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Tiger Woods: 13,5 Minuten Selbstkasteiung

Es war als Pressekonferenz angekündigt, entwickelte sich aber zur knapp viertelstündigen Selbsterniedrigung. Bei seinem ersten Auftritt seit drei Monaten ließ Tiger Woods keine Vokabel aus, um sich verbal zu kasteien. Beim Abgang gab es Tränen, Fragen der Presse dafür überhaupt nicht.

Tiger Woods tat Buße. Eindringlich. Ausdauernd. "Es tut mir so leid". "Ich habe Schande über mich gebracht". "Ich bereue mein egoistisches Verhalten". "Es ist schwer zuzugeben, dass ich Hilfe brauche, aber ich brauche sie." 13,5 Minuten lang hagelten Bekenntnisse wie diese auf seine etwa 40 Zuhörer in Ponte Vedra Beach in Florida ein.

Der Sex-Maniac und Golfstar war in die Öffentlichkeit gegangen, um sein nach zahlreichen Affären ramponiertes Image auzupeppeln. Gelungen dürfte ihm das nur bedingt sein, denn die Veranstaltung entpuppte sich schon als Farce, bevor sie losging. Woods und sein Agent Mark Steinberg hatten nur eine kleine Gruppe von Freunden, Kollegen und Partnern zu der Veranstaltung zugelassen. Zudem waren nur wenige, handverlesene Journalisten zugelassen, die keine Fragen stellen durften. Die Presse war entsprechend sauer. "Unser Standpunkt ist ganz einfach: Alles oder nichts", sagte der Vorsitzende des Verbandes der US-Golfjournalisten, Vatan Kupelian. "Das ist ein großes Thema von internationaler Bedeutung - Journalisten darin zu beschränken, Woods zu sehen, hören und zu befragen, rüttelt an den Grundfesten unseres Berufsstandes."

Hauptziel "besserer Mensch"

Wirklich Erhellendes gab es aber ohnehin kaum zu berichten. Woods gestand seine Sextherapie seit Dezember ein, dementierte allerdings Drogengerüchte als "komplett falsch". Ebensowenig habe es bei den Woods "häusliche Gewalt" gegeben. Er werde auf jeden Fall auf den Golfplatz zurückkehren, wisse nur noch nicht wann. Woods Hauptziel scheint es aber zu sein, "ein besserer Mensch" zu werden, wie er unablässig betonte. Dies schulde er vor allem seiner Familie, ohnehin Hauptadressat seiner viertelstündigen Rede, an deren Ende er weinend seine Mutter umarmte. Seine Frau Elin Nordegren war offensichtlich nicht anwesend.

Der einst mit lukrativsten Werbeverträgen ausgestattete Multimillionär war seit einem dubiosen Autounfall am 27. November vor seinem Haus aus der Öffentlichkeit verschwunden. Nach dem Auftritt will er sich wieder in eine Therapie gegeben. Von dort aus wird er seine Performance wohl noch einige Male im TV bewundern können - und sich darüber ärgern, wie sie von Talkshowstars auseinder genommen wird.

ben/APN/AFP

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