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Tour de France: Carlos Sastre König von L'Alpe d'Huez

Carlos Sastre hat am Mittwoch die mit Spannung erwartete Königsetappe der Tour de France gewonnen und sich das Gelbe Trikot gesichert. Für den Gesamtsieg kommt der Spanier aber wohl dennoch nicht in Frage. Topfavorit bleibt ein Australier.

Der 33 Jahre alte Radprofi aus Spanien sicherte sich nach 210,5 Kilometern den Tagessieg im Alleingang und verdrängte seinen Team-Kollegen Frank Schleck (+ 1:24 Minuten) von der Spitze des Tableaus. Topfavorit Cadel Evans, der auf Sastre 2:15 Minuten verlor, setzt jetzt alle Hoffnungen auf das Zeitfahren über 53 Kilometer am Samstag in Cérilly. Der Österreicher Bernhard Kohl vom Team Gerolsteiner, der die Konkurrenz bei den Kletterpartien bisher in Atem gehalten hatte, rutschte im Gesamtklassement vom zweiten auf den dritten Platz mit 1:33 Minuten Rückstand auf Sastre. Evans liegt jetzt eine weitere Sekunde zurück auf Rang vier.

Im wahrscheinlich alles entscheidenden Kampf gegen die Uhr in Cérilly gilt der starke Zeitfahrer Evans als klarer Favorit. Seinen Haupt-Konkurrenten wird in dieser Disziplin nicht so viel zugetraut, zudem verloren sie alle beim ersten Zeitfahren in Cholet wertvollen Boden auf den früheren Mountainbike-Weltmeister. Hunderttausende Zuschauer am Schlussanstieg sorgten am Mittwoch auf der 17. Etappe wie immer in L’Alpe d’Huez für Volksfeststimmung.

In den 21 Kehren hoch in den Skiort entschied sich das Rennen - aber noch nicht die 95. Tour de France. CSC-Saxo hatte mit Sastre und Frank Schleck, 2006 Sieger in L’Alpe d’Huez, zwei Asse im Poker um Gelb. Sie riskierten alles, um entscheidenden Vorsprung auf Evans herauszufahren. Sastre attackierte gleich zu Beginn des 13,8 Kilometer langen Anstiegs, kam weg und sicherte sich im Alleingang den spektakulären Erfolg auf dem mythischen Alpen-Riesen. Evans, unerreichter Verfolger-Spezialist, klebte wie eine Klette an Kohl und Frank Schleck und hielt seinen Rückstand in für ihn erträglichen Grenzen.

Vor dem Start der Königsetappe hatte CSC-Saxo-Chef Bjarne Riis seine Hochrechnung für den Toursieg preisgegeben. "Wir brauchen für das Zeitfahren am Samstag mindestens drei Minuten Vorsprung auf die starken Zeitfahrer Evans oder Mentschow", hatte der Toursieger von 1996 erklärt. Nach dieser Kalkulation bestehen also geringe Hoffnungen für Schleck oder Sastre auf das Gelbe Trikot am kommenden Sonntag. Allerdings hatte Evans eingeschränkt: "Nach drei Wochen Tour weiß man nie, wie viel Kräfte für ein Zeitfahren noch vorhanden sind. Da fallen Vorhersagen schwer."

Kohl war schon auf dem ersten der drei legendären Anstiege sehr aktiv, um sich die Punkte für sein Berg-Trikot zu sichern. Der Österreicher parierte kurz vor dem Gipfel des Galibier eine Attacke Thomas Voecklers, des härtesten Konkurrenten in diesem Klassement. Bei diesem erfolgreichen Kurz-Ausflug war Kohl sogar virtueller Tour- Leader, weil die Spitzenfahrer um Schleck und Evans ihm nicht gefolgt waren. Er ließ sich dann aber wieder zurückfallen und nahm an der Seite der Favoriten des Gesamtklassements den nächsten Anstieg in Angriff.

Vor dieser Episode hatte sich sein Team-Kollege Stefan Schumacher mit weiteren drei Fahrern abgesetzt und eine einsame Spitze gebildet. Schon am Vortag war der WM-Dritte aus Nürtingen lange alleine unterwegs und hatte als Tages-Achter in Jausiers den Preis für den aktivsten Fahrer kassiert.

Am zweiten Anstieg, dem Croix-de-Fer, war das Quartett auf ein Duo mit Schumacher und Peter Velits vom Team Milram geschrumpft. Sechs Kilometer vor dem Gipfel ließ Schumacher den U23-Weltmeister aus der Slowakei ziehen. Zu Beginn des Schlussanstiegs nach L’Alpe d’Huez wurde Velits, der Begleitung durch Jérome Pineau erhalten hatte, von den Verfolgern knapp 13 Kilometer vor dem Ziel eingeholt.

DPA/kbe

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