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Tour de France Andy Schleck siegt mit einem weinenden Auge


Er fuhr vor Alberto Contador über die Ziellinie auf dem Tourmalet, doch im Gesamtklassement hat Andy Schleck weiterhin das Nachsehen. Die Regenfahrt war damit wohl schon die Vorentscheidung für den Toursieg.

Im dichten Nebel auf dem Tourmalet hat Alberto Contadors dritter Toursieg klare Formen angenommen. Der 27 Jahre alte Spanier musste im Showdown auf der "Königsetappe" in den Pyrenäen seinem Herausforderer Andy Schleck zwar den Tagessieg mit Zentimeter-Vorsprung überlassen, verteidigte aber sein Gelbes Trikot. Auf 2115 Meter Höhe fuhr Contador am Donnerstag als Etappen-Zweiter nach 174 Kilometern zeitgleich mit dem traurigen Tagessieger Schleck über die Ziellinie. Die letzten Tritte im Finale ließ Contador aus und ebnete Schleck wenigstens den Weg zum Tagessieg.

Dank des Einzelzeitfahrens am Samstag, bei dem Schleck kaum Chancen eingeräumt werden, spricht nun alles für Contador. Der Kampf gegen die Uhr ist der große Trumpf des Vorjahressiegers, die 52 Kilometer am Samstag von Bordeaux nach Pauillac sind eindeutig das Terrain des spanischen Radprofis. Hinter Fabian Cancellara und Tony Martin ist er sogar ein Kandidat für den Etappensieg.

Angriff im Nebel

Eine kontroverse Attacke auf der 17. Etappe hatte Carlos Sastre lanciert, nachdem sein Landsmann Samuel Sanchez gestürzt war. Contador versuchte, Sastre zu bremsen und redete auf ihn ein. Aber der Toursieger von 2008 wollte von Solidarität nichts wissen und ließ sich nicht in die Parade fahren. Er löste sich aus dem Peloton, um sich auf die Verfolgung einer siebenköpfigen Spitzengruppe um Marcus Burghardt zu machen. Die Position zwischen Hauptfeld und Spitzengruppe wurde dem Spanier nach langer Solofahrt aber zum Verhängnis. Er wurde 24 Kilometer vor dem Gipfel vom Feld gestellt.

"Die Tour ist noch nicht beendet, aber das heutige Ergebnis war sehr wichtig für mich. Ich werde am Samstag gute Arbeit abliefern", versprach Contador, der noch immer auf seinen ersten diesjährigen Etappensieg wartet. "Das war heute meine große Chance und ich habe alles gegeben. Ich habe ihn nicht abschütteln können. Man weiß nie, was am Samstag passieren kann, aber normalerweise..." Schleck tröstete sich derweil mit seinem zweiten Etappensieg. "Ich hatte genug Chancen bei der Tour, einen Zeitunterschied zu Contador zu machen", erklärte er. "Er ist ein großer Champion und die ersten beiden Plätze auf dem Podium sind jetzt klar."

Arm in Arm hinter der Ziellinie

Nachdem Contador und Schleck einen Großteil des Tages einträchtig nebeneinander im Schutz des Feldes fuhren, zündeten die beiden besten Kletterer zehn Kilometer unter dem Gipfel des Col du Tourmalet den Turbo. Schleck startete die Initiative, Contador verharrte im Nebel und gleißendem Scheinwerferlicht der Begleitmotorräder am Hinterrad seines Herausforderers. 3,6 Kilometer vor dem Ziel versuchte er wegzuspringen, Schleck parierte die Attacke aber und feierte seinen zweiten Etappensieg nach dem Erfolg von Avoriaz.

Im Ziel umarmten sich die beiden Tour-Helden vom Tourmalet, und Contador zwinkerte Schleck freudestrahlend und etwas gönnerhaft zu. Der Luxemburger senkte den Kopf und schien sich seine Niederlage einzugestehen. Zum 100. Jubiläum der ersten Pyrenäen-Überquerung der Tour de France wurden seine Hoffnungen auf den großen Coup nicht erfüllt. Der 25-jährige Schleck hätte der vierte Gesamtsieger der "Großen Schleife" aus Luxemburg werden können, der erste seit Charly Gaul im Jahr 1958.

Armstrong freut sich auf den Ruhestand

Nach den Hitzeschlachten der vergangenen Wochen hatten herbstliche Temperaturen auch den prominentesten Gast nicht von einem Besuch des Tourmalet abgehalten, der erst zum zweiten Mal in der 107-jährigen Geschichte Zielort war. Sarkozy begleitete die 17. Etappe und lobte besonders den erneut abgeschlagenen Armstrong für dessen Kampfgeist auf dem 16. Teilstück nach Pau. Der siebenfache Toursieger freut sich auf Paris. "Dann beginnt mein Privatleben", sagte Armstrong auf dem Tourmalet.

DPA/SID/swd DPA

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