Abrechnungsskandal AOK weitet Überprüfung von Optikern aus


Im Kampf gegen Abrechnungs-Betrug hat die AOK Niedersachsen eigenen Angaben zufolge Manipulationen bei inzwischen acht Optiker-Geschäften der Fielmann-Kette festgestellt.

Der Abrechnungsskandal bei Optikern weitet sich aus: Wie ein Sprecher der AOK Niedersachsen in Hannover mitteilte, wurden zehn Filialen der Kette Fielmann überprüft, acht davon waren auffällig. Staatsanwaltschaften ermitteln bereits wegen des Verdachts auf Abrechnungsbetrug. Die AOK Niedersachsen will ihre Überprüfungen nun noch ausweiten. "Sobald wir Kapazitäten freihaben, werden wir auch noch andere Optiker überprüfen", sagte der AOK-Sprecher Klaus Altmann. Die Höhe des Schadens für die Krankenkassen war bislang nicht bekannt.

Trick: Rückdatierungen

Am Wochenende war ursprünglich von einem Verdacht gegen vier Optiker-Filialen die Rede. Die AOK monierte fehlerhafte Rezeptabrechnungen sowie rückdatierte Abholtermine für Brillen. So sollten Patienten noch Anspruch auf die Zuzahlung der Kassen haben, die mit der Gesundheitsreform seit Anfang 2004 weggefallen war. Außerdem seien mit den Kassen höherwertige Leistungen abgerechnet worden, als der Patient bekommen habe, sagte der AOK-Sprecher.

Die Optiker-Kette Fielmann stellte gegen zwei ihrer Filialbetreiber in Niedersachsen Strafanzeige. Nach Abschluss staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen soll entschieden werden, wie bei weiteren Filialen verfahren wird, erklärte Firmensprecher Matthias Branahl. Die betroffenen Betriebsleiter wurden vorerst suspendiert. Es handelt sich nach Darstellung von Fielmann um Franchise-Betriebe, die von selbstständigen Kaufleuten geführt werden. Diese sollen nicht geschlossen, sondern vielmehr in die Unternehmens-Gruppe eingegliedert werden.

Zufällig über Unregelmäßigkeiten gestolpert

Betroffen sind unter anderem Fielmann-Filialen in Verden, Cloppenburg und Cuxhaven. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Oldenburg sagte, es gehe bei der Filiale in Cloppenburg um einen Schaden von höchstens 2.000 Euro. Die AOK war nach eigener Darstellung zufällig auf Unregelmäßigkeiten bei den Abrechnungen gestoßen.

Fielmann betonte, man habe mit der AOK Niedersachsen und den Strafverfolgungsbehörden zusammengearbeitet, "um Art und Ausmaß der Manipulationen" zu ermitteln. Das Unternehmen verwies auf die neue Rechtsprechung, wonach die Kassen Zuzahlungen nur noch für Brillengläser aufbringen wollten, die bis zum Ende des Jahres 2003 abgeholt worden seien. Wegen Überlastung der optischen Industrie hätten Versicherte Augenoptiker unter Druck gesetzt, die Kassenleistung dennoch zu gewähren.

Kassenleistung erschwindelt

"So versprachen viele Augenoptiker den Kunden, bei vorweggenommener Empfangsbestätigung die Kassenleistung auch bei Abholung in 2004 zu verrechnen", heißt es in der Fielmann-Mitteilung. Das Unternehmen selbst habe sich gegen derartige Praktiken gewandt. Vielmehr garantierte Fielmann seinen Kunden die Kassenleistung für alle bis Jahresende ausgestellten Rezepte, egal wann die Brillen abgeholt wurden. Diesen Anspruch wollte Fielmann für seine Kunden gegebenenfalls einklagen. Die 50 Franchise-Unternehmen unter den mehr als 500 Fielmann-Filialen sollen nun durch neue Verträge enger an Fielmann gebunden werden.

DPA

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