Auf dem Prüfstand Mautsystem macht sich wenig Freunde


Kaum ein LKW-Fahrer hat Lust, das neue Mautsystem an den wenigen verfügbaren Automaten zu erproben. 10 bis 15 Minuten dauern die Angaben. Und währenddessen blockieren die LKW zum Ärger der Tankstellenpächter deren Zapfsäulen.

Eine große Lücke klafft noch zwischen Zeitungen und Getränkeständern: Seit Wochen wartet Torsten Banz von der Aralstation Duisburg auf den Automaten zum Bezahlen der Lkw-Maut. "Ich habe mir schon die Finger wund telefoniert, wo der Automat bleibt", sagt Banz, kurz nach dem Start des Probebetriebs. Es seien einige Spediteure da gewesen, um das Zahlen zu Mautzeiten zu lernen. Nach Angaben des Betreiberkonsortiums Toll Collect in Berlin sind bundesweit 2400 Automaten an den Tankstellen in Betrieb. Bis zum geplanten Start am 2. November soll das Netz auf 3000 Zahlstellen ausgeweitet werden.

Erste Erfahrungen entmutigend

Kaum ein Lastwagenfahrer nutzt am ersten Tag der zweimonatigen Probephase die Gelegenheit, sich zumindest mit der Technik vertraut zu machen. Und erste Erfahrungen sind eher entmutigend. "Kollegen, die das System schon ausprobiert haben, brauchten zehn bis fünfzehn Minuten, um alle Eingaben zu machen", erzählt ein 48-jähriger Lastwagenfahrer aus Stuttgart an einer Düsseldorfer Tankstelle. Etwa 20 Angaben müssen gemacht werden, bis die Maut ausgerechnet ist: Schadstoffklasse, Achsenzahl, Strecke, exakte Ausfahrt ... dann kann der Fahrer seine Maut bezahlen.

Bedienung als lästig empfunden

"Die Kollegen, die diese Dinger benutzen müssen, tun mir schon leid. Was machen beispielsweise die tschechischen und italienischen Fahrer?", fragt der Stuttgarter. Die Automaten geben ihre Anweisungen auf deutsch, englisch, französisch und polnisch. Die als lästig empfundene Bedienung scheint das geringe Interesse am Probebetrieb zu befördern. "Ich sehe keinen Grund, mir noch mehr Arbeit aufzuhalsen", sagt ein niedersächsischer Lastwagenfahrer.

"Dann staut sich der Verkehr eben auf den Landstraßen

Ein Düsseldorfer Fahrer ist deshalb froh, dass er nicht an die Automaten muss. Er bekommt in zwei Wochen in seinen Wagen ein handygroßes Gerät eingebaut, das die Mautzahlungen direkt berechnet. Da er seine Waschmittelladungen ohne großen Termindruck fährt, will der 38-Jährige öfter auf die Landstraße ausweichen. "Dann staut sich der Verkehr eben auf den Landstraßen und nicht auf der Autobahn." Hier müsse keine Gebühr entrichtet werden. Er fahre jeden Tag mehrere hundert Kilometer, bei einer Gebühr von 12,4 Cent seien das bis zu 100 Euro Maut am Tag.

Auch die Tankstellen-Pächter sehen ihre Rolle als Mautstation durchaus zwiespältig. Einige wollen die Geräte nicht installieren, obwohl sie im Verzeichnis stehen. "Wir können die Lastwagen nicht gebrauchen, denn ein einziger Brummi blockiert gleich zwei Zapfsäulen", sagt Andreas Griguszis von einer BP-Station Essen.

Birgitta Fickers DPA

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