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Supercomputer: In Schwaben wird extrem schnell gerechnet

Deutschlands schnellster Supercomputer hat an der Universität Stuttgart seinen Dienst aufgenommen. Neben Wissenschaftlern aus aller Welt wird auch ein Autohersteller mitrechnen.

Der schnellste Computer Deutschlands ist auf dem Campus der Universität Stuttgart in Betrieb gegangen. Der "SX-8" genannte Rechner soll Computersimulationen für Wissenschaftler und Industriebetriebe ausführen.

Der neue Supercomputer verfüge über eine Leistung von 12,7 TeraFlops, sagte der Leiter des Höchstleistungsrechenzentrums in Stuttgart, Michael Resch. Der Rechner sei damit 100 Mal schneller als das Vorgängermodell und 5000 Mal schneller als ein normaler PC. Damit sei der der japanischen NEC Corp gebaute "SX-8" nun der größte und leistungsfähigste Rechner in Deutschland.

"Modellierungen in einer völlig neuen Dimension"

"Das ermöglicht Computersimulationen und Modellierungen in einer völlig neuen Dimension", sagte Resch. Mit "SX-8" seien Simulationen zur Messung von Statik und Windlast bei Brücken erstmals in einem Rechengang möglich. Der Computer werde vor allem in der Nanotechnologie, Biotechnologie, Medizin und der Astrophysik eingesetzt, sagte Resch. Auch die Autoindustrie könne SX-8 für Crash-Test-Simulationen und Luftwiderstandsmessungen nutzen.

Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) sagte, kein anderes europäisches Land verfüge über solch ein Rechnerpotenzial wie Deutschland. Sie verwies darauf, dass die Computersimulation in vielen Zweigen der Wissenschaft neben Theorie und Experiment die dritte Säule der Methodik darstelle. Vor allem in den Bereichen Astrophysik, in der theoretischen Chemie, in der Materialforschung, in den Lebenswissenschaften sowie in der Klima- und Erdsystemforschung bestehe enormer Bedarf an solchen Hochleistungsrechnern. "Der Forschungsstandort Deutschland muss ein gemeinsames Anliegen sein", sagte Bulmahn. Die Länder und der Bund allein könnten solche Initiativen nicht schaffen.

Nach Angaben von Prof. Michael Resch, dem Direktor des Zentrums, arbeiten in Deutschland 500 Menschen mit dem Stuttgarter Rechner. Er biete den Wissenschaftlern bei ihren Berechnungen "sehr viel mehr Sicherheit" als bisher und könne auch neu von Biowissenschaftlern eingesetzt werden. Die Rechnerkosten belaufen sich nach Reschs Aussage auf 5 bis 6 Euro pro Stunde, bei einem PC wären es 30 bis 40 Cent. Die Betriebskosten bezifferte er auf 1,3 Millionen Euro im Jahr. An Personalkosten fallen 1,5 Millionen Euro an.

Auch Porsche lässt mitrechnen

Wie der Autohersteller Porsche mitteilte, werde er den Rechner dazu nutzen, um die bei der Fahrzeugentwicklung notwendigen komplexen Computersimulationen noch effizienter vorzunehmen. Porsche ist an der 1995 gegründete Betriebsgesellschaft für Höchstleistungsrechner (hww) mit zehn Prozent beteiligt. "Wirtschaft und Wissenschaft in Deutschland haben ein gemeinsames Interesse an Supercomputern, die für Forschung und Entwicklung im internationalen Wettbewerb zunehmend an Bedeutung gewinnen", sagte Porsche-Chef Wendelin Wiedeking.

NEC entwickelt Hochleistungs-Prozessoren für die technische und wissenschaftliche Berechnungen in Forschung und Industrie. Bereits 1996 hat NEC den ersten Supercomputer an der Universität Stuttgart installiert. Der Rechner und der Neubau des Rechenzentrums der Universität Stuttgart kosteten insgesamt 57 Millionen Euro. Der Bund habe davon 23,5 Millionen Euro, das Land 14,5 Millionen Euro übernommen.

DPA/Reuters / DPA / Reuters