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Ernteausfälle : Bauern fordern Milliarden-Hilfe: Wie dramatisch ist die Lage? Und was plant der Bund?

Dass das Wetter ihnen das Geschäft vermiest, gehört für Bauern zum Berufsrisiko. In diesem Jahr sind viele Betriebe aber buchstäblich ausgetrocknet. Heute entscheidet sich, ob auch der Bund mit Geld hilft.

Mecklenburg-Vorpommern: Ein Bauer demonstriert die Folgen des heißen Sommers 

Mecklenburg-Vorpommern: Ein Bauer demonstriert die Folgen des heißen Sommers 

DPA

Verkümmerte Ähren, staubige Böden, knappes Futter für Milchkühe: Die wochenlange Dürre hat bei Landwirten in vielen Regionen Deutschlands schwer ins Kontor geschlagen. Für die zu Ende gehende Ernte 2018 befürchten Betriebe vor allem im Norden und Osten der Republik massive Einbußen. Nach dem Einsatz der Mähdrescher ist nun die Zeit des Bilanzierens. Sind die Schäden so existenzbedrohend, dass der Bund erstmals seit 2003 wieder mit Nothilfen wegen extremer Trockenheit einspringt? Landwirtschaftsministerin will am Mittwoch im Kabinett grundsätzlich Klarheit schaffen.

Wie dramatisch ist die Lage?

Bauernpräsident sprach schon bei einer Zwischenbilanz Anfang August von einem "katastrophalen Ausmaß" der Schäden. Statt zunächst geschätzter 41 Millionen Tonnen Getreide sei diesmal nur mit rund 36 Millionen Tonnen zu rechnen - nach 45,6 Millionen Tonnen im Vorjahr. Abschließende Zahlen will er am Mittwoch vorlegen. Daneben drohen Viehhaltern beim Futter für ihre Tiere teils akute Probleme. Einmal gemähtes Gras ist nun vielfach nicht für den sonst üblichen zweiten und dritten Schnitt nachgewachsen. Manche Höfe nutzen deswegen schon Vorräte für den Winter. Andere müssen Futter von anderswo zukaufen, wobei allein schon der Transport extra kostet.

Was fordern die Landwirte?

"Viele Bauern brauchen jetzt eine schnelle Unterstützung", fordert Rukwied, der Ende Juli auch schon einen Pflock für eine Größenordnung einschlug: "Eine Milliarde Euro wäre wünschenswert, um die Ausfälle auszugleichen." Von extremer Trockenheit betroffene Betriebe sollten direkte Hilfen erhalten. "Deshalb ist es erforderlich, dass die Bundesländer und der Bund die Nothilfe-Situation erklären." Zuständig für Hilfen sind zuerst die Länder. Manche rüsten sich auch schon für Programme. Der Bund kann diese erst dann mit eigenem Geld flankieren, wenn ein "nationales Ausmaß" der Schäden festgestellt wird.

Wie geht der Bund vor?

"Sorgfalt muss vor Schnelligkeit gehen, damit die Hilfe die Richtigen erreicht", gibt Klöckner als Maxime aus. Schließlich handele es sich um Steuerzahler-Geld. Für Viehhalter hat sie Erleichterungen auf den Weg gebracht, um von zusätzlichen Flächen Futter zu gewinnen. Basis für alles weitere sollen "repräsentative Daten" sein. Die will Klöckner am Mittwoch im amtlichen Erntebericht liefern, in den auch tatsächlich ermittelte Ergebnisse mehrerer Tausend Felder einfließen. Und regional gibt es durchaus Unterschiede. So liege bei Weizen und Raps die Spannbreite der Schäden zwischen 20 und 60 Prozent. Klöckner hat außerdem klargemacht, dass sie in eine Gesamtbetrachtung auch die momentan deutlich höheren Preise für Getreide einbeziehen will.

Wie geht es weiter?

Eine offizielle Definition, was genau Schäden von "nationalem Ausmaß" sind, gibt es nicht. Klöckner wollte sich vorab nicht in die Karten schauen lassen, wie sie entscheidet. Signale vor allem aus der Union deuteten aber darauf hin, dass die Regierung dürregeplagten Bauern nicht einfach nur die kalte Schulter zeigen will. "Wir sollten nicht kleinlich sein", meinte etwa Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) angesichts der "Ausnahmesituation". Als mögliche Blaupause gilt die Dürre von 2003. Damals zahlten der Bund und acht Länder 80 Millionen Euro. Generelle Schwelle für Hilfen ist, dass in einem Betrieb mehr als 30 Prozent der durchschnittlichen Jahreserzeugung zerstört sind.

Mädchen sucht nach Wasser
ivi / DPA