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Ullrich vor Showdown in L'Alpe d'Huez: "Das war nicht mein letztes Wort"

Mit seiner mutigen, wenn auch erfolglosen Attacke bei der ersten Alpenetappe hat sich Jan Ullrich zurückgemeldet. Auch in L'Alpe d'Huez will er den Kritikern beweisen, wie gut er noch in die Pedalen treten kann.

Jan Ullrich war tief getroffen. Zwei schwache Tage in den Pyrenäen hatten gereicht, ihn vielerorts in Frage zu stellen. Die französische Sportzeitung "L’Equipe" spekulierte sogar vom "Ende der Ära Ullrich". Mit einer beherzten Attacke auf der ersten Etappe in den Alpen wollte Ullrich die erneut laut werdende Kritik an seiner Vorbereitung und die sogar aufkommende Diskussion um die Kapitänsrolle im T-Mobile-Team beenden. Es ist ihm nur teilweise gelungen. Immerhin versprach er vor dem Showdown in L'Alpe d'Huez weiteres Aufbegehren, auch wenn sein Sprachrohr und Betreuer Rudy Pevenage ganz realistisch hoch rechnete: "Das Beste, was er noch schaffen kann, ist Platz zwei in Paris."

"Ich bin zufrieden"

Der Olympiasieger, weit entfernt vom verbissenen Ehrgeiz á la Armstrong, war am Dienstag an der schwersten von sieben Steigungen aufgewacht und aus dem Sattel gegangen. Unter dem Strich brachte ihm die Attacke nicht den erhofften Etappensieg, aber wenigstens im Gesamtklassement eine Verbesserung auf Platz fünf - und jede Menge Balsam für die wunde Seele. «Ich habe Grund, zufrieden zu sein, und habe bewiesen, dass in den letzten Tourtagen noch mit mir zu rechnen ist. Das war nicht mein letztes Wort», prophezeite Ullrich nach seinem dritten Platz in Villard de Lens.

Dort hatte sich der Toursieger von 1997 im Endspurt trotz Andreas Klöden an seiner Seite mit dem dritten Platz hinter Armstrong und Ivan Basso (Italien) zufrieden geben müssen. Vieles spricht dafür, dass in dieser Reihenfolge am Sonntag auch das Podium in Paris bestiegen werden wird. Am Mittwoch sickerte durch, was Team-Manager Walter Godefroot und Teamarzt Lothar Heinrich auf Nachfrage vor zwei Wochen noch ausdrücklich abgestritten hatten: Die Erkältung zu Tour- Beginn hatte Ullrich offensichtlich mehr zugesetzt, als zugegeben und sogar die Gabe von Antibiotika nötig gemacht. «Jetzt ist alles überstanden», sagte er am Mittwoch.

Die größten Hoffnungen setzt Ullrich, der in den Alpen weiter attackieren will, um Armstrong zu erschüttern («Man muss alles probieren») auf das Zeitfahren am vorletzten Tag in Besancon. Das schwere Profil ähnelt dem des Zeitfahrens im vorigen Jahr in Cap Decouverte, das er deutlich gegen Armstrong gewann. «Die Strecke müsste ihm liegen», sagte Pevenage. Der Belgier war den 55 km- Parcours mit Ullrich vor der Tour abgefahren.

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