HOME

Klassiker Vuelta: Elektro-Motor für Rad-Stars? Böser Verdacht bei Spanien-Rundfahrt

Großer Wirbel beim Radklassiker Vuelta: In einem Fan-Video sind zwei Mechaniker des Moviestar-Teams zu sehen, wie sie einen Fahrrad-Rahmen verstecken. Geht es um Manipulationen mit einem Elektro-Motor?


Die Gerüchte gibt es schon länger: Zeitfahrspezialist Fabian Cancellara, einer der erfolgreichsten Radrennfahrer unserer Zeit, gewann im Jahr 2010 die Flandern-Rundfahrt und den Tagesklassiker Paris-Roubaix. Damals keimte rund um die Erfolge des Schweizers zum ersten Mal der böse Verdacht vom E-Doping auf: Demnach soll Cancellara ein wenig nachgeholfen habe, indem er sich mit einem Mini-Elektromotor, der gut versteckt im Rahmen seines Rades verborgen war, zusätzlichen Speed verschaffte.

"Versteck das! Dass das niemand sieht!" 

Seitdem halten sich hartnäckig Gerüchte, dass im Radsport nicht nur mit chemischen Substanzen gedopt wird, sondern auch mit dem sogenannten E-Doping.

Diese Gerüchte werden jetzt durch das Video eines Fans bei der Spanien-Rundfahrt Vuelta neu befeuert. Die Aufnahmen sollen während der neunten Etappe von Torrevieja nach Cumbre del Sol entstanden sein, einem Badeort am Mittelmeer. Der Clip (siehe oben) zeigt, wie ein Begleitauto des Movistar-Teams am Ende der Etappe plötzlich anhält. Ein Mechaniker steigt schnell aus und legt einen Sattel und Sattelstange auf den Boden. Dann weist er einen Kollegen hektisch an, die Sachen an sich zu nehmen. Die Angelegenheit scheint ihm so wichtig zu sein, dass er seine Anweisung wiederholt. Er selbst nimmt noch einen Rahmen vom Gepäckträger, und ruft dem Kollegen zu: "Versteck das! Dass das niemand sieht!" Der Kollege trägt am Ende Rahmen, Sattel und Stange am Straßenrand zügig fort.

Erklärung ist schwachbrüstig

Seit spanische Medien das Video am Wochenende zeigten, wird das Thema E-Doping wieder aufgeregt diskutiert. Die Erklärung des Moviestar-Teams kam auch ziemlich schwachbrüstig daher: Der Rahmen sei "kaputt" gewesen, heißt es. Der Starfahrer des Teams, Alejandro Valverde, wurde am Ende der Etappe Fünfter.

Auch der Radsportweltverband UCI streitet die Existenz von E-Doping nicht ab. Im Gegenteil, er führte für das Manipulieren des Rades mit einem Elektromotor Anfang des Jahres harte Strafen ein: Überführten Sündern drohen Disqualifikation, Sperren von einem halben Jahr und Geldstrafen bis zu 200.000 Schweizer Franken. Das Kontrollsystem ist aber noch nicht sehr effektiv. Bei Rennen werden lediglich Stichproben durchgeführt, und die führten bei der Tour de France oder dem Giro d'Itlia in diesem Jahr zu keinem Ergebnis.

Tim Schulze
Themen in diesem Artikel

Wissenscommunity