter in den beiden Vorjahren den Titel verpasste - zuletzt gegen Sensationssieger Goran Ivanisevic - schaffte er das, was vor ihm Rod Laver (1968/69), John Newcombe (1970/71) sowie Pat Cash (1987) gelungen war.

Flitzer auf auf dem Center Court

Das morgendliche Training auf dem Center Court, auf dem er noch nie gestanden hatte, half Nalbandian nichts. Auch die herbei gesehnte Regenpause beim Stande von 6:1, 1:0 für den Australier brachte ihm wenig. Die Gunst der (Regen-)Stunde nutzte dagegen ein Flitzer, der sich mitten auf dem Rasen seiner Sachen entledigte und den Sicherheitskräften mit einem Sprung übers Netz zunächst entwischte. Die erste Flitzerin überhaupt hatte Wimbledon 1996 »erschüttert«.

Sieg nach der Regenpause

Den nackten (Tennis-)Tatsachen musste Nalbandian danach wieder ins Auge sehen. Trotz der klaren Niederlage konnte er sich über ein traumhaftes Wimbledon-Debüt und ein Preisgeld von 393 750 Dollar freuen. Den Titel aber holte Hewitt nach der zweiten Regenpause in souveräner Manier. So wie der an Nummer 28 gesetzte Argentinier am Samstag sein tags zuvor unterbrochenes Halbfinale gegen den Belgier Xavier Malisse durch ein 6:2 im Nachspiel-Satz gewonnen hatte.

Zukunft am Hamburger Rothenbaum ungewiss

Zur Hängepartie haben sich auch die Verhandlungen des Deutschen Tennis Bundes (DTB) über die Zukunft der Turniere am Hamburger Rothenbaum entwickelt. Die von DTB-Präsident Georg von Waldenfels für den Tag des Wimbledon-Finals angekündigte Erklärungsfrist verstrich ergebnislos. »Wir führen umfangreiche Gespräche und es gibt positive Signale«, sagte DTB-Pressechef Toralf Bitzer am Sonntag der dpa. Die Beratungen mit Sponsoren und dem Fernsehen sowie mit Daviscup-Kapitän Michael Stich und Boris Becker seien noch nicht abgeschlossen.

Andreas Bellinger


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