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World Games: Ein Fest für die Zuschauer

Bodybuilding, Tauziehen oder Kanupolo: Die skurrilen nicht-olympischen Sportarten haben die Gunst der Zuschauer bei den World Games in Duisburg im Sturm erobert.

Strahlende Gesichter bei den Organisatoren, prächtige Stimmung bei den Fans, glänzende Leistungen der deutschen Athleten: Das Auftaktwochenende der World Games in Duisburg hat alle Erwartungen übertroffen und Appetit auf die ungewöhnlichen und spektakulären Sportarten gemacht. Schon an den ersten drei Wettkampftagen bestiegen deutsche Sportler 15 Mal das Siegerpodest.

Am Sonntag setzte sich Feldbogenschützin Monika Jentges (Ganderkesee) im Finale gegen die Österreicherin Reingild Linhart durch und holte damit schon die insgesamt sechste Goldmedaille für das deutsche World-Games-Team. Eine fast punktgenaue Landung gelang Stefan Wiesner aus Altenstadt beim Fallschirm-Zielspringen. Der 23 Jahre alte Junioren-Weltmeister verfehlte den Zielpunkt am Toeppersee nur um einen Zentimeter. Fallschirm-"Silber" ging zudem an das deutsche "Freeflying"-Trio. Erfolge feierten auch die Kanuten zum Auftakt ihrer Wettbewerbe. Das Wuppertaler Drachenboot belegte auf der 200-Meter-Distanz den dritten Rang.

Medaillen für schöne Körper

Allein die Bodybuilder holten gleich fünf Medaillen in sieben Wettbewerben, darunter einmal Gold für Werner Zenk aus München im Leichtgewicht bis 75 Kilogramm. Auch auf der Scherenbahn wurde gejubelt. Deutschlands beste Keglerin, Elgin Justen aus Brühl, gelang das Double mit den Titeln im Damen-Einzel und im Mixed mit Holger Mayer aus Heddert. "Das ist ein ausgezeichneter Triumph", sagte Justen, die im Einzel die Konkurrenz deklassierte. Mit 827 Holz lag die Weltmeisterin am Ende 81 Holz vor der Zweitplatzierten Petra Comoth aus Belgien. Ihr Mixed-Partner Mayer freute sich über die Unterstützung durch mehr als 700 Zuschauer in der Sporthalle an der Krefelder Straße: "Die standen wie eine Wand hinter uns."

Auch bei vielen anderen Wettkämpfen war die Resonanz im "Land des Fußballs" erfreulich, auch wenn keine Massen zu den teils unbekannten Sportarten strömten. Nur beim Orientierungslauf in der Hochburg Bottrop hatten sich die Organisatoren mehr als die gekommenden 200 Besucher erhofft. Das Fallschirmspringen war dagegen auch ohne Entscheidungen mit 1200 Zuschauern ausverkauft. Stets randvoll war auch die Tribüne (500 Plätze) beim Tauziehen.

Dort herrschte durch die merkwürdige Mischung von fast altertümlichem Charme und Trendsport-Stimmung ohnehin ein besonderes Flair. Ein Erlebnis waren "die Züge" der Schweizer, die auf die Unterstützung der monoton-einschüchternden Geräuschkulisse eines halben Dutzend Alpenglocken bauten und in der Klasse bis 680 Kilogramm Vierte wurden. Die drittplatzierten Iren sorgten für eine ganz spezielle Bestmarke: Die Brüder James, Dermot und Bill Kehoe nahmen bislang an allen sieben World Games seit 1981 teil.

Deutsche Athleten auf Erfolgskurs

Organisationschef Peter Langner ist bislang sehr zufrieden, denn große Pannen bleiben aus. "Mein Eindruck ist, dass sich unsere Hoffnung erfüllt: Die Euphorie der Eröffnungsfeier überträgt sich auf die Wettbewerbe und das Publikum. Die Spiele laufen heiß", sagte er, und meinte nicht das tolle Wetter. Auch abseits der Wettkämpfe auf der "World Games Plaza" herrschte buntes Treiben. Dort begegnen sich seit der Eröffnung der Spiele jeden Abend Athleten, Zuschauer, Journalisten und VIPs. Gefeiert wird bis spät in die Nacht.

Die sportliche Bilanz aus deutscher Sicht rundet die ersten Wettkampftage mit insgesamt 50 Entscheidungen ab. Orientierungsläuferin Karin Schmalfeld (Bielefeld) belegte Platz zwei. Der Cottbuser Nico Gärtner gewann nach zwei fast perfekten Finalsprüngen beim Mini-Trampolinspringen die Bronze- Medaille. Mit einem spektakulären Dreifach-Salto hielt nicht nur Gärtner die rund 1500 Zuschauer in Atem. Bereits am Freitag hatten Michael Serth und Henrik Stehlik (Gauting/Salzgitter) im Synchron-Trampolin das erste "Gold" für das deutsche Team geholt.

Christian Kamp und Ulli Brünger/DPA / DPA

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