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Ausbildung: Bulmahn: Jugendliche besser auf Beruf vorbereiten

Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn hat die Länder ermahnt, die Jugendlichen besser auf den Beruf vorzubereiten. Die Klagen der Betriebe über mangelnde Ausbildungsreife vieler Schulabgänger nehme sie "sehr ernst".

Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) hat die Länder ermahnt, die Jugendlichen besser auf den Beruf vorzubereiten. Die Klagen der Betriebe über mangelnde Ausbildungsreife vieler Schulabgänger nehme sie "sehr ernst", sagte die Ministerin nach Verabschiedung des Berufsbildungsberichtes 2003 im Kabinett. Die PISA-Studie hatte gezeigt, dass knapp ein Viertel aller 15-Jährigen in Deutschland Schwierigkeiten haben, einfache Texte zu verstehen und wiederzugeben.

Immer weniger Betriebe bilden aus

Dem Berufsbildungsbericht zufolge verweigern sich immer mehr Betriebe bei der Ausbildung: So bilden in den alten Bundesländern nur noch 23,8 Prozent der 1,67 Millionen Betriebe Jugendliche aus; 1990 waren dies noch 28,7 Prozent. In den neuen Ländern sind es sogar nur 19,8 Prozent; 1995 waren es 18,7 Prozent - ältere Zahlen liegen nicht vor. Basis für diese Angaben ist die Beschäftigungsstatistik der Bundesanstalt für Arbeit.

Kostenfaktor Vergütung

Als größter Kostenfaktor bei der Ausbildung gilt für die Betriebe die Lehrlingsvergütung. Der durchschnittliche Lehrlings-Tariflohn stieg im vergangenen Jahr im Westen auf rund 598 Euro (plus 2,7 Prozent), im Osten auf 508 Euro (plus 2,2 Prozent). Von Beruf zu Beruf weichen die Vergütungen aber deutlich voneinander ab. So bekommt ein Auszubildender im Baugewerbe im Durchschnitt 789 Euro (West) oder 643 Euro (Ost). Hohe Vergütungen werden auch im Druckgewerbe und bei Versicherungen gezahlt. Eher niedrige Löhne sind dagegen bei Friseuren (West: 406 Euro; Ost: 257 Euro) und Bäckern (West: 455 Euro; Ost: 350 Euro) üblich.

Ausbildung lohnt sich auch für die Betriebe

In der Debatte um die aktuelle Lehrstellenknappheit hatte es Forderungen aus der Wirtschaft nach Absenkung der Lehrlingslohns um 20 Prozent gegeben, was die Gewerkschaften entschieden zurückgewiesen haben. Der Regierungsbericht verweist auf neuere Berechnungen des Bundesinstituts für Berufsbildung, in denen nachgewiesen wird, dass sich für die Betriebe eine eigene Ausbildung auf Dauer finanziell lohnt. So profitierten die Unternehmen nicht nur von den "produktiven Leistungen" der jungen Menschen während der Ausbildung. Der Nutzen der eigene Ausbildung bestehe vor allem später in der Ersparnis bei der Anwerbung anderer Fachkräfte und deren Einarbeitung, heißt es.

Es geht um die "Zukunftsfähigkeit einer alternden Gesellschaft"

Bulmahn sagte bei der Vorlage des Berichts, mehr Anstrengungen bei der Ausbildung lägen angesichts des dramatischen Geburtenrückganges im Eigeninteresse aller Betriebe. Für Deutschland gehe es "um die Zukunftsfähigkeit einer alternden Gesellschaft". In den neuen Ländern würden auf Grund der Geburtenentwicklung bereits von 2005 an deutlich weniger junge Menschen für eine Ausbildung bereitstehen. Im Westen setzt diese Entwicklung ab 2009 ein.

58.000 Lehrstellen weniger

In diesem Jahr werden sich einer Prognose zufolge über 600.000 junge Menschen um eine betriebliche Berufsausbildung bewerben. Mit Besorgnis registrierte die Bundesregierung, dass Betriebe und Verwaltungen bis Ende März rund 58.000 Lehrstellen weniger angeboten haben als im Vorjahr. Anfang der Woche startete sie zusammen mit Arbeitgebern und Gewerkschaften eine Lehrstellen-Initiative. Insgesamt fehlen noch rund 140.000 Lehrstellen für dieses Jahr.

Bereits im vergangenem Jahr war zum gesetzlichen Stichtag 30. September die Zahl der neu abgeschlossenen Lehrverträge um rund 42.000 auf 572.000 gegenüber dem Vorjahreszeitraum gesunken, zeigt der Bericht auf. Dabei waren zunächst knapp 23 400 unvermittelte Jugendliche gezählt worden, von dem allerdings der Großteil bis Jahresende noch untergebracht werden konnte.

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