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Tour de France: Deutscher Triumph durch André Greipel

Vor der zehnten Etappe hatte noch der erste Dopingfall der 98. Tour de France die Schlagzeilen beherrscht, nach dem Rennen André Geipel. Der Rostocker gewann als erster Deutscher seit zwei Jahren eine Etappe.

Zwei Tage vor dem Anstieg in die Pyrenäen hat bei der Tour de France die große Stunde des André Greipel geschlagen. Dem Mann aus Rostock, Sprinter vom belgischen Omega-Team, glückte quasi ein Doppelsieg: Zum ersten Mal in seiner Karriere sicherte sich der 28-Jährige einen Tour-Etappenerfolg. Außerdem verwies er auf der 10. Etappe seinen Rivalen Mark Cavendish vom Team HTC Highroad in einem packenden Kopf-an-Kopf-Rennen auf den zweiten Platz und feierte damit einen ganz persönlichen Erfolg.

"Ich bin heute der glücklichste Mensch auf der Welt", jubelte Greipel. HTC-Teamchef Rolf Aldag sagte: "Es war mit Sicherheit ein verdienter Sieg für Greipel. Das war phänomenal, das war zum Nägel kauen." Cavendishs Mentor Erik Zabel erklärte: "André hat das souverän gemacht. Es war ein tolles Duell." Den letzten Etappensieg eines deutschen Radprofis bei der Tour de France hatte 2009 Heinrich Haussler gefeiert, inzwischen australischer Staatsbürger.

Der Franzose Thomas Voeckler verteidigte im Ziel der 10. Etappe in Carmaux nach 158 Kilometern sein Gelbes Trikot ohne Mühe. Die Topfahrer Alberto Contador, die Schleck-Brüder und Cadel Evans hatten sich im Finale zurückgehalten. Einem kleinen Härtetest unterzog sich Tony Martin, der mit einer hochkarätig besetzten Ausreißergruppe auf den letzten 15 Kilometern unterwegs war. 6500 Meter vor dem Ziel war der Ausflug für vier Fahrer aber beendet. Nur der Belgier Philippe Gilbert versuchte es auf eigene Faust weiter, scheiterte aber schließlich auch. Martin behauptete seinen sechsten Platz in der Gesamtwertung.

Erste Doping-Schatten

Der Medikamentenmissbrauch des russischen Radprofis Alexander Kolobnew hatte zuvor für die ersten großenS Doping-Schatten über der 98. Tour de France gesorgt. Der zweimalige Vizeweltmeister der Mannschaft Katusha war am 6. Juli positiv auf das - oft zur Verschleierung von Dopingmitteln benutzte - Präparat Hydrochlorothiazid (HCT) getestet worden. Das teilte der Weltverband UCI am Montagabend mit. Spezialeinheiten der französischen Polizei durchsuchten am Abend das Mannschaftshotel in Vézac.

Der Fahrer habe sich am späten Abend selbst bei der Polizei gemeldet und seinen Ausstieg aus der Tour beschlossen, teilte das Team mit. Im April waren fünf Katusha-Fahrer - unter ihnen Kolobnew - von der italienischen Polizei vernommen worden. Sie standen im Verdacht, mit dem Mediziner Michele Ferrari, der wegen Doping-Vergehen in Italien nicht mehr praktizieren darf, zusammengearbeitet zu haben. Eine interne Team-Regelung sieht vor, dass gedopte Fahrer fünf Monatsgehälter Strafe an den Rennstall zahlen müssen.

Die UCI hatte den Russen nicht suspendiert, weil das harntreibende Mittel HCT nicht auf der Dopingliste des Weltverbandes steht. Ein ähnliches Präparat um ein nachgewiesenes Stimulanzmittel hatte 2010 zu einer Sperre des belgischen Bahnfahrers Iljo Keisse geführt. "Dieses Mittel sieht nicht eine automatische Suspendierung vor. Wir hoffen, dass sein Team die entsprechenden Schritte einleitet", sagte UCI-Sprecher Enrico Carpani. Kolobnew lag nach der 9. Etappe auf dem 69. Rang des Gesamtklassements.

ben/mad/DPA / DPA

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