HOME

Winterspiele 2022 in der Schweiz: Graubünden stimmt gegen Olympia-Kandidatur

Aus für die Olympia-Träume im Schweizer Kanton Graubünden. Das Wahlvolk hat gegen eine Kandidatur für die Winterspiele im Jahr 2022 gestimmt.

Die Pläne für olympische Winterspiele im Jahr 2022 in der Schweiz sind in einer Volksabstimmung gescheitert. Die Wähler des Kantons Graubünden lehnten am Sonntag eine Kandidatur der Nobelferienorte St. Moritz und Davos für die Spiele ab. In den beiden Städten selbst waren die Bürger zwar mit jeweils deutlicher Mehrheit dafür. Aber der Rest des Kantons war nicht bereit, aus der Kantonskasse 300 Millionen Franken (etwa 245 Millionen Euro) für das sportliche Großereignis bereitzustellen. Am Sonntagnachmittag, als bis auf einige kleineren Gemeinden alle Stimmen ausgezählt waren, lag der Anteil der Nein-Stimmen bei 54 Prozent.

Die Olympia-Frage hatte in den vergangenen Wochen in dem stark vom Tourismus abhängigen Kanton für heftige Diskussionen gesorgt. Während Befürworter vor allem die positiven Folgen der Spiele für den Fremdenverkehr ins Feld führten, warnten Gegner vor einer zu große Belastung für die Bevölkerung und die Natur. Überdies befürchten sie, dass die Kosten aus dem Ruder laufen könnten und die Steuerzahler dann dafür geradestehen müssten.

Erwartete Kosten von 2,8 Milliarden Franken

Schätzungen zufolge sollten die Spiele ohne Infrastrukturinvestitionen etwa 2,8 Milliarden Franken kosten. Die Einnahmen wurden auf 1,5 Milliarden Franken geschätzt. Für den Rest sollten der Kanton Graubünden und der Bund eine Defizitgarantie übernehmen. Der Bund hatte seinen Teil der Garantie vom Ausgang der Abstimmung in Graubünden abhängig gemacht.

Fast auf den Tag genau vor 33 Jahren, am 2. März 1980, hatten die stimmberechtigten Bürger des Kantons schon einmal Olympia-Pläne an der Urne zunichtegemacht - damals mit einem Nein-Anteil von 77 Prozent. Falls die Schweiz mit der Kandidatur Erfolg gehabt hätte, wären es nach 1928 und 1948 die dritten olympischen Spiele in der Schweiz und in St. Moritz gewesen. Die letzte erfolgversprechende Schweizer Kandidatur für Winterspiele war jene von "Sion 2006". Den Zuschlag erhielt jedoch die italienische Stadt Turin.

Für 2022 gibt es bislang noch keine offiziellen Bewerber. Spekuliert wird, dass München nach dem Scheitern seiner Kandidatur für die Winterspiele 2018 erneut antreten könnte. Krakau in Polen, Barcelona in Spanien, Lemberg in der Ukraine und Oslo in Norwegen haben mehr oder minder deutlich Interesse an der Gastgeberrolle für 2022 signalisiert. Dagegen hatte das Nationale Olympische Komitee der USA bereits entschieden, keine Kandidatur für 2022 einzureichen.

kgi/DPA/Reuters / DPA / Reuters

Wissenscommunity