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Nach Kipchoge-Rekord: Unfairer Vorteil? Experten knöpfen sich Nike-Wunderschuh "Vaporfly" vor

Der Laufschuh "Vaporfly" von Nike hat das Zeug zum Superstar. Doch es droht Ärger. Athleten wittern Betrug und brachten die IAAF dazu, sich den Wunderschuh einmal genauer anzuschauen.

Eliud Kipchoge (weißes Laufshirt) und seine Pacemaker starten das Projekt "Ineos 1:59" mit dem "Vaporfly"

Publikumswirksam inszenierte Nike beim Rekordlauf von Eliud Kipchoge in Wien seinen High-end-Laufschuh "Vaporfly". Nun wird der Wunderschuh von Experten der IAAF unter die Lupe genommen.

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184 Gramm leicht, mit Carbonfasern durchzogen, etwas klobig – und dennoch irgendwie ein Hingucker. "Vaporfly", der neue Laufschuh von Nike hat das Zeug zum Superstar – erst recht nach dem Marathon-Experiment von Eliud Kipchoge, der am 12. Oktober in einem historischen Experiment als erster Mensch einen Marathon in weniger als zwei Stunden absolvierte. Und doch droht dem Hersteller der federleichten High-Tech-Schlappen nun Ärger.

Der Internationale Leichtathletik-Weltverband (IAAF) will den Schuh wegen möglicher Wettbewerbsvorteile auf den Prüfstand stellen. Mehrere Athleten sollen die IAAF gebeten haben, das Modell "Vaporfly" zu untersuchen. Neben dem Kenianer Kipchoge und seinen 41 Tempomachern trug Brigid Kosgei (ebenfalls Kenia) den Schuh bei ihrer Marathon-Weltbestzeit am 13. Oktober in Chicago. Auch beim Ironman Hawaii kam der "Wunderschuh" zum Einsatz. Die Bayreutherin Anne Haug flog mit dem "Vaporfly" als erste deutsche Triathletin auf den Thron von Kailua-Kona.

Experten der IAAF prüfen "Vaporfly"

Die Technik-Kommission der IAAF habe eine Arbeitsgruppe einberufen, die aus ehemaligen Athleten, Sozial- und Rechtswissenschaftlern, sowie Bio-Mechanikern bestehe. Eine entsprechende Mitteilung der IAAF soll dem englischen Blatt "The Guardian" vorliegen. Der Verband bezog sich dabei allerdings nicht explizit auf den Nike-Schuh. Bisher gilt die Regel, dass ein Schuh für alle Athleten frei zugänglich sein müsse und den Sportlern keinen unfairen Vorteil bieten dürfe.

Die Athleten sind jedoch durch Sponsorenverträge oft an andere Ausrüster gebunden. Außerdem sei der Nike-Schuh aufgrund seiner neuartigen Bauweise energieeffizienter als andere Laufschuhe, behaupten Kritiker. "Die Luftkissen im Zusammenspiel mit dem Carbonplatten stellen ein federndes Element dar. Allerdings sind die Carbon-Platten seit längerem in Gebrauch", sagte Uwe Kersting, Sportwissenschaftler vom Institut für Biomechanik und Orthopädie an der Sporthochschule Köln, der Deutschen Presse-Agentur. "Man kann damit die Laufökonomie gering verbessern", meint Kersting.

"Vaporfly": Wunderschuh mit kurzer Laufzeit

Nike selbst verspricht den Käufern des "Vaporfly" schon im Namen eine Zeitersparnis von vier Prozent. Und zumindest die Marketingstrategie ging voll auf. Bei der Deutschland-Premiere im Rahmen des Berlin-Marathon 2018 rissen selbst Hobbyläufer den Amerikanern den – natürlich limitierten – Schuh aus den Händen – und blätterten dafür sportliche 250 Euro hin. Der "Vaporfly" war schnell vergriffen und im Internet explodierten die Preise. Erfahrene Läufer raten Hobbysportlern allerdings vom vermeintlichen Wunderschuh ab. Denn der ist als reiner Wettkampfschuh konzipiert und soll trotz des sportlichen Preises schon nach 250 bis 300 Kilometern "durch" sein.  Zudem dürfte die aufwändig ausgetüftelte Sohlenkonstruktion erst ab einem bestimmten Lauftempo mehr Dynamik und schnellere Zeiten ermöglichen. Nicht vergessen sollte man in der ganzen Diskussion: Der Siebenmeilenstiefel gehört ins Reich der Märchen – selbst der teuerste und durchdachtesten Laufschuh der Welt muss im Jahr 2019 mit Muskelkraft bewegt werden.

Quellen: "faz.net", DPA 

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