Die American Express Platinum Card gehört mit einer Monatsgebühr von 60 Euro zu den teureren Kreditkarten in Deutschland. Gleichzeitig ist die Akzeptanz schlechter als bei Visa und Mastercard, insbesondere bei kleineren Händlern. Ob sich die Kosten rechnen, hängt vor allem davon ab, wie konsequent die enthaltenen Leistungen genutzt werden. Die Karte kombiniert Reisevorteile, Versicherungen, Guthaben und Bonusprogramme zu einem Paket, das besonders für Vielreisende und Geschäftsreisende interessant sein kann. Dazu zählen laut American Express unter anderem Guthaben für Reisen, Mietwagen und Shopping sowie zwei Priority-Pässe mit Zugang zu mehr als 1.550 Flughafen-Lounges weltweit. Hinzu kommt aktuell ein Willkommensbonus von bis zu 85.000 Membership Rewards Punkten für Neukunden. Damit rückt nicht allein die Monatsgebühr in den Fokus, sondern vor allem die Frage, welchen Gegenwert die einzelnen Leistungen im Alltag tatsächlich bieten.
Die Details zum Willkommensbonus im Überblick:
- Entweder 340 Euro Startguthaben
- oder 85.000 Membership Rewards Punkte für Neukunden. Diese sind flexibel für Reisen, Prämien oder Shopping einlösbar.
Bedingung für den Erhalt des Startguthabens oder des Willkommensbonus: Neukunden müssen in den ersten sechs Monaten nach Kartenerhalt 10.000 Euro mit der Kreditkarte umsetzen. Das entspricht einem monatlichen Kreditkartenumsatz von circa 1.666 Euro.
Das ist neu: Gestaffelter Willkommensbonus nach Mindestumsatz
Bisher galt: Nur wer die vorgegebene Umsatzschwelle erreichte, erhielt als Neukunde überhaupt einen Willkommensbonus. Alle anderen schauten in die Röhre. Mittlerweile hat American Express die Konditionen überarbeitet und das Bonusmodell erstmals gestaffelt angelegt.
- Ab einem Kartenumsatz von 6.000 Euro in den ersten sechs Monaten nach Erhalt der Platinum Card gibt es 40.000 Membership Rewards Punkte.
- Wer in diesem Zeitraum mindestens 10.000 Euro umsetzt, erhält den vollen Willkommensbonus von 85.000 Membership Rewards Punkten.
Membership Rewards Punkte von American Express: Was steckt dahinter?
Zum Paket gehört auch das Bonusprogramm Membership Rewards, das bei der Platinum Card bereits inklusive ist. Üblicherweise sammelt der Karteninhaber für jeden ausgegebenen Euro einen Punkt. Diese Punkte können später unter anderem in Flugmeilen oder Hotelprogramme umgewandelt werden, sofern ein Transfer zu den jeweiligen Partnerprogrammen vorgesehen ist.
- Wer sich den vollen Willkommensbonus sichern will, muss in den ersten sechs Monaten nach Kartenabschluss mindestens 10.000 Euro umsetzen.
- Im Vergleich zu früheren Aktionen ist diese Schwelle inzwischen spürbar niedriger. Die gestaffelten Bedingungen verbessern damit die Chancen für Neukunden, die Membership Rewards Punkte tatsächlich zu erhalten.
Vor allem für Vielreisende, die laufende Ausgaben, größere Käufe oder Urlaubsbuchungen über die Platinum Card laufen lassen, dürfte dieser Mindestumsatz eher realistisch sein.
Diese Leistungen und Boni umfasst die Amex Platinum noch
Abgesehen vom Membership Rewards Programm und dem Willkommensbonus bringt die Platinum-Kreditkarte weitere Vorteile und Leistungen. Dazu zählen unter anderem:
- 200 Euro Guthaben für Sixt Ride jährlich
- 200 Euro Online-Reiseguthaben jährlich
- 150 Euro Restaurant-Guthaben jährlich
- 100 Euro jährliches LODENFREY Shopping-Guthaben
- Weltweiter Airport-Lounge-Zugang zu 1.550 Lounges dank Priority Pass (Lufthansa-Lounges noch bis September 2026 inklusive)
- Reiseunfall- und Reiserücktrittsversicherung, europaweiter Kfz-Schutzbrief und mehr
Der tatsächliche Gegenwert der Guthaben hängt davon ab, ob die jeweiligen Angebote regelmäßig genutzt werden. Wer einzelne Partnerleistungen nicht benötigt, schöpft den rechnerischen Wert möglicherweise nicht vollständig aus.
Amex-Bonuspunkte am besten effektiv nutzen
Wer im ersten halben Jahr nach Erhalt der Platinum Card 10.000 Euro Kartenumsatz erreicht, sammelt zusätzlich ganz regulär für jeden ausgegebenen Euro einen Membership Rewards Punkt. Wer die gesammelten Punkte in diesem Zeitraum nicht einlöst, verfügt nach sechs Monaten zusammen mit dem Willkommensbonus damit über insgesamt 95.000 Punkte.
Besonders interessant wird das für alle, die ihre Punkte in Flugmeilen umwandeln möchten. Der Gegenwert fällt häufig am höchsten aus, wenn die Membership Rewards Punkte für Flugprämien oder Zusatzleistungen rund um Flüge genutzt werden, etwa für Business-Class- oder First-Class-Tickets. Mit 95.000 Punkten können – abhängig von Airline, Strecke und Verfügbarkeit – attraktive Business- oder vereinzelt auch First-Class-Prämienflüge möglich sein. Aktuell umfasst das Programm insgesamt sechs Vielfliegeroptionen. Membership Rewards Punkte lassen sich unter anderem in Meilen der folgenden Programme umwandeln:
- Emirates Skyward
- Flyingblue (Air France und KLM)
- Iberia Club
- Qatar Airways
- SAS Scandinavian Airlines
- British Airways
Bei vielen dieser Programme liegt das Umrechnungsverhältnis bei 5:4. Gerade für Vielflieger und Meilensammler macht das die Amex Platinum besonders interessant.
Am sinnvollsten ist es häufig jedoch, die Punkte für einen Prämienflug in der Business Class einzusetzen. Wie viele Punkte dafür konkret nötig sind, hängt von der Strecke, der Auslastung und möglichen Sonderaktionen ab. Ein Beispiel: Für einen Flug von Berlin nach Doha in der Qatar Airways Business Class reichen umgerechnet bereits 41.250 Membership Rewards Punkte. Hinzu kommen allerdings noch Steuern und Gebühren von 300 bis 400 Euro. Die regulären Ticketpreise liegen je nach Buchungszeitpunkt und Tarif häufig deutlich über dem Preis eines Economy-Tickets. Der tatsächlich erzielte Gegenwert hängt jedoch stark von Verfügbarkeit und Reisezeitraum ab.
Bei Amazon mit Membership Rewards Punkten einkaufen
Mit den Punkten aus dem Willkommensbonus ist es zudem möglich, die Platinum-Karte bei Amazon als Zahlungsmittel zu hinterlegen und Einkäufe auf dem Online-Marktplatz mit den verfügbaren Membership Rewards Punkten zu bezahlen. Die Anzahl der Punkte ist je nach Bezahlvorgang flexibel auswählbar.
Bezahlen mit den Willkommenspunkten von American Express
Mit den Membership Rewards Punkten lassen sich ebenfalls reguläre Zahlungen begleichen, auch nachträglich. Und das geht so:
- Klassisch mit der Amex Platinum Card bezahlen.
- Im Anschluss in das Punktekonto Membership Rewards einloggen.
- Zahlvorgang auswählen, der mit Punkten beglichen werden soll.
- Eine Gutschrift erfolgt innerhalb von 48 Stunden.
Die Eurowings-Alternative von Easybank
Wer bei den Jahresgebühren mehr sparen möchte oder einen anderen Leistungsumfang bevorzugt, kann sich auch die Eurowings-Kreditkarte der Easybank näher anschauen, die als Classic oder Premium verfügbar ist.
Darüber sind ebenfalls per Miles & More Meilen sammelbar. Hinzu kommen, je nach Variante, Boni wie zum Beispiel Fastlane an ausgewählten Flughäfen, Reiserücktrittsversicherungen und Willkommensmeilen (500 beziehungsweise 3.000). Die Jahresgebühren belaufen sich derzeit auf 29 Euro (Classic) oder 99 Euro (Premium). Diese werden allerdings erst ab dem zweiten Jahr fällig, für das erste Jahr zahlen Neukunden sogar nur die Hälfte.
- Fastlane-Zugang an fünf deutschen Flughäfen nach Verfügbarkeit
- Sportgepäck wie Skier, Fahrräder oder Golfequipment darf kostenlos mitgenommen werden
- Eine Reiserücktritt- und Reiseabbruchversicherung ist inklusive
- Es fällt keine Bargeldabhebungsgebühr im Ausland an (innerhalb von Deutschland sind es 4 Prozent und mindestens 5,95 Euro Abhebungsgebühr)
Die Flug-Vorteile treten allerdings nur bei der Buchung von Eurowings-Flügen über eurowings.com in Kraft, die mit der Eurowings Kreditkarte Classic bezahlt werden. Die Eurowings-Kreditkarte richtet sich somit eher an preisbewusste Reisende, die Miles-&-More-Meilen sammeln möchten und auf umfangreiche Premiumleistungen wie Lounge-Zugänge oder Hotelstatus verzichten können.
Fazit: Lohnt sich die Amex Platinum?
Ganz ohne Einschränkungen kommt die Amex Platinum nicht aus. Die vergleichsweise hohe Monatsgebühr von 60 Euro rechnet sich nur, wenn ein Großteil der enthaltenen Vorteile tatsächlich genutzt wird. Wer selten reist oder Lounge-Zugänge, Guthaben und Statusvorteile kaum ausschöpft, zahlt schnell drauf. Hinzu kommt der recht ambitionierte Mindestumsatz von bis zu 10.000 Euro in den ersten sechs Monaten, um den vollen Willkommensbonus zu erhalten. Zudem fallen beim Geldabheben vergleichsweise hohe Gebühren an: American Express berechnet für Bargeldabhebungen vier Prozent des Betrags, mindestens jedoch fünf Euro pro Vorgang. Außerhalb des Euroraums kommt zusätzlich ein Fremdwährungsentgelt von zwei Prozent hinzu. Damit eignet sich die Karte eher für bargeldloses Bezahlen als für regelmäßige Abhebungen im In- oder Ausland. Auch das Membership Rewards Programm entfaltet seinen größten Gegenwert meist erst bei gezielter Nutzung für Flugmeilen oder Reisen. Bei Alltagskäufen fällt der reale Gegenwert der Punkte häufig deutlich geringer aus.