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DaimlerChrysler: Gespräche bisher ohne Ergebnis

Die wohl entscheidenden Verhandlungen bei DaimlerChrysler über massive Einsparungen bei den Personalkosten werden fortgesetzt. Für eine Einigung bleibt wenig Zeit: Am Freitag sind wieder Protestaktionen geplant.

Im Personalkosten-Konflikt beim Autokonzern DaimlerChrysler gehen die schwierigen Verhandlungen zwischen Vorstand und Gesamtbetriebsrat in die nächste Runde. Am Dienstag hatte es bei den Streitthemen Schichtzuschläge und der "Steinkühler-Pause" von fünf Minuten pro Arbeitsstunde trotz stundenlanger Gespräche keine Einigung gegeben. Allerdings wurde aus Verhandlungskreisen bekannt, dass über das vom Vorstand gewünschte Sparvolumen von 500 Millionen Euro eine Annäherung erreicht worden war. Daran werde eine Gesamtlösung nicht mehr scheitern, hieß es. Hart umkämpft sei aber der Weg dahin. Die Zuschläge und Erholpausen werde der Betriebsrat unbedingt verteidigen, hieß es aus den Verhandlungskreisen weiter. Gesamtbetriebsrat und Unternehmensleitung waren in der Stuttgarter Zentrale des Konzerns zusammengekommen.

Die IG Metall hat eigenen Angaben zufolge kein Interesse an einer weiteren Eskalation des Konflikts. Gewerkschaftschef Jürgen Peters sagte der Hannoverschen "Neuen Presse" (Mittwochausgabe), es werde "sicher" eine Einigung geben. Zur Begründung gab er an, der jetzige Zustand könne nicht von Dauer sein. Peters betonte demnach, die Gewerkschaft wolle einen tragfähigen Kompromiss, einen Eingriff in den Tarifvertrag werde es aber nicht geben. Die IG Metall werde im Streit um längere Arbeitszeiten einen "Dammbruch" verhindern, fügte er hinzu. Auch die Beschäftigten wüssten, dass es um mehr geht als um Daimler.

Gehaltsverzicht 'nur symbolische Geste'

Die Standortauseinandersetzung zwischen dem Vorstand und der IG Metall ist nach Worten des stellvertretenden Vorsitzenden der SPD-Bundestagsfraktion, Ludwig Stiegler, ein "ernster Kampf". Stiegler warnte am Dienstag im ZDF-Morgenmagazin: "Wir müssen aufpassen, dass sich nicht ein reines Shareholder Value durchsetzt und die Arbeitnehmer total untergebuttert werden." Das Angebot eines Gehaltsverzichts von zehn Prozent auf der Vorstandsseite sei nur eine symbolische Geste angesichts der Tatsache, dass man sich vorher das Gehalt um 100 Prozent erhöht habe.

Der zweite Vorsitzende der IG Metall, Berthold Huber, sagte der "Berliner Zeitung" (Dienstagausgabe): "Wir werden die geforderten 500 Millionen Euro nicht schlucken. Das ist ganz klar." Die Gewerkschaft strebt offenbar eine Lösung mit dem Vorstand an, die nicht nur die Arbeitsplätze am Standort Sindelfingen, sondern an allen deutschen Mercedes-Werken weit über die Einführung der neuen C-Klasse hinaus sichert. "Wir wollen eine Verabredung, die nicht nur zwei Jahre hält, sondern sämtliche mittelfristigen Produkteinführungen abdeckt. Eine Laufzeit von bis zu zehn Jahren ist denkbar", wurde Huber zitiert.

Bundesweite Proteste angedroht

Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall ging davon aus, dass sich Betriebsrat und Unternehmensführung auf einen Kompromiss einigen: "Beide Seiten sind gewillt, zu einer Einigung zu kommen, und ich gehe davon aus, dass es gelingt", wurde Gesamtmetall-Hauptgeschäftsführer Hans Werner Busch in der "Netzeitung" zitiert.

Aus Protest gegen die Sparpläne hatte die Nachtschicht von Montag auf Dienstag im Werk Sindelfingen mit 1.500 Mitarbeitern die Arbeit niedergelegt. Der Vorstand droht mit dem Wegfall von 6.000 Stellen im Werk Sindelfingen, falls die Einsparungen in Höhe von 500 Millionen Euro nicht erbracht werden. Wenn keine Lösung gefunden wird, soll die neue C-Klasse nach Willen der Konzernleitung ab 2007 zum größten Teil in Bremen gebaut werden. Auch die Produktion in Südafrika soll dann ausgeweitet werden.

SPD für Kürzungen bei Managergehältern

Der Gesamtbetriebsrat drohte für kommenden Freitag mit weiteren bundesweiten Protesten, sollten sich Vorstand und Gesamtbetriebsrat diese Woche nicht einigen. Die stellvertretende SPD-Vorsitzende Ute Vogt kritisierte den von DaimlerChrysler-Chef Jürgen Schrempp angekündigten Verzicht auf bis zu zehn Prozent der Vorstandsbezüge als unzureichend. "Das ist zwar eine richtige Geste. Sie reicht aber nicht aus, um die Erpressung der Mitarbeiter wieder gut zu machen", wurde Vogt in der "Welt" (Dienstagausgabe) zitiert.

Die umstrittenen Gehaltskürzungen für Manager sind bei Siemens bereits Realität: Das Unternehmen korrigierte schon zu Beginn des laufenden Geschäftsjahrs im Oktober 2003 die Vorstandsbezüge nach unten, wie ein Siemens-Sprecher am Dienstag in München sagte. Dazu seien erfolgsabhängige Sonderboni gekürzt worden. Unterm Strich verringerten sich die Vorstandsbezüge um rund zehn Prozent, sagte der Sprecher. Die SPD setzt sich laut "Bild"-Zeitung offenbar verstärkt für Kürzungen bei den Managergehältern ein. Der wirtschafts- und arbeitsmarktpolitische Sprecher der SPD im Bundestag, Klaus Brandner, sagte: "Kürzungen bei Beschäftigten soll es nur noch geben, wenn die Bosse bereit sind, dauerhaft und verbindlich eigene Kürzungen beim Gehalt anzubieten."(AP/DPA)

DPA