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Charter-Züge der Centralbahn AG: Blockupy kam per Sonderzug nach Frankfurt

Berlin, Göttingen, Frankfurt - und dazwischen literweise Bier, tanzende Aktivisten und das Gefühl von Klassenfahrt. Blockupy hat für seine Demonstranten einen Sonderzug nach Frankfurt gebucht.

Ein Sonderzug brachte Aktivisten zu den Blockupy-Protesten zur Eröffung der Europäischen Zentralbank in Frankfurt

Ein Sonderzug brachte Aktivisten zu den Blockupy-Protesten zur Eröffung der Europäischen Zentralbank in Frankfurt

Sie kamen aus ganz Deutschland, mit Bussen, Autos - und einem Sonderzug. Von Berlin über Göttingen nach Frankfurt. 900 Aktivisten.

Es sah aus wie eine große Klassenfahrt: In den Waggons wird Bier ausgeschenkt, Lieder gesungen, getanzt, letzte Plakate und Regenschirme beschrieben. Von der Gewalt und Aggression, die heute in Frankfurt zu sehen ist, war im Zug nichts zu spüren. Im Gegenteil, die Aktivisten schienen friedlich zu sein, wie auch ein Kamerateam von "Spiegel Online" festgehalten hat.


Auch ein Sprecher von der Centralbahn AG, bei dem der Sonderzug gechartert wurde, kann nur Positives berichten. "Es kam zu keinerlei negativen Vorkommnissen. Die Stimmung war friedlich und entspannt." Auch im Vorfeld habe er keine Bedenken gehabt, den Organisatoren des Sonderzugs diesen zu vermieten. "Wir haben bereits gute Erfahrungen mit Attac-Sonderzügen gemacht. Und auch mit Sonderzügen zu Fußballspielen haben wir meist keine Probleme." Ansage ist jedoch immer, wer randaliert, fliegt raus, und für Schäden muss der Organisator haften. Ähnlich handhabt auch die Deutsche Bahn die Vermietung ihrer Charter-Züge. So werden dort nicht im Vorfeld Gruppierungen ausgeschlossen, die Daten aber natürlich überprüft. "Wir haben das Glück, dass bei uns das Preisniveau bereits viele Gruppierungen ausklammert. Zudem arbeiten wir eng mit unserer internen Sicherheitsabteilung zusammen."


Der Organisator des Sonderzuges, das kapitalismuskritische Bündnis Blockupy, hat den Zug nicht nur als einfache Reisemöglichkeit gesehen: "Der Zug ist ein Symbol unseres Widerstandes gegen die Verarmungspolitik der Troika und das triste Fest der Alternativlosigkeit, das die EZB am 18. März feiern will," sagte Aaron Bruckmiller vom Blockupy-Bündnis. "Hunderte aktionsbereite Menschen werden sich eine ganze Zugfahrt lang gemeinsam auf den Protest einstimmen. Sie werden sich kennen lernen, diskutieren und Erfahrungen austauschen, und so bereits den Weg nach Frankfurt zu einem politischen Ereignis machen."


Laut der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" zeigt der gemietete Sonderzug vor allem, wie professionell die Bewegung ist. "Blockupy ist, was das Niveau der Organisation anbelangt, der Konzern unter den Aktionsbündnissen. Die Aktivisten führen ein straffes Regiment, das nicht die Ideologie, aber alle Kleinigkeiten des Alltags regelt."


stb