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Frankreich-Rundfahrt Tour de France 2020: Alle Favoriten, deutschen Fahrer, TV-Zeiten und Etappensieger

Tour de France 2020: Lukas Pöstlberger lässt auf dem Rad aus Spaß die Muskeln spielen
Tour de France 2020: Noch sind die im Rennen verbliebenen Fahrer zum Scherzen aufgelegt. Spätestens in der zweiten Rennwoche dürften einigen das Lachen vergehen.
© Marco Bertorello / AFP
Die Tour de France hat dem Coronavirus getrotzt. Und sie ist so hart wie lange nicht. Ab Samstag jagen die besten Radprofis der Welt drei Wochen lang durch Frankreich. Alles über die Favoriten und die deutschen Fahrer, TV-Zeiten und Etappen erfahren Sie hier.

Wochenlang mussten die Radsportfans zittern. Doch das größte und wichtigste Radrennen der Welt hat Corona getrotzt. Die Tour de France 2020 findet – wenn auch mit spürbaren Einschränkungen – statt. Beim Grand Départ in Nizza fällt am Samstag für 176 Rennfahrer der Startschuss zur 107. Auflage der Großen Schleife. 21 Etappen stehen für die 22 Teams auf dem Programm, darunter nur ein Einzelzeitfahren. Am 20. September wird das Peloton auf der Champs-Élysées in Paris erwartet. 

Im folgenden Artikel stellen wir Ihnen alle Favoriten sowie die zwölf deutschen Rennfahrer vor, die sich auf den 3.484 Kilometer langen Weg nach Paris machen. Dazu erfahren Sie, wie Sie die Tour de France 2020 live mitverfolgen können und welche Etappen Sie auf keinen Fall verpassen sollten.

Tour de France 2020: Zwölf Deutsche und ihre Chancen

Zwölf deutsche Radprofis wurden für die Tour 2020 nominiert. Darunter die Neulinge Jonas Koch und Max Walscheid, aber auch alte Kempen wie Tony Martin und André Greipel, die es zusammen auf 20 Tourstarts bringen. Auf dem Papier hat Emanuel Buchmann die besten Karten, im Gesamtklassement vorn mitzumischen. Wäre da nicht der schwere Sturz beim Criterium Dauphiné, der den Vorjahresvierten wertvolle Trainingstage kostete. Ebenfalls von einem Sturz gebeutelt, aber auch mit dem eindrucksvollen Sieg bei der Fernfahrt Paris-Nizza im Gepäck, startet Maximilian Schachmann. Teamkollege Lennard Kämna gehört zu den heißesten Anwärtern auf das weiße Trikot des besten Nachwuchsfahrers. 

Emanuel Buchmann (Team Bora-hansgrohe)

26 Sekunden fehlten dem 27-Jährigen im vergangenen Jahr zum Podium. Und das hat Buchmann trotz des schlimmen Sturzes bei der Dauphiné nicht aus den Augen verloren. Es gebe aber ein paar Fragezeichen, räumte er in einem Interview ein. Zwei, die 2019 vor ihm lagen, sind dieses Mal nicht dabei. Geraint Thomas verzichtet zu Gunsten des Giro d'Italia, der Niederländer Steven Kruijswijk hatte bei seinem Dauphiné-Sturz weniger Glück. Er fällt mit einem Schulterbruch aus. Für Buchmann die große Chance, sich direkt mit Titelverteidiger Egan Bernal zu duellieren. Dafür muss der Ravensburger aber von Beginn an hellwach sein. Denn schon in der ersten Woche geht es bei den Bergankünften in Orcières-Merlette und auf dem Mont Aigoual richtig zur Sache. Gelingt es Buchmann, unbeschadet durch diese ersten Prüfungen zu kommen, sind die Chancen auf den ersten deutschen Podestplatz seit dem zweiten Platz von Andreas Klöden 2006 realistisch.

Maximilian Schachmann (Team Bora-hansgrohe)

Der Berliner ist neben dem jungen Lennard Kämna Buchmanns wichtigster Helfer. Der 26-Jährige gilt als Allrounder, der seinem Kapitän am Berg den Rücken freihalten kann. Dazu baut Bora-hansgrohe in Etappen mit Klassiker-Charakter auf die Sprintstärke des Deutschen Straßenmeisters von 2019. Doch auch Schachmann geht mit einem Handicap in die zweite Tour de France seiner Profikarriere. Er kollidierte bei der Lombardei-Rundfahrt mit dem Auto einer älteren Dame, die versehentlich auf die Strecke gefahren war. Dabei brach sich der Sieger von Paris-Nizza das Schlüsselbein. Von seinem Teamarzt gab es dennoch grünes Licht. Eine gute Nachricht – für Schachmann selbst, aber vor allem für Emanuel Buchmann, der seinen Edelhelfer vor allem auf den schweren Etappen im Zentralmassiv und in den Alpen brauchen wird.

Nils Politt (Team Israel Start-Up Nation)

Für den Kölner könnte das Profil der 107. Tour de France einen Tick zu heftig sein. Experten bezeichnen die 21 Etappen als die schwersten seit vielen Jahren. Dennoch dürfte Politt wieder so engagiert zu Werke gehen wie in den vergangenen Jahren und versuchen, das Trikot seines neuen Teams in möglichst vielen Fluchtgruppen zu präsentieren. Kommt er mit einigen Fahrern durch, hat Politt den Punch eines Klassikerfahrers. Für einen Etappensieg ist der 26-Jährige immer gut. Dazu soll Politt seinen erfahrenen Teamkollegen André Greipel bei Sprintankünften in eine aussichtsreiche Position bringen und dem Rostocker möglicherweise zum zwölften Tour-Etappensieg verhelfen.

Lennard Kämna (Team Bora-hansgrohe)

Der Norddeutsche fährt seit dieser Saison ebenfalls für das Team Bora-hansgrohe. Er gilt als eines der größten Talente im deutschen Straßenradsport. Schon bei seinem Tour-Debüt 2019 ließ der 23-Jährige im Trikot von Sunweb seine Klasse das eine oder andere Mal aufblitzen. Dieses Mal soll er Emanuel Buchmann vor allem in den Bergen unterstützen. Dass er dafür der richtige Mann ist, zeigte Kämna bei der Dauphiné-Rundfahrt. Dort gewann er die schwere Bergetappe nach Megeve. Ausgerechnet die, auf der sein Kapitän so schwer stürzte. Statt nach dem begehrten Maillot Jaune schielt das Toptalent nach dem weißen Trikot, dem Leibchen, das der beste der unter 25-jährigen Tourstarter nach Paris tragen darf.  

Tony Martin (Team Jumbo-Visma)

Tony Martin ist einer der erfolgreichsten Zeitfahrer, die die Tour de France in ihrer langen Geschichte gesehen hat. Und auch 2020, beim mittlerweile zwölften Tour-Start des Wahl-Schweizers, dürfte sein Augenmerk wieder dem Kampf gegen die Uhr gelten. Martin, vierfacher Weltmeister in dieser Disziplin, hat dieses Mal nur eine Chance: die 20. und vorletzte Etappe. Wobei die Streckenplaner der 107. Auflage der Tour kein Herz für die Einzelkämpfer hatten. Das Einzelzeitfahren über 36,2 Kilometer endet nach einer fast sechs Kilometer langen Kletterpartie auf dem 1.035 Meter hoch gelegenen La Planche des Belles Filles. Und noch etwas dürfte dem 35-Jährigen wichtig sein. 2019 war er nach einer Rangelei mit einem Konkurrenten von der Jury ausgeschlossen worden. In diesem Jahr will Martin wieder nach Paris.

Nikias Arndt (Team Sunweb)

Unter den zwölf deutschen Fahrern ist der Kölner fast schon ein alter Hase. Die Tour 2020 ist die zehnte dreiwöchige Rundfahrt seiner Karriere. Zum vierten Mal in Folge wurde der 29-Jährige ins Tour-Aufgebot berufen. Und Arndt ist einer der Leader von Sunweb, dem zweiten deutschen Team, das von der Organisation und Tourchef Christian Prudhomme eingeladen wurde. 2017 verpasste er bei seinem Tour-Debüt den ersten Etappensieg nur um wenige Meter. 2019 gewann der frühere Bahnradfahrer das achte Teilstück der Vuelta a Espana. Sunweb dürfte sich auf Etappensiege konzentrieren und versuchen, seine Fahrer in Fluchtgruppen zu platzieren. Die Chance für Arndt, sich den großen Traum vom Tour-Etappensieg zu erfüllen.

Neben diesen sechs Profis stellen sich sechs weitere Rennfahrer aus Deutschland der Tour de France 2020:

  • Simon Geschke (Team CCC)
  • John Degenkolb (Team Lotto Soudal)
  • André Greipel (Team Israel Start-Up Nation)
  • Roger Kluge (Team Loto-Soudal)
  • Jonas Koch (Team CCC)
  • Max Walscheid (Team NTT)

Tour de France 2020: Die Favoriten auf den Gesamtsieg

Seit 35 Jahren warten die Franzosen auf einen Nachfolger des legendären Bernard Hinault. Und auch diesem Jahr hat die Grande Nation wieder einige heiße Eisen im Feuer. Die Topfavoriten sind aber andere. Wobei Vorjahressieger Egan Bernal dieses Mal nicht auf die Hilfe von Ineos-Teamkollege Geraint Thomas bauen kann. Der ist ebenso wenig am Start wie Steven Kruijswijk. Der Vorjahresdritte brach sich vor ein paar Tagen die Schulter. 

Egan Bernal (Team Ineos)

Den Titelverteidiger aus Kolumbien sollte man in jedem Fall auf dem Zettel haben. Im Hochgebirge ist der Champion von 2019 einer der stärksten der Welt. Auch das einzige Zeitfahren mit der schweren Bergankunft könnte dem 23-jährigen liegen. Wer das Gelbe Trikot nach Paris tragen will, muss an Bernal vorbei.

Primož Roglič (Team Jumbo-Visma)

Der Slowene ist bei seinem dritten Tour-Start mehr als nur ein Geheimfavorit. Nach Platz drei beim Giro d'Italia gewann er 2019 die Spanien-Rundfahrt. Roglič ist reif für das Gelbe Trikot. In den Bergen wird der 30-Jährige das Ineos-Team herausfordern. Im Zeitfahren, dem vielleicht entscheidenden Baustein auf dem Weg zum Tour-Sieg, hat er deutliche Vorteile gegenüber Bernal. 

Erst am Donnerstag, zwei Tage vor dem Start, bestätigte die Tour-Organisation offiziell, dass Roglič das Rennen in Nizza aufnehmen wird. Wie Buchmann war der Slowene am 15. August auf einer rasanten Abfahrt der Dauphine-Rundfahrt zu Fall gekommen, hatte das Rennen beendet und die Chance auf den Gesamtsieg verworfen. Roglič hat bei der Tour zwei bärenstarke Helfer an seiner Seite. Der junge US-Amerikaner Sepp Kuss und der frühere Mountainbiker Wout van Aert aus Belgien werden ihren Kapitän nach Leibeskräften unterstützen. 

Nairo Quintana (Team Arkéa-Samsic)

Die Titel beim Giro und der Vuelta hat der Landsmann von Bernal schon im Portfolio. Nun will Quintana es auch bei der Tour de France wissen. Drei Mal stand er schon auf dem Podium – die Krönung steht noch aus. Nach Platz acht im Vorjahr soll endlich der Sieg her. Im Frühjahr glänzte der 30-Jährige unter anderem bei Paris-Nizza und der Tour de la Provence.  

Thibaut Pinot (Groupama-FDJ)

Der Mann, den die Franzosen im vergangenen Jahr ins Herz schlossen. Und eine ganze Nation litt mit ihm, als er auf der chaotischen 19. Etappe muskuläre Probleme bekam und unter Tränen vom Rad ab- und ins Teamfahrzeug einstieg. Doch der Allrounder ist zurück und erneut ruhen die Hoffnungen der Gastgeber auf dem 30-Jährigen aus dem Burgund. 

Adam Yates (Team Mitchelton-Scott)

Der Brite fährt ein wenig unter dem Radar. Und genau das könnte die Chance des Kletterspezialisten vom Team Mitchelton-Scott sein. Als Vierter rollte er 2016 auf der Champs-Élysées in Paris ein. Bei seinem fünften Start darf es gern noch etwas mehr sein. Sollte die Konkurrenz Schwächen zeigen, ist der 28-Jährige ein heißer Anwärter – mindestens für einen Podiumsplatz.

Tour de France im TV: So können Sie live dabei sein

Nach Jahren des Boykotts hat sich die Tour de France wieder im frei empfangbaren Programm etabliert. Auch 2020 begleitet sowohl "Das Erste" als auch Spartensender Eurosport das Peloton vom Start bis zum Finale in Paris live. Auf dem Spartenkanal One zeigt die ARD an Wochentagen die Etappen von kurz nach dem Start bis zum Beginn der Übertragung im Hauptprogramm. Hier steigt der Sender wochentags um 16.05 Uhr ein und bleibt bis 17.30 Uhr auf Sendung. An den Wochenenden je nach Etappe sogar noch etwas länger. Eurosport überträgt parallel und ebenfalls kostenlos. Für alle die unterwegs sind, bietet die ARD das wichtigste Radrennen der Welt als Livestream auf "sportschau.de" an.

Tour de France 2020: Die 21 Etappen im Überblick

Etappe

Datum

Start-Ziel

Distanz

Sieger

1

29.08.

Nizza-Nizza

156 km

Kristoff (NOR)

2

30.08.

Nizza-Nizza

187 km

Alaphilippe (FRA)

3

31.08.

Nizza-Sisteron

198 km

Ewen (AUS)

4

01.09.

Sisteron-Orcières

157 km

Roglič (SLO)

5

02.09.

Gap-Privas

183 km

Van Aert (BEL)

6

03.09.

Le Teil-Mont Aigoual

191 km

Lutsenko (KAS)

7

04.09.

Millau-Lavaur

168 km

Van Aert (BEL)

8

05.09.

Cazères-Loudenvielle

140 km

Peters (FRA)

9

06.09.

Pau-Laruns

154 km

Pogacar (SLO)

07.09.

Ruhetag

10

08.09.

Île d’Oléron-Île de Ré

170 km

Bennett (IRL)

11

09.09.

Châtelaillon-Plage-Poitiers

167 km

Ewen (AUS)

12

10.09.

Chauvigny-Sarran

218 km

Hirschi (SUI)

13

11.09.

Châtel-Guyon-Puy Mary

191 km

14

12.09.

Clermont-Ferrand-Lyon

197 km

15

13.09.

Lyon-Grand Colombier

175 km

14.09.

Ruhetag

16

15.09.

La Tour-du-Pin-

Villard-de-Lans

164 km

17

16.09.

Grenoble-Méribel

168 km

18

17.09.

Méribel-La Roche-sur-Foron

168 km

19

18.09.

Bourg-en-Bresse-Champagnole

160 km

20

19.09.

Lure-Planche des Belles Filles

36,2 km

21

20.09.

Mantes-la-Jolie-Paris

122 km

Insgesamt stehen für die 176 Fahrer 3.484 Kilometer auf dem Programm. Die Entscheidung um den Toursieg dürfte auf den acht Gebirgsetappen fallen, von denen vier als Bergankunft konzipiert wurden. Die Tour 2020 bleibt komplett auf französischem Boden und führt durch sechs Regionen und 32 Départments.

Quellen: "letour.fr"; "radsport-rennrad.de"

js mit DPA

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