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Verhandlungen: Übernahmeschlacht um Jan Ullrich

Die Frage, für wen Jan Ullrich nächste Saison in die Pedalen treten wird, entwickelt sich zum Pokerspiel. Gestern bestätigte Team Telekom ein Angebot, sein bisheriger Rennstall Bianchi kündigte heute Fusionsverhandlungen mit dem Konkurrenten Saeco an. Einer wird gewinnen...

Die Frage, wo Jan Ullrich in Zukunft seine Radkreise ziehen wird, wird immer mehr zum Pokerspiel. Gestern hatte Team Telekom offiziell ein Angebot für den Olympiasieger bestätigt. Die Reaktion seines bisherigen Rennstalls Bianchi ließ nicht lange auf sich warten. Es seien Fusionsverhandlungen mit dem italienischen Rennstall Saeco aufgenommen worden, um so die geforderten finanziellen und sportlichen Voraussetzungen für eine erfolgreiche Saison für Jan Ullrich zu schaffen. So Ullrichs persönlicher Betreuer Rudy Pevenage, der am Donnerstag entsprechende Verhandlungen der beiden Rennställe bestätigte.

Fusion "eine realistische Variante"

"Es gab zwar Verhandlungen mit mehreren Teams und Sponsoren in den letzten Wochen, aber eine Teamfusion von Saeco und Bianchi ist eine realistische Variante", sagte der belgische Bianchi-Teamchef. Die Spekulationen um eine mögliche Rückkehr von Ullrich zum Team Telekom scheinen damit vorerst einen Dämpfer erhalten zu haben.

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Telekom will weiter um Ullrich kämpfen

Telekom-Teamchef Walter Godefroot sieht hingegen in einer möglichen Fusion noch keine Vorentscheidung im Rennen um Ullrich. "Alles, was sich da in Italien tut, ist noch Spekulation. Wir bemühen uns weiter intensiv um Jan", sagte der Belgier der dpa. "Wir haben ihm ein Angebot gemacht, andere machen ihre Angebote. Die Entscheidung liegt allein bei Jan", erklärte er. Der Sportliche Leiter des Telekom-Teams, Mario Kummer, erklärte hingegen, dass es kein Geheimnis ist, dass Ullrich gern bei Bianchi bleiben will, wenn sich dort entsprechende Rahmenbedingungen ergeben.

"Ich will ein starkes Team haben"

In einem Saeco-Binachi-Team würde der Tour-de-France-Sieger von 1997 zusammen mit dem zweifachen Giro d’Italia-Gewinner Gilberto Simoni und dem italienischen Radstar Danilo di Luca starten. Mit diesen Teamkollegen könnte Ullrich seine Ziele für die nächste Saison realisieren. "Ich will 2004 ein starkes Team haben, mit dem ich die Tour gewinnen kann", sagte der Wahl-Schweizer auf der Radsport-Messe in Mailand. Dort hatten die Team-Finanziers von Bianchi und Saeco über ein mögliches Zusammengehen verhandelt, bestätigte Ullrichs Manager Wolfgang Strohband am Donnerstag. Für den Küchenmaschinen-Produzenten Saeco wäre Ullrich als Aushängeschild besonders für den deutschen Markt wichtig. Der bekannte Kaffeeautomaten-Hersteller erzielt laut "La Gazzetta dello Sport" einen Drittel seines Gesamtumsatzes in Deutschland.

Ullrich will sich zunächst erholen

Auf der Messe in Mailand kündigte Ullrich zudem an, sich bis Ende Oktober erholen zu wollen. "Danach werde ich wahrscheinlich für den Winter zur Saisonvorbereitung in die Toskana umziehen", sagte er. Gleichzeitig bekräftigte er, in den nächsten Jahren auch einmal zum Giro d’Italia zurückkehren zu wollen. "Ich werde beim Giro auf Sieg fahren", versprach Ullrich den Fans in Italien.

dpa / DPA

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