Tour de France Fahrer wissen von Doping-Tests


Kritik an Doping-Tests bei der Tour: Die Fahrer werden angeblich am Telefon vor Kontrollen gewarnt. Unterdessen hat sich das Methadon-Doping des belgischen Fahrers Christophe Brandt bestätigt.

Der sportliche Leiter des in der Einzel- Wertung führenden Franzosen Thomas Voeckler hat die Doping-Kontrollen bei der Tour de France kritisiert. "Es muss aufhören, dass die Fahrer am Telefon vorgewarnt werden: Macht euch bereit, ihr werdet im Hotel kontrolliert", sagte Brioches-Teamchef Jean-René Bernaudeau und zielte damit auf die Blut-Tests bei den Rad-Profis ab.

Methadon-Doping von Brandt bestätigt

Bei der 91. Frankreich-Rundfahrt gab es bisher drei solcher Kontrollen. In der ersten Woche waren 42 Fahrer ohne Befund kontrolliert worden. Bei der dritten Überprüfung am Dienstag traf es 33 Profis, darunter auch den fünffachen Sieger Lance Armstrong (USA). Auch hier gab es keine Beanstandungen. Wegen Dopings mit Methadon war am Samstag der Belgier Christophe Brandt vom Lotto-Team von der Frankreich-Rundfahrt ausgeschlossen worden. Dies ist nun durch die B-Probe bestätigt worden.

Der Kölner Doping-Experte Wilhelm Schänzer hält den Großteil der Sportler bei der Tour trotzdem für dopingfrei an. "Eine hundertprozentige Sauberkeit wird es nie geben. Aber der Prozentsatz gedopter Fahrer ist relativ gering. Etwa bei ein bis zwei Prozent", sagte Schänzer der Münchner Abendzeitung. Als Grundlage für seine Prognose nimmt Schänzer, dass weltweit "im Sport nur 1,5 Prozent aller Dopingkontrollen positiv" sind.

Die wiederholten Doping-Anschuldigungen gegen den fünfmaligen Tour-Sieger Armstrong hält Schänzer für Spekulationen: "Wir denken schon darüber nach, welche Möglichkeiten Armstrong gehabt hätte. Bisher ist er mit den bestehenden Methoden aber nicht auffällig geworden", äußerte sich der Doping-Fahnder.

Dagegen fordert der belgische Dopingfahnder Hans Cooman, 43, härtere Kontrollen im Radsport. "Wir hinken der Dopingindustrie immer ein bisschen hinterher, diese Lücke darf nicht zu groß werden", warnt Cooman in der ZEIT. Dopingfahnder würden Radprofis bisher weder auf Erythropoietin (Epo), ein Hormon, das die Bildung von roten Blutkörperchen anregt, noch auf Wachstumshormone kontrollieren.

Cooman: "In Belgien können wir jetzt durch eine Gesetzesänderung sogar Blutproben während des Trainings nehmen. Das ist ein wichtiger Schritt." Es gehe auch darum, die Gesundheit der Fahrer zu schützen. "Es dauert gerade mal fünf Minuten, um das Zeug über das Internet zu bestellen", sagt der Dopingfahnder. Einige Profi-Radsportler wüssten besser Bescheid über leistungssteigernde Substanzen als so mancher Apotheker.

stern-Umfrage: Doping im Radsport

Über ein Viertel der Deutschen glauben, dass die meisten Spitzenfahrer bei der Tour de France gedopt sind - so das Ergebnis einer Forsa-Umfrage im Auftrag des stern. 9 Prozent sind der Meinung, dass alle bzw. so gut wie alle Spitzenfahrer unerlaubte leistungsfördernde Mittel nehmen. 18 Prozent unterstellen das den meisten Fahrern. 43 Prozent der Befragten glauben dagegen, dass nur wenige Spitzenfahrer der Tour de France gedopt sind. Dass kein Fahrer unerlaubt dopt, glauben 20 Prozent.

DPA

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