Deutsches Frühwarnsystem Erste Tsunami-Bojen übergeben


Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn hat ihrem indonesischen Kollegen Kusmayanto Kadiman die ersten zwei Messbojen für das Tsunami-Frühwarnsystem übergeben. Innerhalb von fünf Jahren soll das 45-Millionen-Euro-System errichtet werden.

Die Bojen sollen in Verbindung mit Meeresbodensensoren Seebeben und Flutwellen frühzeitig erkennen. Das von verschiedenen deutschen Instituten gemeinsam entwickelte System sei Beweis dafür, dass in Deutschland hervorragende Forschung betrieben werde, sagte Bulmahn.

"Es ist uns in kurzer Zeit gelungen, ein technologisches System zu entwickeln, das weltweit einmalig ist", sagte Bulmahn am Donnerstag auf einer Hamburger Werft, wo das 45 Millionen Euro teure System teilweise gebaut worden war.

Komplettes System innerhalb von fünf Jahren

Bulmahns indonesischer Amtskollegen Kusmayanto Kadiman lobte die deutsch-indonesische Partnerschaft: "Das ist ein Beweis für die hervorragende Zusammenarbeit in den Bereichen Wissenschaft und Technik". Unter Federführung des Geoforschungszentrums Potsdam haben deutsche Wissenschaftler das satellitengestützte System entwickelt, mit dem die Menschen in Asien so schnell wie möglich vor Flutkatastrophen gewarnt werden sollen.

Die GPS-Bojen werden in den nächsten Tagen nach Jakarta geflogen und im Oktober vor der indonesischen Insel Sumatra vom deutschen Forschungsschiff "Sonne" ausgesetzt. Außerdem werden im Indischen Ozean auch Bodendrucksensoren am Meeresgrund installiert, die durch akustische Signale relevante Daten, etwa zur Seismik, an die Bojen liefern. Über Beobachtungsstationen an der Küste sei es möglich, die Bevölkerung innerhalb von 20 Minuten nach den Messungen im Ozean vor einer Flutwelle zu warnen, sagte Bulmahn. Nach Informationen des Bundesforschungsministeriums soll das komplette System binnen fünf Jahren an Indonesien ausgeliefert werden.

Wissenschaftler des Geoforschungszentrums (GFZ) in Potsdam hatten am Tag zuvor das in Deutschland entwickelte Tsunami-Frühwarnsystem für Südostasien vorgestellt. Das Projekt soll den gefährdeten Regionen am Indischen Ozean spätestens ab 2008 größeren Schutz vor Flutwellen nach Seebeben garantieren. Ein Netzwerk von Erdbeben-Messstationen und Bojen, die Wellenbewegungen erfassen, bildet die Grundlage des Warnsystems.

40 Erdbeben-Messstationen sollen auch noch installiert werden

"Um reagieren zu können, müssen wir ein Seebeben innerhalb weniger Minuten erkennen und beurteilen, ob die Gefahr eines Tsunamis besteht", sagte Jörn Lauterjung vom GFZ. Das Forschungszentrum wird das Projekt von Deutschland aus koordinieren. Zunächst soll das Tsunami-Frühwarnsystem in Zusammenarbeit mit Indonesien installiert werden. Eine entsprechende Vereinbarung hatten Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) und ihr indonesischer Kollege Kusmayanto Kadiman im März getroffen. Weitere Staaten in der Region haben bereits ihr Interesse an einer Beteiligung ausgesprochen.

Neben dem Aufbau des Bojen-Netzwerks plant das Forschungszentrum die Einrichtung von 40 neuen Erdbeben-Messstationen im Indischen Ozean und den Küstenregionen. Die gemessenen Daten sollen in Rechenzentren der Anrainerstaaten zusammenlaufen. Von dort aus wird dann im Falle eines Seebebens die Bevölkerung der gefährdeten Regionen alarmiert und gegebenenfalls evakuiert. Zum Konzept gehört zudem eine umfassende Schulung der Menschen, von den Entscheidungsträgern und Experten bis hin zur Bevölkerung. Ziel ist ein verbessertes Katastrophenmanagement: "Mit einem solchen System hätte man bei der Katastrophe im vergangenen Jahr viel Schlimmes verhindern können", sagte Lauterjung.

AP


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