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Ullrich bei Beckmann: "Herrlich, wie man Leute manipulieren kann"

Es sollte der triumphale Schlussakt des Jan-Ullrich-Tages werden, es wurde nur ein peinlicher Offenbarungseid eines schlecht beratenen Prominenten: der Auftritt des ehemaligen Radprofis in der ARD-Talk-Sendung "Beckmann".

Von Nico Stankewitz

Nach der Blamage bei seiner Pressekonferenz wollte sich Jan Ullrich "stellen", 75 Minuten lang bei Beckmann. Doch wer noch die leise Hoffnung auf ein klares Wort oder wenigstens einen kleinen Anflug von Selbstkritik gehegt hatte, wurde erneut bitter enttäuscht.

Offenbar ganz schlecht beraten und vorbereitet stellte Ullrich sich den - vereinzelt sogar recht kritischen - Fragen von Gefälligkeits-Talker Reinhold Beckmann. Um nur alles abzuleugnen, ist die Indizienlage im "Fall Ullrich" schon viel zu weit fortgeschritten, ohne Antworten - und ohne jede rhetorische Gewandtheit - konnte dieser Auftritt nur zum Debakel für den ehemaligen Topfahrer werden.

Da saß doch Christoph Daum?

Nur einer aus der Welt des Sports hat im vergangenen Jahrzehnt einen ähnlich schwachen und sinnlosen TV-Auftritt hingelegt: Der Fußball-Trainer Christoph Daum beantwortete alle Fragen nach der Kokain-Affäre konsequent (nicht) mit dem Hinweis auf seine Anwälte, ähnlich die Strategie von Jan Ullrich zur späten Stunde in der ARD. Fehlte nur noch die Haarprobe und vielleicht Rudy Pevenage in der Rolle von Reiner Calmund.

Apropos Haarprobe: An der fehlenden Beflissenheit von Reinhold Beckman lag es nicht, dass in dieser Sendung keine lückenlose Aufklärung des Doping-Falles zustande kam. Als Ullrich unschuldig anmerkte, er "hätte gar nicht gewusst, wo er eine DNA-Probe abgeben könne", meldete Beckmann: "Die hätte ich dann schon weitergeleitet."

A Million Light Years From Home

Nach einem nicht sehr originellen, aber sachlich richtigen Filmeinspieler grinste Ullrich: "Herrlich, wie man Leute manipulieren kann." Von seiner Galaxis aus gibt es zwischen Fakten und Manipulationen offenbar keinen Unterschied. Zwischen den "Antworten" immer wieder ein hysterisches Auflachen, das unwillkürlich an den Ecstasy-Vorfall von 2002 denken ließ.

Mit zitternder Unterlippe wurde weiter laviert: Auf die Frage, was er von dem Zitat halte, das der Direktor der Tour die France die einzige ungedopte Figur im Feld sei, antwortete Ullrich nur: "Das würde ich auch gerne wissen." An anderer Stelle hatte er noch seine Insider-Kenntnisse im Peloton hervorgehoben. Journalistischer als gewohnt immerhin die ARD, die mit einem deutlichen Bericht des zugeschalteten Experten Hajo Seppelt für eine gewisse Ausgewogenheit sorgte.

Der Name Jan Ullrich wird nie mehr den Klang haben

Der ehemalige Superstar rettete sich in die belanglosen letzten 20 Minuten, die er gemeinsam mit Frau Sara bestreiten durfte. Und so plätscherte der Ullrich-Tag aus, eine vertane Chance für Ehrlichkeit im Sport, aber zu allererst eine grandiose Selbst-Demontage eines der großen deutschen Sportstars. Der Name Jan Ullrich wird nie mehr den Klang haben, der ihn von 1996 bis 2006 umwehte, und wenn man ihm an diesem Tag so zugesehen hat, dann wird man das Gefühl nicht los, das hier ein dummer Junge ganz schlecht beraten wurde - symptomatisch für die Karriere des ersten deutschen Toursiegers.

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