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Viermaliger Tour-de-France-Sieger: Froome und sein Sturz beim Naseputzen: "Er ist in keiner guten Verfassung"

Der britische Radrennfahrer Chris Froome ist auf einer Trainingsfahrt in Frankreich mit hoher Geschwindigkeit in eine Mauer gerast. Er trug diverse Brüche davon - noch ist offen, wie schwer die Verletzungen sind.

Chris Froome stürzte schwer - er liegt in St. Etienne auf der Intensivstation

Chris Froome stürzte schwer - er liegt in St. Etienne auf der Intensivstation

AFP / DPA

Einer der größten Radrennfahrer aller Zeiten kämpft um seine Karriere. Der Brite Chris Froome, der vier Mal die Tour de France gewann und je einmal die Vuelta in Spanien und den Giro d'Italia, liegt nach einem schweren Trainingsunfall in Frankreich im Krankenhaus in St. Etienne auf der Intensivstation.

Er war mit über 50 Stundenkilometern frontal in eine Mauer gerast, als er auf einer Abfahrt vermutlich zum Naseputzen eine Hand vom Lenker genommen hatte und offenbar ein Windstoß sein Vorderrad traf. Der 34 Jahre alte Froome brach sich den rechten Oberschenkel, die Hüfte, den Ellenbogen und einige Rippen. Zudem soll er das Bewusstsein verloren haben. Er wurde mit einem Hubschrauber in die Universitätsklinik geflogen und operiert. Mehr ist bislang nicht bekannt.

Aussagen des Teamchefs lassen Schlimmes für Chris Froome befürchten

Aber die Worte seines Ineos-Teamchefs, Dave Brailsford, geben Anlass zur Sorge. "Er ist in keiner guten Verfassung. Es gibt Stürze und schlimme Stürze, und das war ein schlimmer Sturz", sagte er BBC Sport. Wie lange die Genesung dauern wird, lässt sich nicht sagen, über die Knochenbrüche hinaus sind noch keine Verletzungen bekannt. Allein der Oberschenkel- und der Hüftbruch dürften ihn mindestens für das Jahr 2019 außer Gefecht setzen.  "Chris zeichnen mentale Stärke und Widerstandsfähigkeit aus", sagte Brailsford. 

Froome hatte in diesem Jahr alles daran gesetzt, um die große Frankreich-Rundfahrt zum fünften Mal zu gewinnen. Im vergangenen Jahr musste sich seinem Teamkollegen Geraint Thomas geschlagen gegeben, nachdem der 2013 und 2015 bis 2017 die Tour dominiert hatte. Er wäre dann in eine Liga mit Jaques Anquetil, Eddy Merckx, Bernard Hinault und Miguel Indurain aufgerückt. In Frankreich absolvierte er deshalb eines der beiden großen Vorbereitungsrennen auf die Tour, das Critérium du Dauphiné. Auf einer Streckenbesichtigung zu einem Zeitfahren geschah der Unfall.

Rückschlag für das Ineos-Team

Für sein Team Ineos, unter dem alten Namen Sky Sieger bei sechs der vergangenen sieben Tour-Auflagen, ist Froomes Aus sportlich ein Rückschlag. Er sollte mit dem 33 Jahre alten Vorjahressieger Thomas und dem jungen Kolumbianer Egan Bernal, 22 Jahre alt, das frühere Sky-Team zum Sieg führen. 

"Wir werden alles tun, um Chris dabei zu unterstützen, eine fünfte Tour zu gewinnen, seinen Platz in der Geschichte zu festigen und dem exklusiven Club der fünfmaligen Gewinner beizutreten", hatte Brailsford während der Dauphiné gegenüber dem Internetportal "cyclingnews.com" erklärt. Plötzlich sind ganz andere Dinge wichtig. "Nun muss er sich voll auf seine Genesung konzentrieren", erklärte Brailsford.

Christopher Froome zog sich bei seinem Sturz schwere Knochenbrüche zu

Christopher Froome zog sich bei seinem Sturz schwere Knochenbrüche zu

DPA

Andere schafften nach schweren Stürzen ein Comeback

Hoffnung könnten Froome die Comebacks anderer Rad-Größen machen. Alexander Winokurow saß nur acht Monate nach seinem Oberschenkelbruch bei der Tour de France 2011 wieder im Sattel und holte bei den Olympischen Spielen in London die Goldmedaille im Straßenrennen. Auch Angel Vicioso gewann elf Monate nach seinem Sturz bei Giro d’Italia 2014 wieder ein Radrennen. Alejandro Valverde brach sich bei der Tour de France 2017 nicht den Ober-, sondern den Unterschenkel, wurde aber im darauffolgenden Jahr Weltmeister im Straßenrennen in Innsbruck. Bis dahin dürfte es allerdings ein weiter Weg sein. Zunächst muss Froome die Operationen gut überstehen. "Bitte denkt an ihn", schrieb seine Frau via Facebook, "ich hoffe, ich werde morgen eine Nachricht von ihm teilen können".

Jan Ullrich

Quellen: DPA, "sport1.de", "RennRad", "cyclingnews.com"

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