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Was Sie zur Olympia-Nacht wissen müssen: Warum Angelique Kerber trotz Niederlage stolz sein kann

An einem Olympia-Tag, an dem viel über das Benehmen eines einzelnen Herrn diskutiert wurde, gab es noch mehr großen Sport zu bewundern. Und große Niederlagen - wie die von Angelique Kerber.

Angelique Kerner mit der Silbermedaille im Tennis bei Olympia in Rio

Große Niederlagen machen den Sport aus: Angelique Kerber mit ihrer Silbermedaille nach dem Olympia-Finale im Tennis

Alle Events, alle Entscheidungen der Nacht und des gestrigen Olympia-Tages finden Sie hier in unserem Livecenter.

Die wichtigsten Entscheidungen

- Gold und Bronze für Deutschland im Diskuswerfen der Herren: Christoph Harting und Daniel Jasinski holen Edelmetall.

- Gold auch für den Schützen Christian Reitz, der mit der Schnellfeuerpistole am treffsichersten ist.

- Einreihen in die Goldriege wollte sich eigentlich auch Angelique Kerber, doch in einem denkwürdingen Finale musste sie sich geschlagen geben: Silber.

- Genauso ging es dem Deutschland-Achter, der diesmal die Stärke der Briten anerkennen musste.

- Die andere Königsdisziplin im Rudern, der Einer, entschied der Neuseeländer Mahe Drysdale für sich. Ein Deutscher war hier nicht am Start.

- Eine dicke Enttäuschung gab es für Bahnradfahrerin Kristina Vogel. Die Weltmeisterin wollte Gold, wurde aber nur Sechste. Olympiasiegerin wurde Elis Ligtlee aus den Niederlanden.

- Nach den Medaillen greifen nun die deutschen Fußballer. Mit 4:0 fertigten sie die Mannschaft aus Portugal ab und stehen - wie die Frauen - im Halbfinale.

- Bemerkenswert auch der Sieg der deutschen Handballer gegen die starke Slowenen. Damit ist das Viertelfinale schon klar.

- Rekordolympiasieger Michael Phelps beendet seine glorreiche Karriere standesgemäß mit der 23. Goldmedaille bei Olympia.

- Brasilien nähert sich dem Olympia-Gold im eigenen Land.
Nach dem 2:0 gegen Kolumbien durch Treffer von Superstar Neymar und Luan trifft der Gastgeber nun im Halbfinale auf Honduras.

- Im Tennis hat Topstar Rafael Nadal das Finale durch die Niederlage gegen den Argentinier Juan Martín del Potro verpasst. Der spielt jetzt gegen Andy Murray um Gold.

- Die Jamaikanerin Elaine Thompson rennt in 10,71 Sekunden zu ihrem ersten Olympiasieg über 100 Meter.

- Auch bei den Frauen gewinnt die USA über diese Distanz.
Über die 1500 Meter triumphiert Weltmeister Gregorio Paltrinieri aus Italien. Die 50 Meter Freistil entscheidet die Dänin Pernille Blume für sich.

- Den Siebenkampf gewinnt die Belgierin Nafissatou Thiam.

- Der Brite Mo Farah lässt sich nicht einmal von einem Sturz beirren und sichert sich über 10 000 Meter sein drittes Olympia-Gold.

- Die deutschen Tischtennis-Frauen stehen nach dem 3:1 gegen Hongkong im Halbfinale des Team-Wettbewerbs. Gegner dort ist Japan.

Der größte Aufreger

Ganz klar: Christoph Hartings sensationeller Olympiasieg im Diskus war nicht nur sportlich ein Knaller, sondern auch der Sieger selbst ließ den Menschen keine Ruhe. Ein introvertierter Mann ohne Interesse an öffentlichem Rummel und Medienpräsenz, der nicht viel mit seinen Kollegen und auch nicht mit seinem berühmten Bruder spricht - und der dann auf dem Siegertreppchen auch noch zur Nationalhymne schunkelte - das war die Shitstorm-Maschinerie doch sehr schnell angeworfen:


Das hätten sie auf keinen Fall verpassen sollen

Dabei war dieses Diskus-Finale doch so spektakulär wie selten eines in dieser Sportart. Erst die Vorgeschichte mit dem Scheitern des großen Robert Hartings, während sein Bruder sich locker qualifiziert. Der haut im Finale dann auch gleich einen raus, liegt während des gesamten Wettbewerbs auf einem Medaillenplatz. Hinter ihm erfreulicherweise der Bochumer Daniel Jasinski, auf dem Goldplatz der große Favorit Piotr Malachowski aus Polen. Die Medaillen schienen längst in dieser Reihenfolge vergeben, da begann der letzte, der sechste Durchgang - und urplötzlich brachte der Este Martin Kupper alles durcheinander.

Kupper raffte noch einmal alles zusammen und schleuderte den Diskus bis auf 66 Meter 58 - Rang zwei zu diesem Zeitpunkt. Leidtragender schien Jasinski zu sein, doch auch der Bochumer konnte sich bei seinem letzten Wurf noch einmal steigern: 67,05 Meter bedeutet nun für ihn Silber. Christoph Harting war damit raus aus den Medaillen. Ausgerechnet er, dem man es doch gegönnt hätte, in Abwesenheit seines ansonsten omnipräsenten Bruders aus dessen Schatten zu treten. Wirklich nur Blech für den "kleinen" Harting? Christoph betrat den Ring, konzentrierte sich und auch er steigerte sich ein weiteres Mal - und wie! 68,37 Meter! Gold! Ein Sportmärchen wurde wahr, denn der große Malachowski konnte nicht mehr kontern. Und Martin Kupper, der das Ganze erst in Bewegung gebracht hatte, ging leer aus. So spannend kann Diskuswerfen sein.

Gewinnerin des Abends

Auch wenn wir es nicht gerne lesen: Monica Puig hat im Tenns-Finale das Spiel ihres Lebens gespielt. Unerschrocken, nerven- und kampfstark gewann sie letztlich verdient gegen eine Gegnerin, die ihr doch auf dem Papier überlegen sein sollte: Angelique Kerber, immerhin die aktuelle Nummer 2 der Tennis-Welt.

Entschlossener Gesichtsausdruck: Monica Puig aus Purto Rico gewinnt bei Olympia Gold im Tennis

Das Spiel ihres Lebens: Monica Puig beschert mit dem Sieg im Tennis-Finale Puerto Rico erstmals Olympia-Gold

Doch es ist immer wieder erstaunlich, wieviel Kraft es Sportlern geben kann, wenn sie ihr Land auf einer so großen Bühne wie Olympia in den Fokus rücken können. Monica Puig befand sich während der gesamten Tennis-Woche in Rio auf einer Mission. Und sie erfüllte sie, indem sie tatsächlich die allererste olympische Goldmedaille für Puerto Rico hörte. Begeistert schwang sie nach ihrem Sieg die Flagge des US-Außengebietes, wo die Menschen derzeit unter den schlechten wirtschaftlichen Verhältnissen leiden. "Das ist unglaublich. Ich weiß, dass sich mein Leben von jetzt an etwas ändern wird", sagte Puig. Das Leben ihrer Landsleute wird sich wohl nicht so schnell verbessern, doch immerhin bescherte die Olympiasiegerin ihnen zwei Stunden, in denen sie die Not vergessen konnte.

Und Angelique Kerber? "Das ist natürlich nicht die Medaille, die ich mir gewünscht habe", sagte die unterlegene Finalistin. "Ich bin rausgegangen, um Gold zu gewinnen und habe es nicht geschafft. Ich bin traurig, aber trotzdem stolz, wie ich die Woche gemeistert habe." Wie das Finale. Immer wieder stand Kerber am Abgrund und kämpfte sich doch zurück, holte sich trotz Behandlungspausen wegen einer Verletzung dns zweiten Satz und wehrte auch zum Ende des Spiels mehrere Matchbälle ab. Auf große Niederlagen kann man als Sportler auch stolz sein. Und auf eine Silbermedaille sowieso.

Verlierer des Abends

Die einzige russische Leichtathletin Darja Klischina darf nun doch nicht bei Olympia starten. Der Leichtathletik-Weltverband IAAF hat der russischen Weitspringerin nachträglich das Sonderstartrecht für die Olympischen Spiele in Rio entzogen. Dieses Recht war ihr eingeräumt worden, da sie in den USA lebt und damit außerhalb des russichen Systems trainiere.

Klischina ging umgehend beim Internationalen Sportgerichtshof CAS gegen den Ausschluss vor. Der IAAF hatte 67 weitere russische Leichtathleten wegen systematischen Dopings suspendiert und damit von Olympia ausgeschlossen. Der Präsident des russischen Nationalen Olympischen Komitees, Alexander Schukow, reagierte empört auf den Bann gegen die Athletin.

Klischina postete auf ihrer Facebook-Seite: "Im Moment kann ich mich nur von einem System betrogen fühlen, dem es nicht darum geht, den Sport sauber zu halten und die breite Masse der Athleten zu unterstützen, sondern Siege außerhalb der Sportarenen zu erzielen."


Wie läuft's für Deutschland?

Weiterhin keine Beschwerden: Auch am Samstag wurde fleißig Edelmetall gesammelt - auch wenn streng genommen gleich drei Gold-Hoffnung enttäuscht wurden: der Deutschland-Achter, Angelique Kerber und die Bahn-Radfahrerin Kristina Vogel waren eigentlich auf Gold gebucht, doch 1. ist Silber mehr als ein Trost und 2. sind andere eingesprungen. Dazu gibt es weiter gute Aussichten: Im Fußball spielen sowohl die Männer als auch die Frauen um Medaillen; auch die Handballer sind für die nächste Runde qualifiziert.

Eine besondere Erwähnung für die Schützen: Dreimal Gold, zweimal Silber - das ist schon jetzt ein herausragendes Ergebnis. Zur Erinnerung die Medaillenbilanz von London 2012: Null. Sowas nennt man Fortschritt. 

Was wird heute interessant?

Usain Bolt will sein nächstes 100-Meter-Gold ersprinten. Im Tennis-Finale der Herren bietet sich dem schon 2012 erfolgreichen Briten Andy Murray als erstem Spieler die Chance, seinen Olympiasieg zu wiederholen. Gekürt wird außerdem der erste Golf-Olympiasieger seit 112 Jahren. Bei den Schwimmern enden die Becken-Wettbewerbe. Die deutschen Männer sind im Finale der Lagen-Staffel dabei.

Die deutschen Athleten zählen am Sonntag bei den Entscheidungen meistens nicht zu den Favoriten.

Olympia-Impressionen:


Juan Martin del Porto liegt auf dem grünen Boden nach seinem Tennis-Sieg gegen Rafael Nadal bei Olympia

Olympia ist einfach umwerfend: Der Argentinier Juan Martín del Porto nach seinem Sieg über Tennis-Superstar Rafael Nadal


Helm einer chinesischen Kerin-Fahrerin bei Olympia ist mit einem Gesicht bemalt

Eine Frage der Perspektive


Russische Turmspringerin in voller Anspannung bei Olympia in Rio

Voller Anspannung (beim Turmspringen vom Drei-Meter-Brett)


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