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Vierschanzentournee: Aus Adlern werden Fledermäuse

Die deutschen Skisprung-Asse sind abgestürzt. Damit den Quoten der TV-Übertragung von der Vierschanzentournee nicht das Gleiche passiert, setzt RTL auf Nachtspringen.

Mit dem erstmals auf dem Programm stehenden "Nachtspringen" will RTL das Skispringen bei der Vierschanzentournee in ein anderes TV-Licht setzen und die Einschaltquoten trotz des Fehlens von Sven Hannawald stabil halten. "In erster Linie geht es darum, die Vorjahreswerte zu erreichen. Wir müssen aber abwarten, wie die Abendspringen von den Zuschauern angenommen werden", sagte RTL- Sportchef Manfred Loppe vor dem Flutlicht-Auftakt in Oberstdorf.

"Heimeligere Stimmung" durch Flutlicht

Die Qualifikation am Dienstag (28.12.) und der Wettkampf am Mittwoch (30.12.) beginnen jeweils erst um 16.30 Uhr. Dies gilt auch für den Abschluss am 5. und 6. Januar in Bischofshofen. "Mit Blick auf konkurrierende Wintersportdisziplinen hat ein Skispringen am frühen Abend eine Alleinstellung. Und atmosphärisch gesehen versprechen Abendspringen eine heimeligere Stimmung, die durch neue Präsentationsformen noch erhöht werden kann", erklärte Christian Knauth, Marketing-Direktor des Internationalen Skiverbandes (FIS).

Darauf setzt auch RTL, zumal mit Hannawald der in den Vorjahren vermarktete Star fehlt. "Wir können die ganze Spannung und Emotionalität unter anderen Verhältnissen zeigen. Das wird ein ganz anderer Kick, eine neue Übertragungsdimension", versprach Loppe, der einen besonderen Reiz in den Abendspringen sieht. "Feuerwerk, Lightshows, Siegerehrung mit Laserbegleitung - einiges ist denkbar", so Loppe, der mit seinem Team für Spezial Lichteffekte sorgen will.

Über 35 Kameras sollen aus Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen perfekte Bilder in die Wohnzimmer liefern. Dafür wurden 18 Kilometer Kamera- und 45 Kilometer sonstige Kabel am Hang verlegt. Zudem wartet RTL mit einigen Neuerungen bei der Kameraführung auf. Eine auf einer Schiene mitlaufende "sports-cam" verfolgt den Springer etwa 100 Meter im Anlauf- und 200 bis 300 Meter im Aufsprungbereich. Eine 20 Meter unterhalb des Schanzentisches im Schnee eingegrabene "frog-cam" (Frosch-Kamera) soll die Flughaltung und den V-Stil der Springer optimal erfassen. Und die im Auslauf installierte "snow-cam" (Schnee-Kamera) begleitet die Springer aus drei versetzten Positionen bei der letzten Flugphase und der Landung.

Den Geheimnissen des Sports dicht auf den Fersen

Weitere Neuerungen sind die in Zusammenarbeit mit einer Berliner Firma eigens für das Skispringen entwickelte "Augmented Reality"-Technik zur Sprunganalyse und ein Online-Herzfrequenzmessgerät zur Dokumentation der Anspannung der Athleten am Bakken. Loppe: "Primär geht es darum, den Geheimnissen dieses Sports immer wieder ein Stück mehr auf die Spur zu kommen. Aber es liegt auf der Hand, dass wir damit auch die Vorlieben junger Zuschauer bedienen können, die sehr technikorientiert sind."

Eric Dobis/DPA / DPA

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