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Tour de France: Comeback des Sprint-Opas

Nach einem Jahr Pause kehrte Erik Zabel in bester Verfassung zur Tour de France zurück - und wurde Dritter. Aus deutscher Sicht sorgte Fabian Wegmann für eine weitere Überraschung

Nur knapp verpasste Erik Zabel einen Sieg bei der Tour de France. Der Sprinter, der mit seinem neuen Team Milram gestartet war, musste sich während der ersten Tour-Etappe dem Franzosen Jimmy Casper geschlagen geben.

Der Franzose verwies im Massensprint in Straßburg den Australier Robbie McEwen und Erik Zabel auf die Plätze. Der Milram-Kapitän überzeugte bei seinem Comeback nach der Zwangspause im Vorjahr bei seinem 12. Tour-Auftritt und machte Hoffnungen für die kommenden Tage. Das Gelbe Trikot von Hushovd, der 50 Meter vor der Zieldurchfahrt von einem jubelnden Zuschauer verletzt wurde, ging an den ehemaligen "Armstrong-Leutnant" George Hincapie dank der Zeitgutschriften aus dem letzten Zwischensprint vor dem Ziel. Hushovd blutete stark aus einer Oberarmwunde, kann aber an diesem Montag nach Auskunft der Ärzte wieder an den Start gehen.

Zabel zufrieden mit seinem jungen Team

Erik Zabel, der im vergangenen Jahr nicht für das T-Mobile-Team im Touraufgebot war, zeigte sich nach der ersten Sprintetappe der Tour de France zufrieden. "Nach einjähriger Abstinenz war das ein sehr, sehr heißer Sprint. Wir sind mit einem jungen Team am Start. Drei der Fahrer sind zum ersten Mal bei der Tour de France dabei. Mit Marco Velo und Fabio Sacchi habe ich aber auch zwei sehr erfahrene Sprinthelfer. Im Feld der Supersprinter haben wir uns heute sehr gut geschlagen", erklärte Erik Zabel und gab zu: "Ich bin mit 35 Jahren natürlich auch nicht mehr der Allerschnellste."

Die Perspektiven Gerolsteiner-Teams, der zweiten deutschen Tourmannschaft neben T-Mobile sind nach dem Ausschluss von Jan Ullrich vielversprechend. Fabian Wegmann holte sich auf der 1. Etappe, die 33 Kilometer durch Baden führte, das Bergtrikot, das er auch im Vorjahr einen Tag tragen durfte. Am Vortag war Sebastian Lang in Straßburg als bester der 14 deutschen Tourstarter auf Rang vier gefahren.

Neben Lang und Wegmann, für den die Tour mit einem Sturz im Prolog nicht optimal begonnen hatte, setzte auch Debütant Markus Fothen Akzente. Der gelernte Landwirt aus Kaarst hat in der Nachwuchs-Wertung das Weiße Trikot im Visier. Team-Kapitän Levi Leipheimer (USA), Gewinner der Tour-Generalprobe Dauphiné Libéré, kann nach der Suspendierung der Topfahrer Ullrich, Ivan Basso und Francisco Mancebo im Verlauf des Doping-Skandals von mehr als nur einem Podiumsplatz träumen.

Fußballfieber bremst Radsportfreude

Nach Dopingskandal und fehlenden Stars hat das Zuschauerinteresse der deutschen Radsport-Fans allerdings deutlich nachgelassen. Nachdem die Tourausflüge auf deutsches Terrain immer ein großes Spektakel mit unzähligen Zuschauern waren, ließ das Interesse auf den 33 Kilometern in diesem Jahr zu wünschen übrig: Trotz herrlichen Sommerwetters und WM- freien Sonntags hatten auf dem deutschen Streckenabschnitt nur wenige Radfreunde Interesse an der Tour de France in ihren Gemeinden gefunden.

Nach Angaben der Polizei warteten kurz vor Eintreffen der Fahrer nur einige Fans am Straßenrand. "Im Vergleich zur Etappe im vergangenen Jahr ist ganz wenig los", sagte ein Polizeisprecher am Sonntagnachmittag. Der Tross der Zweiräder sollte von Straßburg kommend durch Offenburg und Kehl ziehen. Die Verantwortlichen hatten bis zu 40 000 Fans erwartet.

Nächste Chance für Zabel

Am Montag wartet die längste Touretappe auf die 176 Rennfahrer: Die Strecke von Obernai nach Esch-sur- Alzette ist 228,5 Kilometer lang. Die wellige Strecke durch die Departements Bas-Rhin und Moselle ist gespickt mit fünf Bergwertungen, zwei der dritten und drei der vierten Kategorie, und bietet daher auf dem Papier ein gutes Terrain für Ausreißer.

Trotzdem wird es auf der 1200 Meter langen Zielgerade in Luxemburg wohl zu einem Massensprint kommen. Der Träger des Grünen Trikots möchte seinen Punktevorsprung weiter ausbauen. Als Favoriten auf den Tagessieg dürften Weltmeister Tom Boonen (Belgien/Quick Step) und Robbie McEwen (Australien/Davitamon) gelten. Vielleicht kommt der hügelige Kurs aber auch Erik Zabel vom Team Milram entgegen. Durch die Zeitbonifikationen bei den drei Zwischensprints und im Finale gibt es zudem einen engen Kampf um das Gelbe Trikot.

DPA

aja mit DPA

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