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Jugend forscht: Toll Collect junior: Das klappt

Drei Schüler haben ein funktionierendes Mautsystem aus handelsüblichen PC-Komponenten entwickelt. Toll Collect gibt zu, dass das Schülersystem "im Kleinen" funktionieren würde.

Die verpatzte Einführung der Lastwagen-Maut auf Autobahnen hat die deutsche Technikwelt dem Gespött ausgesetzt. Aber drei Gymnasiasten aus Bremen zeigen, dass beim Thema Maut noch Hoffnung für Deutschland besteht. Mit simplen Mitteln haben sie ein funktionierendes Mautsystem entwickelt. "Es ist eigentlich ganz einfach", sagt Helge Stobrawe. Zusammen mit seinen Freunden Tim Gosche und Andre Kreis hat er ohne großen Forschungsetat aus Laptop und W-LAN-Funkstationen ein Mautsystem gebaut.

Nicht einmal eine halbe Seite Text umfasst das Konzept der Zwölftklässler, mit dem sie ihr Mautsystem beschreiben. Vielleicht zu einfach für die Stiftung "Jugend forscht", denn für einen Preis bei deren Bundeswettbewerb reichte es nicht.

Dafür haben die drei es bis in Anke Engelkes Late-Night-Show geschafft. Selbst einige Experten des von Misserfolgen geplagten Maut-Konsortiums Toll Collect haben sich jetzt ein Bild von der Arbeit der Gymnasiasten gemacht und waren durchaus angetan.

Das Bakensystem

Eine Sprecherin des Konsortiums berichtete, bei dem von den Schülern entwickelten Mautsystem handle es sich um ein so genanntes Bakensystem, wie es in einigen Ländern wie etwa Österreich tatsächlich in Gebrauch sei. Für Deutschland komme es jedoch nicht in Frage, denn um hier mit einem Bakensystem zu arbeiten, müssten rund 5.000 Funkstationen entlang der 12.000 Autobahn-Kilometer installiert werden. Dies wäre aus der Sicht von Toll Collect zu aufwendig und unwirtschaftlich.

Die Schüler gliedern alle Autobahnen in Abschnitte. Mit jeder Auf- bzw. Abfahrt beginnt ein neuer Abschnitt, und auf jedem Abschnitt wird eine Funkstation zu geschätzten Stückkosten von 50 bis 60 Euro aufgestellt. Alle Lastwagen werden mit einem einfachen Computer als "Onboard-Unit" ausgerüstet. Für ihre Präsentation beim Bundeswettbewerb "Jugend forscht" diente den Schülern dazu ein Notebook mit W-LAN-Karte (Wireless-LAN-Funknetzwerkkarte).

Passiert ein Lastwagen eine Funkstation, auch "Access-Point" genannt, so veranlasst die Funkstation den Bordcomputer des Fahrzeugs, seine Identifikationsnummer zu übermitteln. Diese wird von der Funkstation automatisch an einen Zentralrechner weitergeleitet, der mit Hilfe dieser Daten erkennen kann, welcher Lastwagen auf welcher Autobahn welche Strecke gefahren ist. Dann kann die Maut genau abgerechnet werden.

"Bei kleineren Projekten einsetzbar"

Im Prinzip, so meint Toll Collect, gebe es nichts gegen die Methode der Schüler einzuwenden. Diese Technik könne bei kleineren Projekten, etwa einzelnen Tunneln, durchaus eingesetzt werden. Fraglich sei lediglich, ob die von den Schülern vorgesehene W-LAN-Karte in den Lkw-Bordcomputern den Anforderungen gerecht würde. Doch das sei eine Kleinigkeit, man könne die Identifikationsnummern auch anderweitig an die Funkstationen übermitteln.

Die drei Projektentwickler Stobrawe, Gosche und Kreis besuchen das Gymnasium Bremen-Vegesack. Alle drei haben den Leistungskurs Informationstechnik belegt.

Alexander Schnackenburg, AP / AP / DPA